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Psychiatrieplan 2020: Umfassendes Konzept für psychische Gesundheit vorgestellt

03.07.2017
LHStv.in Prettner: Versorgungsstrukturen werden eng vernetzt, neue Ambulatorien und mobile Teams in Planung - flächendeckende Versorgung als Ziel


Klagenfurt (LPD). Psychische Erkrankungen: Zuerst jahrhundertelang tabuisiert, dann jahrzehntelang als Krankheiten zweiter Klasse angesehen. Tatsächlich ist ein Mensch aber nur dann gesund, wenn er sowohl körperlich und organisch, als auch seelisch und geistig fit ist. Aus diesem Grund hat das Land Kärnten in enger Zusammenarbeit mit externen Experten und der Kärntner Gebietskrankenkasse (KGKK) im Auftrag der Landeszielsteuerungskommission einen komplett neuen Strukturplan konzipiert: den Psychiatrieplan 2020. Dieser wurde heute, Montag, in einer gemeinsamen Pressekonferenz von Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner, KGKK-Direktor Johann Lintner sowie dem federführenden Planer und Psychiatriekoordinator, Georg Ratschiller, der Öffentlichkeit präsentiert. "Gesundheitspolitisch schreiben wir in Kärnten heute Geschichte: ein ähnlich kompaktes, umfassendes und wegweisendes Konzept für die Vorbeugung, Vorsorge, ambulante und außerstationäre Behandlung von psychischen Erkrankungen hat es bisher noch nicht gegeben", betonte Prettner.

Mit dem Psychiatrieplan 2020 wird eine wesentliche Qualitätssteigerung vor allem auch in der außerstationären psychiatrischen Versorgung im Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbereich angepeilt. Um das zu erreichen, wurden der aktuelle Ist-Stand erhoben und neue Ziele definiert. "Fakt ist, dass wir in Kärnten bereits viele verschiedene Strukturen haben, die gut funktionieren - die Koordination und enge Vernetzung dieser Strukturen plus eine Ergänzung um weitere Teilbereiche, machen den Psychiatrieplan aus", erklärte Ratschiller. Mit 2020 wird Kärnten einen Meilenstein im stationären Bereich erzielen können: zwei vollwertige psychiatrische Abteilungen in den Krankenhäusern in Klagenfurt und Villach. Darauf aufbauend wird es auch zusätzlich neue Ambulatorien mit multiprofessionellen Teams geben. Diese sind vorerst für die Versorgungsregionen Ober- und Unterkärnten je in Villach und Klagenfurt geplant und sollen in weiterer Folge auf die Bezirke Spittal und Wolfsberg erweitert werden. Die Versorgung durch die Ambulatorien ist aber bereits davor sichergestellt: über mobile Versorgungseinheiten und flächendeckende Beratungsstellen mit Tagesstrukturen soll eine lückenlose Betreuung für Kärnten stattfinden.

Neu ist auch der Schwerpunkt, der auf die alterspsychiatrische Betreuung via Spezialteams gesetzt wird. "All diese Leistungen werden mobil angeboten, sozusagen als aufsuchende medizinische Betreuung - denn wir wissen, dass wohnortnahe Versorgung dringend benötigt wird", so Prettner. Für die Jahre 2018 und 2019 werden über Strukturmittel des Kärntens Gesundheitsfonds rund sieben Millionen Euro in die Optimierung der psychiatrischen und psychosozialen Versorgungslandschaft Kärntens investiert und das aus gutem Grund: "Die Folgekosten, die durch psychische Erkrankungen, Langzeitkrankenstände etc. entstehen, sind enorm und tendenziell steigend. Dem wollen wir mit dem Psychiatrieplan 2020 entgegen wirken, indem Versorgung schnell, zielgerichtet, wohnortnahe und bedarfsgerecht passieren kann", so Lintner.

Studien der WHO folgend werden im Jahr 2030 Depressionen bereits die Erkrankung Nummer eins sein. Einer von drei Menschen sieht sich im Laufe seines Lebens bereits jetzt mit einer psychiatrischen Diagnose konfrontiert. Österreichweit belaufen sich die Folgekosten von psychischen Erkrankungen auf rund eine Milliarde Euro pro Jahr - Grund genug, dem entgegenzusteuern. "Das tun wir mit einem eng verschränkten Netzwerk, das vorhandene Strukturen nutzt, neue Angebot schafft und den Behandlungsverlauf von Patientinnen und Patienten inklusive Nachsorge besser plant", so Prettner.



Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Leifert/Böhm
Fotohinweis: Büro LHStv.in Prettner