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100 Jahre Frauenwahlrecht: Kalender mit Kärntner Frauenpower

14.11.2017
LHStv.in Prettner und Frauenbeauftragte Slamanig präsentierten im Beisein vieler Vorzeigefrauen den Jahreskalender 2018 - 104 Frauenleben, die exemplarisch für den Aufstieg der Frau stehen


Klagenfurt (LPD). Vor 99 Jahren, am 12. November 1918, wurde in Österreich (und Deutschland) das allgemeine und gleiche Wahlrecht für Frauen eingeführt. Nächstes Jahr feiert Österreich demnach 100 Jahre Frauenwahlrecht. "Es ist dies ein frauenpolitischer Meilenstein, den man nicht auf einen einzigen Erinnerungstag reduzieren kann. Vielmehr ist es ein gesellschaftspolitischer Erfolg, an den wir an jedem Tag des Jubiläumsjahres 2018 erinnern wollen. Was liegt daher näher, als einen Jahreskalender diesem Thema zu widmen?", fragte gestern Abend LHStv.in Beate Prettner im Rahmen der Präsentation eben dieses Jahreskalenders.

Das Frauenreferat des Landes Kärnten hat den Buchkalender produziert der 104 Frauen würdigt. "Für jede Woche des Jahres wurden zwei Frauen ausgewählt; 52 der präsentierten Frauen sind vor 1918 geboren, 52 Frauen nach 1918", erklärte die Frauenbeauftragte des Landes Kärnten, Michaela Slamanig, die Zahl 104. Ihnen allen sei gemeinsam, dass sie für ihre Zeit Frauen-Atypisches getan, erkämpft, zustande gebracht haben. "Diese 104 Frauenschicksale beziehungsweise Frauenleben stehen stellvertretend und exemplarisch für den Aufstieg der Frau zur Gleichberechtigung", so Frauenreferentin Prettner.

Viele besagter Frauen waren bei der Kalenderpräsentation anwesend - etwa Schauspielerin Heidelinde Weiss, die extra von einem Dreh in München anreiste, Regisseurin Ute Liepold, Psychologin Jutta Menschik-Bendele, Ex-Ministerin Elisabeth Sickl, Bank-Vorständin Gabriele Semmelrock-Werzer, Infineon-Vorständin Sabine Herlitschka, Schiedsrichterin Tanja Hausott, Ex-Schifahrerin Erik(a) Schinegger, die Politikerin Karin Achatz, Kärntens erste Bürgermeisterin Stefanie Quantschnig etc. Die 104 Porträts im Frauenjahreskalender 2018 wurden von der Kärntner Künstlerin Ilse Mayr gestaltet, die Texte schrieb Claudia Grabner. Für die Ausführung zeichnete Ingmar Lindner verantwortlich.

Gemeinsam erinnerte sich die geballte Frauenpower (mit männlicher Begleitung) an die "Stunde eins" des Frauenwahlrechts, als die Provisorische Nationalversammlung am 12. November 1918, an jenem Tag, an dem die Republik ausgerufen wurde, das Gesetz über die Staats- und Regierungsform verabschiedete. In Art. 9 wurden die Grundsätze des Wahlrechts für die zu wählende konstituierende Nationalversammlung festgelegt. Sie sollte "auf der Verhältniswahl und auf dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Stimmrecht aller Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts" beruhen. Wie Prettner erläuterte, stammte der Entwurf dieses Gesetzes aus der Feder des sozialdemokratischen Leiters der Staatskanzlei, Karl Renner: 1929 erklärte er im Rückblick sein Vorgehen in der Sache des Frauenwahlrechts folgendermaßen: Er hätte versucht "wenig Aufhebens zu machen und sie […] als Selbstverständlichkeit" darzustellen, um das Frauenwahlrecht durchzubringen.

"Tatsächlich war das Frauenwahlrecht zum einen das Ergebnis eines langen, zähen Kampfes des weiblichen Geschlechts. Zum anderen hatte der Erste Weltkrieg die Situation für die Frauen nachhaltig verändert: Aufgrund der kriegsbedingten Abwesenheit der Männer traten viele Frauen ins Berufsleben ein, ihre Arbeitsleistung wurde für die Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft unentbehrlich", sagte Prettner. In der allgemeinen politischen und gesellschaftlichen Umbruchsphase konnte den Frauen das Wahlrecht nicht mehr vorenthalten werden.

Prettner: "Heute ist das Frauenwahlrecht für uns eine Selbstverständlichkeit. Es ist nicht mehr vorstellbar, dass es einmal anders gewesen ist. Doch genau das sollte uns bewusst sein: Es war eben nicht selbstverständlich - sondern ein Resultat andauernden Kampfes um eben diese Selbstverständlichkeit!"



Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Stirn
Fotohinweis: Büro LHStv.in Prettner