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"erfasst, verfolgt, vernichtet" - Ausstellung thematisiert Ermordung kranker und behinderter Menschen im Nationalsozialismus

09.05.2017
LHStv.in Beate Prettner eröffnete mehrfach ausgezeichnete Wanderausstellung in Klagenfurt - Die Opfer: mehr als 200.000 behinderte Menschen, die Täter: Ärzte, Psychiater


Klagenfurt (LPD). Man "gewährte" ihnen den "Gnadentod" - weil ihr Leben "ein unwertes war" … Ab 1934 wurden mehr als 200.000 Menschen in Heil- und Pflegeanstalten systematisch ermordet. Die Dimension eines der düstersten Kapitel der Geschichte kam erst nach und nach ans Tageslicht. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) hat sich diesem Kapitel gestellt und ihre "Aufarbeitung" in eine - mittlerweile mehrfach ausgezeichnete - Wanderausstellung gefasst. Gestern, Montag, am Gedenktag zum Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde diese im Klagenfurter Landesarchiv durch Sozialreferentin LHStv.in Beate Prettner eröffnet. Ergänzt wurde sie von einem regionalgeschichtlichen Teil - der Ermordung geistig und körperlich kranker Menschen in Kärnten.

"Die Taten machen fassungslos. Sind schlichtweg nicht zu glauben - weil sie darlegen, welche Brutalität in Menschen stecken kann", erklärte Prettner bei der Eröffnung. Umso betroffener würde sie machen, dass die Täter "angesehene" Menschen waren: Ärzte, Psychiater, Neurologen… Prettner zeigte sich dankbar, dass sich die Wanderausstellung - ebenso wie Vereine gegen das Vergessen - nun dieser Thematik widmen. "Ich hoffe, dass sich viele Menschen die Zeit nehmen, sich mit diesem unwürdigen Kapitel der Geschichte auseinanderzusetzen. Es ist notwendig, Bescheid zu wissen." Viel zu lange sei darüber geschwiegen worden. "Doch nur wer das Wissen über das Damals hat, kann heute den Anfängen wehren."

Primaria Christa Rados, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, entschuldigte sich in ihrer Eröffnungsrede für die Gräueltaten, für die ihre Kollegenschaft im Nationalsozialismus verantwortlich war. Ihr Appell: "Geben wir Acht, denn es ist jederzeit möglich, dass sich derartiges Unrecht in einem zeitgeistigen Gewand wieder bemerkbar macht."

Der Ausstellungseröffnung ging eine spannende Podiumsdiskussion - moderiert von Peter Plaikner - voraus. Am Podium neben Prettner und Rados auch Prof. Frank Schneider von der DGPPN, Primarius Herwig Oberlerchner und Landesarchiv-Direktor Wilhelm Wadl.

Hinweis: Die Ausstellung ist bis 24. Mai zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag: 8 bis 15.30 Uhr, Freitag: 8 bis 12.30 Uhr



Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Böhm
Fotohinweis: Büro LHStv.in Prettner