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WIRTSCHAFT

Harbach 2020 - Innovative Quartiersentwicklung in Klagenfurt

08.09.2017
LHStv.in Schaunig: Bedarfsorientiertes Wohnen mit sozialen Kernwerten als Vorzeigemodell des zeitgemäßen Zusammenlebens


Klagenfurt (LPD). Kein reines Wohnquartier, keine Aneinanderreihung von Wohnblöcken - im Osten von Klagenfurt entsteht auf elf Hektar Grund ein zukunftsweisendes Wohnprojekt mit Augenmerk auf Nachhaltigkeit, soziale Inklusion und Gemeinschaftlichkeit. Bis zu 900 geförderte Wohnungen sollen bis zum Jahr 2030 Raum für 2.000 Menschen schaffen. Das Land Kärnten, die Stadt Klagenfurt, die Vorstädtische Kleinsiedlung und die Landeswohnbau Kärnten als Bauträger, sowie die Diakonie de La Tour als Partner vor Ort, realisieren gemeinsam ein richtungsweisendes Konzept der Stadtentwicklung.

"Harbach 2020 soll zu einem Musterbeispiel für das Zusammenleben von unterschiedlichen Generationen und unterschiedlicher Einkommensschichten werden. Ein Vorzeigemodell für zukünftige Wohnformen und offen für aktuelle und kommende Entwicklungen in Bezug auf aktuelle demografische Entwicklungen, gesellschaftliche Zusammensetzung, Bausubstanz und nachhaltiges Bauen. Starre baulich-räumliche Strukturen, die für bestimmte Verhältnisse maßgeschneidert sind, können auf gegenwärtige Dynamiken nicht reagieren. Die gesellschaftlichen Veränderungen erfordern neue bedarfsorientierte Konzepte des Wohnens sowie eine ökologisch schonende Bauweise. Wir starten mit Harbach 2020 einen offenen Arbeits- und Lernprozess, der die Erfahrungen und Beobachtungen aller beteiligten Partner zusammenführt, um eine völlig neue, soziale Entwicklung eines Stadtteiles anzustoßen", erläuterte Wohnbaureferentin LHStv.in Gaby Schaunig die Idee, die hinter diesem Projekt steht.

Dem anvisierten Start des Bauvorhabens im Frühling 2018 ist eine Ausschreibung vorausgegangen, in der nicht nur das Thema Wohnraumbeschaffung zentrales Thema war, sondern auch die Einbindung der zukünftigen Wohnanlage in das bestehende Areal und die Einarbeitung bestehender Infrastruktur, wie Kindergarten, Schule und Pflegeheim in einen städtebaulichen Masterplan. Ziel ist die Einbindung der Wohnanlage in das Smart City Konzept der Stadt Klagenfurt. "Das heißt, eine Busanbindung alle fünfzehn Minuten, eine Tankstelle für Elektroautos, eine Next Bike Station, wie sie anderorts in Klagenfurt bereits zu finden sind. Das heißt aber vor allem die sinnvolle und effektive Nutzung der Aufschließungswege, den Lückenschluss im Radweg entlang der Glan - kurz den Ausbau der Wohnlage als Mobilitätsknotenpunkt der Stadt", so Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz und sie führte weiter aus: "Harbach 2020 ist ein richtiger Schritt in eine nachhaltige Zukunft und ökologisch, ökonomisch sinnvolle Wohnformen, ohne Komfortverlust."

Wie diese Zukunft aussehen kann, wird ab 13. September auf der Herbstmesse Klagenfurt anschaulich präsentiert: Im Rahmen der BIG GREEN Nachhaltigkeits-Challenge wohnen drei Kärntner Pärchen insgesamt fünf Tage und vier Nächte in drei verschieden Gebäuden, die von der HTL Villach entwickelt worden sind - eines davon symbolisiert Harbach. Harbach 2020, der bisherige Arbeitstitel des Projektes, wird auf der Herbstmesse bereits als "hi-Harbach" präsentiert, dem nunmehr offiziell feststehenden Namen und dem gleichnamigen Bewerbungssujet. "Begrünte Dächer, gezielte Beschattung, eine ökologische Bauweise und Wärmeversorgung, das sind ja nicht nur Beiträge zum Klimaschutz, das senkt auch die Betriebskosten und kommt im Endeffekt wieder den Bewohnerinnen und Bewohnern zugute," betonte Stadtrat Frank Frey und wies darauf hin: "Solche umfassende Konzepte der Stadtentwicklung, die Nachhaltigkeit, Klimaschutz und soziale Aspekte vereinen, sind in einer Stadt mit 100.000 Einwohnern sehr ungewöhnlich und werden mit Sicherheit kopiert."

