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Hausärzte: Gesundheitsreferentin baut auf "Allianz der Weitblickenden"

09.01.2018
LHStv.in Prettner will gemeinsam mit Universitätsvertretern über neue Zugangsregelungen zum Medizinstudium diskutieren - Ansonsten wäre Ärzteengpass "unausweichlich und hausgemacht"


Klagenfurt (LPD). "Mit 643 Allgemeinmedizinern, 256 davon mit Kassenvertrag, verfügt Kärnten aktuell über eine flächendeckende hausärztliche Versorgung - daran ändern auch keine diversen Panik- und Falschmeldungen etwas. In einigen Jahren könnte es aber knapp werden", betont Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner heute, Dienstag. Zum einen komme eine Pensionierungswelle auf uns zu, zum anderen würden sich immer weniger Medizinstudenten für die Allgemeinmedizin interessieren. "Der fehlende Hausärztenachwuchs ist allerdings hausgemacht", ist Prettner überzeugt, die seit Jahren das Auswahlverfahren zum Medizinstudium anprangert.

"Mit der Zugangsbeschränkung und dem Aufnahmetest steuert Österreich sehenden Auges in einen Ärzteengpass. Es ist erwiesen, dass der Großteil der Medizinstudenten entweder in die Forschung oder in den fachärztlichen Bereich abzweigt", so Prettner. Ein anderer Teil würde überhaupt das Land verlassen. "Nur eine verschwindende Anzahl entscheidet sich für die Allgemeinmedizin", sagt die Gesundheitsreferentin. Sie fordert daher die Abschaffung bzw. zumindest die Modifizierung der Zugangsbeschränkungen. Der Aufnahmetest würde in keiner Weise die erforderlichen sozialen Aspekte berücksichtigen.

Nach ersten persönlichen Gesprächen wird Prettner nun Universitätsvertreter zu einem Runden Tisch einladen. Bekanntlich stehen ja Rektoren einer Lockerung der Zugangsbeschränkungen kritisch bis ablehnend gegenüber. "Es ist mir mittlerweile aber gelungen, in mehreren Vier-Augen-Gesprächen ein Umdenken zu bewirken." In einer größeren Runde möchte sie nun "weitere Überzeugungsarbeit leisten - mit dem Ziel, die Zugangsbeschränkungen zumindest so umzugestalten, dass wir nicht nur eine elitäre hochwissenschaftliche Medizinerklasse ausbilden, sondern sehr wohl auch jene Ärzte, die vor Ort am Patienten ihr Wissen anwenden." Das wäre die Basis, um die hausärztliche Versorgung in Kärnten mittel- und langfristig qualitätsvoll und effizient abzusichern.

Am Zug sei dringend die Bundesregierung, meint Prettner und hofft, durch eine "Allianz der Weitblickenden" den zuständigen Bildungsminister zum raschen Handeln bewegen zu können. Parallel dazu werde sie das bereits vor zwei Jahren in Kärnten geschnürte "Paket für Allgemeinmediziner" (u. a. Mentorenprogramm mit Primarärzten, Finanzierung der Lehrpraxen, MedService-Stelle, Aufnahmevorbereitungen) weiter ausbauen.



Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Böhm