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Regierungssitzung 3 - Pflege in Kärnten: Mit "Kümmerern" auch in Zukunft bestens versorgt vor Ort

31.01.2018
LH Kaiser: Menschen würdevolles Älterwerden zu Hause ermöglichen - LHStv.in Beate Prettner präsentierte "Bedarfs- und Entwicklungsplan Pflege 2030": Maßgeschneidertes Pflegeangebot für jede Gemeinde


Klagenfurt (LPD). "Die Pflege der Zukunft braucht Weitblick", ist Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner überzeugt. Daher hat sie im März 2017 das Planungsinstitut EPIG aus Graz mit der Erstellung eines "Bedarfs- und Entwicklungsplanes Pflege", mit dem Prognosehorizont 2030, beauftragt. Der so genannte BEP liegt nun vor - und wurde in der Regierungssitzung heute, Mittwoch, präsentiert. Landeshauptmann Peter Kaiser betonte im anschließenden Pressefoyer, dass man den Menschen ein würdevolles Älterwerden in ihrem angestammten Bereich ermöglichen wolle.

Kaiser sagte, dass es in Kärnten derzeit 34.000 Pflegegeldbeziehende gebe und man davon ausgehe, dass es bis 2030 42.000 sein werden. Er verwies aber auch auf den Aspekt, dass "wir immer mehr an Lebenserwartung gewinnen und auch immer fitter älter werden". Daher komme auch dem Bereich Prävention, Prophylaxe, Beratung große Bedeutung zu. Das gesamtgesellschaftliche Thema des Älterwerdens greife Kärnten u.a. im Bereich der Wohnbauförderung auf - Stichwort Barrierefreiheit oder Schaffen von Räumen, welche soziale Kontakte fördern. Man setze auf wohnortnahe Versorgung und sogenannte "Kümmerer". Wesentlich sei es, die Pflege zuhause zu unterstützen, wie es durch Kurse oder die Urlaube für pflegende Angehörige geschehe. Auch sollen laut Kaiser moderne Kommunikations- und Informationstechnologien dahingehend analysiert werden, inwieweit sie z.B. Kontrollbesuche beim Arzt erleichtern können.

Laut Prettner wurde der BEP unter den Prämissen "ambulant vor teilstationär vor stationär", "Ausbau der wohnortnahen Versorgung", "Unterstützung jener Personen, die Pflege zu Hause (informell) leisten", "Förderung des Miteinanders von Generationen" sowie "Sparsamkeit, Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit" erstellt. "Eingeflossen in den Bedarfs- und Entwicklungsplan sind auch die Anregungen und Empfehlungen des Landesrechnungshof-Berichtes", informierte sie. Mit dem BEP liege nun zum einen eine detaillierte Ist-Stand-Analyse vor, zum anderen eine Bedarfsanalyse für alle Pflegeebenen bis zum Jahr 2030. "Der BEP ist also Basis und Vision für die Zukunft der Pflege in Kärnten", so die Gesundheitsreferentin.

Der BEP gibt bis 2030 folgende Prognosen: Die Zahl der über 75-Jährigen wird in Kärnten bis 2030 auf 13,3 Prozent steigen, was ein Plus von 35 Prozent bedeutet. Gleichzeitig steigt die Zahl der Pflegegeldbezieher von 6,3 auf 7,7 Prozent (bedeutet ein Plus von 22 Prozent). Heute werden 80 Prozent bzw. 27.500 Pflegegeldbezieher von Angehörigen betreut, im Jahr 2030 werden es zahlenmäßig zwar mehr sein, prozentuell aber weniger (73 Prozent). Allerdings: Nur 22 Prozent von ihnen werden keine zusätzlichen Pflegangebote in Anspruch nehmen. Die Zahl der Personen mit 24-Stunden-Betreuung wird von 2.250 auf ca. 3.900 steigen. Die Inanspruchnahme der mobilen Pflege wird bis 2030 um 28,3 Prozent bzw. 14.720 Personen zunehmen. Zunehmen wird auch die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen.

Ableitend aus diesem Prognosematerial ergebe das für Kärnten bis zum Jahr 2030 folgende Ziele: Aufstockung der mobilen Dienste von derzeit knapp einer Million Stunden auf 1,3 Millionen Stunden im Jahr 2030; Aufstockung des betreubaren Wohnens um rund 2.000 Wohnungen - viele dieser Wohnungen sind bereits vorhanden, sie müssen aber noch mit einem Alltagsmanager versehen werden; Ausweitung der wohnortnahen Tagesbetreuung mit Hol- und Bring-Diensten. "Dem gegenüber ist im stationären Pflegeheimbedarf - auch trotz Abschaffung des Pflegeregresses - nur ein geringer Ausbau erforderlich", so Prettner.

Für die Referentin ergibt sich aus dem BEP die Vision einer so genannten Pflege-Nahversorgung. "Auf rund 10.000 Einwohner - das entspricht einer größeren Gemeinde bzw. zwei kleineren Gemeinden - soll ein Sozialkoordinator kommen, der alle älteren Menschen erfasst, sie kennt und um deren Bedürfnisse Bescheid weiß. Er ist vor Ort und weiß, was benötigt wird. Denn: Man kann nicht ein- und dasselbe Konzept über alle 132 Kärntner Gemeinden stülpen. Jede Gemeinde hat andere Voraussetzungen, einen anderen Bedarf. Genau diesen Bedarf hat der Sozialkoordinator zu ermitteln. Er fungiert als Bindeglied zwischen Gemeinde und Land", formulierte Prettner das Pflegekonzept der Zukunft. Angedacht wäre in der Folge und aufgrund der Bedarfserhebung des Sozialkoordinators ein Zentrum bzw. ein AiM (Altern im Mittelpunkt), in dem alle benötigten Pflegeangebote unter einem Dach gebündelt sind.



Rückfragehinweis: Büros LH Kaiser/LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Böhm