"Die Chance, so ein Projekt zu realisieren, muss man erst einmal bekommen. Eine schrittweise Zusammenführung von Innovation, Beobachtung und Erfahrung münden in einem Vorzeigeprojekt, wie man einen Stadtteil gestalten kann. Hier wird nicht nur Wohnraumversorgung für die nächsten Jahre sichergestellt, hier wird Innovationsarbeit geleistet. Die angestrebte soziale Durchmischung der Anwohner stellt sicher, dass dieser Stadtteil mit Leben gefüllt wird und nicht verödet, also auch eine durchaus attraktive Gegend für Geschäftsansiedelungen darstellt," so Günther Kostan, Vorstand der Vorstädtischen Kleinsiedlung. Wolfgang Ruschitzka von der Landeswohnbau Kärnten ergänzte: "Alles, was an Innovationen in den letzten Jahren geleistet wurde, alles was wir an Erfahrung haben, fließt in dieses Projekt ein. Hier wird ein komplexes System von Wohnen, Mobilität und sozialer Inklusion umgesetzt und damit eine Grundlage für zeitgemäßes Wohnen und Leben geschaffen."

Die Wohnungen selbst sollen in Bezug auf Größe und Wohnungsdurchmischung den aktuellen Richtlinien der Wohnbauförderungen entgegen kommen. Bevorzugte Wohnungsausrichtungen, Grünzonenausrichtung, Verkehrslärmbelästigung und Besonnung wurden ebenfalls ins Konzept aufgenommen, barrierefreie Wohnungen als Notwendigkeit zeitgemäßen Bauens festgelegt. Im ersten Bauabschnitt sind zunächst ein bis vier komplett barrierefreie Baukörper vorgesehen. Basis für die Umsetzung der ersten Baukörper werden die Pläne von Architekt Reinhold Wetschko sein. Der Klagenfurter Architekt überzeugte die Jury mit seinem zeitgemäßen, integrativen und klimagerechten Gestaltungskonzept. Nicht zuletzt durch die ästhetische Umsetzung des Bauvorhabens, dass die Lebendigkeit und Vielfalt, die das Projekt auf allen Ebenen in sich trägt, auch in der visuellen Erscheinung widerspiegeln soll. Jede weitere Baustufe soll ebenfalls im Rahmen eines Architekturwettbewerbs gestaltet werden.

Eine lebendige, solidarische Nachbarschaft der Generationen, Nationalitäten und Kulturen soll das Herz des neuen Stadtviertels werden, eingefasst in ökologisch nachhaltige und leistbare Wohnmöglichkeiten. Dazu gehört neben der Eigenermächtigung über Kommissionen, die zum Zwecke gemeinschaftlicher Agenden gebildet werden, auch der Wohn- oder Sozialraumkoordinator, einstweilen als "Kümmerer" bezeichnet. "Früher gab es in jedem Dorf Menschen, die diese Funktion erfüllt haben, die Ansprechpartner und Anlaufstelle waren. Der ‚Kümmerer‘ soll im Wohnprojekt Harbach 2020 beziehungsweise ‚hi-Harbach‘, eben jene Funktionen übernehmen um die Anliegen der Bewohnerinnen und Bewohnern zu vertreten oder direkte Hilfestellung zu leisten", so Pfarrer Hubert Stotter, Rektor der Diakonie de La Tour. Dabei würden die Aufgabengebiete des Koordinators von der Organisation von Fahrdiensten bis hin zur Teambesetzung für den gemeinschaftlich betreuten Garten reichen. "Diese Wohnanlage wird nicht von der Diakonie betreut, das möchte ich festhalten. Wir beteiligen uns an diesem Projekt nicht um ‚Betreutes Wohnen‘ in Kärnten einzuführen, sondern wir treten als Partner für ein ‚betreubares Wohnen‘ auf. Wir bieten mobile Dienste an, natürlich, aber wir erheben kein Monopol auf Betreuung", so Rektor Stotter weiter.

"Ziel ist das Erreichen eines gemeinsamen Mit- und Füreinander. Mag dieser Anspruch auf den ersten Blick auch utopisch scheinen - mit der Bereitstellung entsprechender Infrastruktur, mit der Schaffung von Freiflächen, Gemeinschaftsräumen, Barrierefreiheit in allen Bauteilen, gemeinsam betriebenen Gärten, Nahversorgern, Kinderbetreuungseinrichtungen und Begegnungsräumen, stellen wir von politischer und baulicher Seite alle Möglichkeiten moderner Raumnutzung zur Verfügung. Zusätzlich sorgen wir über die Wohnbauförderung, korrespondierend mit unterschiedlichen Wohnungsgrößen für eine größtmögliche Diversität und Durchmischung bei den zukünftigen Mieterinnen und Mietern des neuen Stadtviertels. Durch den stufenweisen Aufbau stellen wir sicher, dass wir mit jedem Schritt den wir in Harbach setzten, aus den Erfahrungen lernen können - das heißt - wir werden uns den Menschen anpassen und nicht umgekehrt," stellte Wohnbaureferentin Schaunig noch fest.



Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Schaunig
Redaktion: Grollitsch/Böhm
Fotohinweis: Büro LHStv.in Schaunig