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Konfliktfreie Almsaison verlangt Umsicht und Weitsicht

22.05.2017
LR Benger: Almsaison steht vor der Tür – Für die Einen Existenzgrundlage, für die Anderen Erholung, Sport und Urlaub


Klagenfurt (LPD). Mit einem Appell an alle begann Agrarlandesrat Christian Benger sein Statement zur bevorstehenden Almsaison bei einer Pressekonferenz heute, Montag, auf der Feldpannalm hoch ober Feld am See. „Eine Alm ist mit einer Betriebsstätte gleich zu stellen. Umsichtiger Umgang, weitsichtiges Verhalten – zum eigenen Schutz, zum Schutz der Tiere, zum Schutz der Bewirtschaftung und zur Sicherung von Existenzen und des Fortbestandes der Almen ist von allen gefordert“, so Benger. Konkret meinte er die vermehrten Nutzungskonflikte auf Almen. Zusammentreffen zwischen Weidetieren, Wanderern mit/und Hunden enden nicht immer glimpflich.


„Eine Mutterkuh verteidigt ihr Kind gegen Gefahr wie jede andere Mutter ihr Kind verteidigt“, erklärte Urlaub am Bauernhof-Vermieterin Karin Schabus aus Bad Kleinkirchheim. „Die Almen und die Alpung sind für die Bauern Existenzgrundlage, aber ebenso für einen Teil unseres Tourismus. Und die Almwirtschaft wird zu 100 Prozent der Forderung nach gesunden Lebensmitteln gerecht. Also müssen wir alle miteinander auskommen“, betonte Schabus.


Das Land übernimmt daher auch die Haftpflichtversicherung für alle rund 1.300 Almbauern, die Mitglied im Almwirtschaftsverein sind. Mit 14.000 Euro pro Jahr für das Land besteht eine Deckungssumme für jeden Almbauern in Höhe von drei Mio. Euro.


Die Bewirtschaftung der Almen sichert laut Benger die Lebensmittelproduktion, die Erhaltung der Kulturlandschaft, also offene Almen, die nachhaltigste und artgerechteste Viehhaltung, Einkommen, Tourismus- und Freizeitwirtschaft, sichert Lebensraum und ist ein Beispiel für Leistungsbereitschaft durch die erschwerten Wirtschaftsbedingungen. „Almen haben eine ökonomische, ökologische und eine soziokulturelle Funktion. Also sind wir auch alle von der Erhaltung betroffen“, so Benger.


Das hat auch die EU erkannt, denn ohne öffentliche Zahlungen ist die Almwirtschaft nicht sicher zu stellen. „Wir werten es als Errungenschaft, dass die Mittel für die Almwirtschaft in der jetzigen EU-Periode gleich hoch sind wie zuvor“, erklärte Benger. 12,4 Mio. Euro fließen jährlich in die Erhaltung unsere Almen. Rund zwei Mio. wurden in den letzten zwei Jahren beispielsweise in Qualität, Urlaub auf der Alm, in Wasser- und Stromversorgung investiert.


„Die Bewusstseinsbildung für die Almwirtschaft muss so früh wie möglich beginnen. Mit dem Projekt Schule auf der Alm bringen wir jedes Jahr rund 1.200 Schulkinder auf die bewirtschafteten Almen“, berichtete Sepp Obweger, Obmann des Almwirtschaftsvereins. Mit 7.500 Euro unterstützt das Agrarreferat die Buskosten für die Schulklassen.


Die Almbauern bereiten sich nun auf die Saison vor, die Erneuerung sämtlicher Zäune steht vor dem Abschluss. „Wir können und wollen aber nicht alles einzäunen. Trotzdem müssen Konflikte vermieden werden“, so Obweger. Immer wieder werden gefährliche Situationen zwischen Mutterkühen und Wanderern, vor allem jenen mit Hund, bekannt. Die Mutterkuhhaltung ist laut Obweger die natürlichste Form der Tierhaltung und ein Hund werde von einer Kuh als Feind des Kalbes angesehen. „Vieles passiert aus Unwissenheit, aber eine Kuh wird ihr Kalb immer beschützen. Mit entsprechenden Tafeln versuchen wir, auf die Problematik hinzuweisen und damit Wanderer und Grundeigentümer zu schützen“, so Obweger.


Auch Hubert Rainer, Obmann von Urlaub am Bauernhof, verwies auf das Konfliktpotenzial. „Almhüttenurlaub ist etwas Besonderes, aber die Sicherheit ist auch wichtig. Unsere Gäste lernen das Verhalten auf den Almen in unseren Betrieben kennen“, sagte Rainer. Auf 150 Tage Auslastung können Kärntens Almhütten verweisen, sie sind damit ein Wirtschaftsfaktor und Einkommensgrundlage.


Zahlen und Daten zur „Alm“: 1.873 Almen; überwiegend zwischen1.300 – 1.700 m Seehöhe; Hochalmen: über 1.700 m (Hohe Tauern); Auftreiber: 4.069 (= jeder zweite rinderhaltende Betrieb); Futterfläche: 52.513 ha; Gesamtfläche: 151.500 ha (= 16 % der Landesfläche); Hirten/Senner: 560; Tiere: 69.122 Stück davon 1.355 Pferde, 1.495 Milchkühe, 27.046 Mutterkühe, 20.493 sonstige Rinder, 18.733 Ziegen/Schafe



Rückfragehinweis: Büro LR Benger

Redaktion: Robitsch/Böhm

Fotohinweis: Büro LR Benger