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5. Kärntner Armutskonferenz: Neue Perspektiven für eine Gesellschaft ohne Armut

08.11.2017
LH Kaiser und LHStv.in Prettner: Armutsgefährdung wurde reduziert - Rolle des Sozialstaats immer wichtiger - Ja zu Mindestsicherung und "Aktion 20.000"


Klagenfurt (LPD). Heute und morgen, Freitag, findet im Stift St. Georgen die 5. Kärntner Armutskonferenz statt. Sie widmet sich dem Themenkreis: Leben ohne Armut. Perspektiven, Visionen und Anforderungen zur sozialen Frage im 21. Jahrhundert. Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts werden zum Anlass genommen, neue und bisher unbekannte Lösungsansätze für eine armutsfreie Gesellschaft zu erarbeiten. Anstelle von wiederholten Analysen werden neue Perspektiven in den Blick genommen.

Landeshauptmann Peter Kaiser und Sozialreferentin LHStv.in Beate Prettner sprachen in ihren Grußworten die Kärntner Situation und die Notwendigkeit von staatlichen Hilfen an. "Umverteilungspolitik ist unabdingbar", sagte der Landeshauptmann. Die Armutsgefährdung in Kärnten sei von 16 auf 11 Prozent zurückgegangen, ohne die sozialen Transfers durch den Staat würde die Armutsgefährdung jedoch bei 26 Prozent liegen", so Kaiser. Und bei den Pensionisten wäre sie dann bei über 40 Prozent.

Der Landeshauptmann erwartet auch zum Thema Umverteilung bzw. Staatsverständnis heftige Debatten in der Zukunft. Denn dahinter würden Haltungen stehen, die für mehr oder weniger Lebensgerechtigkeit eintreten. Er machte deutlich, dass das unterste Einkommensdrittel 21 Prozent erhalte, während das oberste Einkommensdrittel 50 Prozent an Einkommen besitze. Die Ungleichheit der Einkommen und die Konzentration von Reichtum und Kapital bei wenigen Menschen weltweit habe auch schon den Internationalen Währungsfonds veranlasst, daran Kritik zu üben. Diese Kritik von oben mache aber auch Hoffnung, dass Einkommen künftig gerechter verteilt werden, gab sich Kaiser zuversichtlich.

LHStv.in Prettner sagte, dass sie gerne Sozialreferentin sei und auch die Möglichkeiten soweit wie möglich nutze, um Ungleichheit zu korrgieren. In Kärnten sei die Armutsgefährdung reduziert worden, zugleich gebe es einen Beschäftigungsrekord, verwies sie auf zahlreiche sozial- und arbeitspolitische Maßnahmen und Hilfestellungen. "Die Mindestsicherung ist ein Mindeststandard", unterstrich Prettner. Ohne sie würden Menschen in die Kriminalität abgedrängt werden. Weiters hob sie auch die "Aktion 20.000" - die Beschäftigungsaktion für Langzeitarbeitslose (über 50 Jahre) - als sehr wertvoll hervor, sie sollte daher nicht abgeschafft werden.

Der Obmann des Kärntner Netzwerks gegen Armut und soziale Ausgrenzung Heinz Stefan Pichler sagte, dass man mit der Konferenz Perspektiven bzw. längerfristige Forderungen erarbeiten wolle. Auch Sozialexperte Martin Schenk wies auf den Handlungsbedarf hin, denn der Reichtum der Reichen sei weiter gestiegen. Es gebe eine Mittelschicht mit Vermögen und eine ohne Vermögen, sagte Schenk. Der Sozialstaat sei ein zentraler Faktor für Prävention gegen Armut.

Den Eröffnungsvortrag hielt Ellen Ehmke (Oxfam Deutschland) zum Thema "Soziale Ungleichheit - Kernproblem im 21. Jahrhundert". Oxfam ist eine globale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, die mit Überzeugung, Wissen, Erfahrung und vielen Menschen leidenschaftlich für ein Ziel arbeitet: eine gerechte Welt ohne Armut.

Durch das Programm führte Gudrun Maria Leb (ORF Kärnten). In sieben Arbeitskreisen werden von den TeilnehmerInnen Lösungsansätze und Verbesserungsvorschläge erarbeitet, wie ein Leben ohne Armut gestaltet und umgesetzt werden kann. Dabei werden die Themen 1) Globale Gesellschaft 2) Soziale Sicherungssysteme/Sozialstaat 3) Arbeitswelt 4) Arbeitsmarkt 5) Politische Teilhabe und Partizipation 6) Bildung sowie 7) Gemeinwohl multidimensional unter den Perspektiven Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit, Verteilungsgerechtigkeit, Menschenrechte und -würde, Solidarität sowie Existenzsicherung und Gutes Leben betrachtet.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser/LHStv.in Prettner
Redaktion: Brunner
Foto: LPD/fritzpress