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Suizidprävention: Tabuthema Selbstmord im Fokus

07.09.2017
LHStv.in Prettner präsentierte gemeinsam mit Prim. Christa Rados Maßnahmenbündel zur Suizidprävention - In Österreich sterben um 2,5 Mal mehr Menschen durch Selbstmord als durch Verkehrsunfälle


Klagenfurt (LPD). Der 10. September ist Welttag der Suizidprävention. Der 10. Oktober ist Tag der psychischen Gesundheit. "Dieses Zeitfenster wollen wir nutzen, um gezielt auf diese weitgehend tabuisierten Themen aufmerksam zu machen", erläuterte heute, Donnerstag, im Rahmen einer Pressekonferenz Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner. Denn: Die Faktenlage sei alarmierend. Tatsächlich sterben in Österreich pro Jahr ca. 1.260 Personen durch Suizid. Das sind zweieinhalb Mal so viele wie durch Verkehrsunfälle und acht Mal so viele wie durch Drogenkonsum.

"Während aber über Verkehrssicherheit und Drogen intensiv diskutiert wird, werden psychische Gesundheit und Suizide nur am Rande gestreift", so Prettner. Einem Suizid bzw. Suizidversuch geht häufig eine depressive Phase voraus. Schon heute erkrankt jeder fünfte Österreicher im Laufe seines Lebens an einer Depression. Tendenz massiv steigend.

"Kärnten hat daher ein Bündel an Maßnahmen im Kampf gegen Depression und Suizid geschnürt", informierte Prettner. Zum einen ist dies der Psychiatrieplan 2020, der in den Regionen sechs Ambulatorien sowie mobile Teams vorsieht (bis 2020 wird in Kärnten eine flächendeckende psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung umgesetzt sein). Zum anderen ist es das europäische "Bündnis gegen Depression", dem sich Kärnten - nach Tirol und Niederösterreich als drittes Bundesland - angeschlossen hat.

Das Bündnis mit dem Projektträger pro mente Kärnten rückt drei Themenbereiche in den Vordergrund: Die Erstellung einer Datenbank (die Daten helfen, faktenunterlegte Schlüsse zu ziehen und daraus quasi maßgeschneiderte Strategien zu entwickeln); Maßnahmen in der schulischen und außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit; Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, um die Menschen wachzurütteln und Bewusstsein zu schaffen. Am Programm stehen beispielsweise ein "Mutlauf" am 1. Oktober in Ferlach, Vorträge in Gemeinden oder in Kooperation mit "Irrsinnig menschlich e.V. Leipzig", das Programm "Verrückt? Na und! Seelisch fit in Schule und Ausbildung". Parallel dazu wurde und wird in Kärnten eine Suizidpräventionsstrategie umgesetzt. Dazu findet am 14. September eine Fachtagung im Klagenfurter Lakesidepark statt.

"In Kärnten setzen sich bereits unterschiedliche Einrichtungen und Initiativen mit dem Suizid auseinander. Unter anderem ist der psychiatrische Not- und Krisendienst rund um die Uhr erreichbar", erklärt die Villacher Primaria Christa Rados, Präsidentin der österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie. "Ziel der Präventionsstrategie ist es nun, das Angebot zu bündeln, zu schärfen und zielgerichteter auszubauen", so Rados. Sie hält den Weg, den Kärnten hier einschlägt, für den richtigen und vorbildlichen.

Wie Rados ausführte, gelten Kärnten und die Steiermark als Suizid-Spitzenreiter Österreichs. "In Kärnten lag die Zahl der Suizidtoten im Vorjahr bei 119. 75 Prozent der Suizide werden von Männern verübt", so Rados. Als Hochrisikoberufe nannte sie Land- und Forstwirte, Mediziner und Biowissenschaftler, Sicherheitskräfte, Fabrikarbeiter und Hilfsarbeiter. Übrigens: Die deutliche Männerlastigkeit erklärt die Expertin mit der Tatsache, dass Frauen bei Selbstmordversuchen am häufigsten eine Vergiftung durch Medikamente wählen würden. Hier sei die Wahrscheinlichkeit einer Rettung wesentlich höher als bei den "männlichen", aggressiveren Selbstmordarten. Die wichtigste und effektivste Kampfmaßnahme zur Suizidprävention ist für Rados "die Enttabuisierung und dass die Thematik in die Köpfe der Menschen dringt. Es geht darum, psychische Erkrankungen zu erkennen. Nur dann können wir darauf reagieren."


Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Böhm