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Bildungshaus Tainach: Hochkarätige, interdisziplinäre Tagung zum Thema "Alte und neue Minderheiten"

06.10.2017
LH Kaiser befasste sich in seiner Eröffnungsrede mit Rolle des Bildungshauses und der sozialen Minderheiten, der Migrationswelle und dem Integrationsleitbild des Landes


Klagenfurt (LPD ). In Rahmen einer Tagung im Bildungshaus Sodalitas in Tainach wurde heute, Freitag, das Thema "Alte und Neue Minderheiten, Integration Recht und Politik" behandelt und diskutiert. Die Tagung stellte die Frage, welche bewährten Instrumente sich zum Schutz neuer Minderheiten nutzen lassen und an welchen Stellen effektiver Minderheitenschutz weiter zu denken ist, um seine Funktionen in immer pluralistischeren Gesellschaften noch effektiv zu erfüllen. Seitens des Regierungskollegiums hielt Landeshauptmann Peter Kaiser die Eröffnungsrede.

Dem Bildungshaus dankte der Landeshauptmann für seine Arbeit. "Das Haus leistet unverzichtbare Denk- und Nachdenkarbeit im Land, ungeachtet dessen, was opportun war bzw. ist. Es ist und war eine jener Institutionen, über die in den letzten Jahren viel postuliert wurde, das damals wie konkrete Utopie aussah. Einiges wäre in diesem Land nicht geschehen, wenn es das Haus Sodalitas nicht gegeben hätte", so Kaiser.

Das heurige Tagungsthema ist für den Landehauptmann der Beginn eines Dialogs und Polylogs bis hin zur 100-Jahr Feier der Volksabstimmung bzw. zur Landesausstellung im Jahr 2020. "Mit ihm soll und wird eine fruchtbare Diskussion über die Vergangenheit, aber auch über die Zukunft der nächsten hundert Jahre eingeleitet.

In Bezug auf das Thema "Alte und Neue Minderheiten", also auch die Migration, sei es notwendiger denn je, darüber nachzudenken, denn derzeit stehe man dieser in der EU ohnmächtig gegenüber, "Es gibt ein Konglomerat von präzisen, neuen Herausforderungen, die sich auch durch neu entstehende Minderheiten ergeben", sagte der Landeshauptmann. Nicht vergessen dürfe man die sozialen Minderheiten im Land. "Durch die unterschiedlichen Mindestsicherungen in den Bundesländern wurde sie degradiert", stellte Kaiser unmissverständlich fest.

Zur Frage der Anerkennung bzw. Autonomie und Selbstständigkeit von Minderheiten erwähnte der Landeshauptmann Katalonien und Schottland. "In Spanien spürt man die Ohnmacht zwischen dem Nationalstaat und der Region und Schottland steht durch den Brexit vor neuen Herausforderungen. Das sind Entwicklungen, die zeigen, dass man mit den Rechtssinn allein keine Lösungen mehr finden wird", so Kaiser. Der Landeshauptmann verhehlte auch nicht, dass die Migrationsbewegung der Jahre 2015/16 Österreich überfordert habe, aber nicht die NGO’s.

Als positives Beispiel von gelebter Internationalität erwähnte Kaiser das Klagenfurter Universitätsviertel. "Am Anfang jedes Studienjahres wird es internationaler. Von 11.500 Studenten, sind bereits 2.000 nicht aus Österreich", teilte er mit.

In Bezug auf die Integration erwähnte der Landeshauptmann, dass man sich seitens des Landes dazu bekenne und damit einhergehende Maßnahmen aktiv fördere. "Seit dem Jahr 2014 wurde mit NGO’s und Experten das Integrationsleitbild erstellt. Wir haben Anteile aus anderen Bundesländern übernommen und es mit den kirchlichen Institutionen, NGO’s und Arbeitsgruppen erarbeitet", so Kaiser. Dass es nicht überall auf Zustimmung stoße, verhehlte Kaiser nicht. "Ich negiere das nicht und das wird von mir auch nicht kritisiert". Von den derzeit 561.000 Einwohnern im Land haben 66.000 (12,5 Prozent) einen Migrationshintergrund.

Im Bildungshaus Sodalitas wird es im Hinblick auf das Jubiläumsjahr der Kärntner Volksabstimmung von 2017 bis 2020 jedes Jahr spezielle Tagungen, Konferenzen und Symposien geben. Der übergreifende Titel der Reihe und der Leitgedanke lauten: "gemeinsam 2020 skupno" bzw. "Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft. Über das Erbe der Geschichte im Heute".

Laut Sodalitas Bildungsreferent Martin Pandel sollen in diesen drei Jahren Politiker, Vertreter beider Volksgruppen und Historiker kommen, Die Themen für die Jahre 2018, 2019 und 2020 wurden bereits fixiert. 2018 folgt "Grenzen/Meje", 2019 wird über "Mehrheiten -Minderheiten - Verschiedenheiten - Gemeinsamkeiten/Večine -manjšine- različnosti - skupne točke" diskutiert und 2020 lautet das Thema "Dialog und Identität/Dialog in identiteta". Die Tagungen 2018 und 2020 werden simultan in beiden Landessprachen übersetzt.

Der Eröffnung wohnten auch Botschafter Valentin Inzko und der slowenische Generalskonsul in Kärnten, Milan Predan, bei.



Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Michael Zeitlinger
Fotohinweis: LPD/Peter Just