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"Schmerz lass nach": Kärnten seit 25 Jahren Vorreiter

05.10.2017
LHStv.in Prettner: Jährlich 3000 neue Patienten mit chronischen Schmerzen - Kärnten ist für die Zukunft gerüstet


Klagenfurt (LPD). Vor 25 Jahren wurde am Klinikum Klagenfurt das Zentrum für Interdisziplinäre Schmerztherapie und Palliativmedizin (ZISOP) gegründet - "ein Schmerzzentrum, das in Österreich seinesgleichen sucht. Es war vor 25 Jahren Vorreiter und ist heute noch immer Vorreiter, denn in ganz Österreich gibt es nach wie vor keine vergleichbare Einrichtung", erklärte Gesundheitsreferentin Beate Prettner heute, Donnerstag, im Rahmen einer Pressekonferenz.

Wie wichtig und vorausschauend diese Gründung gewesen ist, zeigen die aktuellen Zahlen. "In Österreich leiden nach Experten-Schätzungen 1,5 bis 1,8 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. Das sind allein in Kärnten zwischen 95.000 und 115.000 Betroffene", so Prettner. "Und das ist erst der Beginn einer noch viel größeren Schmerzwelle, die auf uns zurollt. Das hat zum einen mit den steigenden Belastungen im Alltag zu tun, vor allem mit den psychischen. Zum anderen steigt die Lebenserwartung immer weiter an, und mit dem Alter die Häufigkeit von Schmerzen."

Wie Primarius Rudolf Likar, Leiter der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Klinikum Klagenfurt und Leiter des ZISOP, erläuterte, würden pro Jahr rund 3000 neue chronische Schmerzpatienten aufgenommen werden. "Die Kärntner Gesundheitspolitik ist sehr vorausschauend gewesen. Mit der interdisziplinären intensiven Schmerzbehandlung können teure Folgekosten abgefangen werden", ist Likar überzeugt. Heute betragen in Österreich allein die jährlichen Kosten für Erkrankungen des Muskel- und Bewegungsapparates bereits mehr als 5,5 Milliarden Euro und jene für Krankenstandstage bei chronischen Rückenschmerzen etwa 400 Millionen Euro. "Etwa die Hälfte der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen geht frühzeitig in Pension. Leider hat die Pensionsversicherung darauf noch nicht reagiert", bedauert der Experte. Finanziert wird das Schmerzzentrum daher nur von der GKK und dem Land Kärnten bzw. dem Gesundheitsfonds.

Mit der Einführung eines speziellen multimodalen Behandlungskonzeptes vor fünf Jahren wird außerdem auf eine weitere spezielle Patientengruppe abgezielt: Patienten mit Kopf- und Rückenschmerzen: "Dieser Zugang ist besonders für Menschen im erwerbsfähigen Alter gedacht, die seit mindestens sechs Wochen an viszeralen Schmerzen, Kopf- oder Rückenschmerzen leiden und bei denen die üblichen Therapien keine oder zu wenig Wirkung gezeigt haben. Für diese Gruppe bietet unser interdisziplinäres Team ein sehr spezifisches Programm - es dauert vier Wochen zu je sechs Stunden pro Tag", erklärt Likar.

"Wir wissen aus Studien, dass die Wahrscheinlichkeit, nach mehr als sechs Monaten Arbeitsausfall an den Arbeitsplatz zurückzukehren, nur bei 50 Prozent liegt. Nach einem Jahr kehrt gar nur noch jeder Fünfte ins Erwerbsleben zurück. Gleichzeitig sehen wir aber, dass das kein unumkehrbarer Weg sein muss", erläuterte Dr. Wolfgang Pipam, Facharzt im ZISOP. So habe eine internationale Studie aufgezeigt, dass nur zehn Prozent der multimodal behandelten Patienten in den nächsten zwei Jahren erneut einen Krankenstand in Anspruch nehmen mussten, während es in Vergleichsgruppe 59 Prozent waren.

Für Primarius Likar sei es "unverständlich, dass sich im restlichen Österreich auf dem Gebiet der Versorgungsstrukturen so wenig bewegt." Nach wie vor müssten viele chronische Schmerzpatienten eine mühsame und kostenintensive Odyssee durch das Gesundheitssystem auf sich nehmen, ehe sie Hilfe finden. "Im Schnitt vergehen eineinhalb bis zwei Jahre bis zu einer aussagekräftigen Diagnose, fast jeder Fünfte erhält überhaupt keine. Und selbst wenn, führt das bei 23 Prozent der Betroffenen zu keiner adäquaten Behandlung. Nur in Kärnten ist es anders."

Das Jubiläum 25 Jahre ZISOP wird am Samstag entsprechend gefeiert - mit hochkarätigen Vorträgen internationaler Experten auf Taggenbrunn.


Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Claudia Grabner/Brunner

Fotohinweis: Büro LHStv.in Prettner