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KULTUR

Höchster Landesorden für Peter Handke

03.02.2018
LH Kaiser und LR Benger verliehen den Kärntner Landesorden in Gold an Weltliteraten aus Griffen - "Ich verdiene diese Auszeichnung überhaupt nicht"


Klagenfurt (LPD). Der Kärntner Weltliterat Peter Handke erhielt gestern, Freitag, im Stift Griffen die höchste Auszeichnung des Landes - den Kärntner Landesorden in Gold. Verliehen wurde ihm der Orden im ehemaligen Refektorium des Stiftes von Landeshauptmann Peter Kaiser und Kulturreferent Christian Benger. Handke war mit seiner Frau Sophie und Tochter Amina in seinen Heimatort gekommen.

"Peter Handke ist einer der größten Literaten der Gegenwart in Kärnten, Österreich, Europa und ich traue mich zu behaupten, wohl auch auf der ganzen Welt", sagte Kaiser. Er sehe es als symbolhafte Entwicklung, dass auf die Verleihung so lange gewartet werden musste. "Denn dass Peter Handke erst jetzt die höchste Würdigung des Landes erfährt, ist dem Umstand geschuldet, dass wir das veraltete Regelwerk zur Verleihung von Landesauszeichnungen erst aktualisieren mussten", so der Landeshauptmann. Dass diese Änderung aber durch Peter Handke passiert sei, ehre das Land Kärnten. "Wenn also die öffentliche Diskussion darüber auch etwas Gutes gehabt hat, dann, dass das Wirken und die Bedeutung der Werke Peter Handke noch deutlicher ins Bewusstsein der Bevölkerung gedrungen sind", betonte der Landeshauptmann. Kaiser sagte, er sei nun auch ein wenig froh, dass die Auszeichnung nicht unmittelbar zum Geburtstag von Handke überreicht worden sei, sondern mit ein wenig zeitlicher Distanz. "Damit weist die Auszeichnung schon ins neue Jahr."

Peter Handkes Lebensweg habe seinen Anfang in Griffen genommen. "Er ist von Griffen geprägt und in seinen Erinnerungen schlummert sehr Vieles, was an Authentizität und Verbundenheit schwer zu übertreffen ist", meinte Kaiser. Dass Handke immer wieder nach Griffen, an den Ort in dem er geboren und aufgewachsen sei, zurückkehre, zeige die enge Verbundenheit mit Kärnten und seinen Menschen. Rastlos ziehe es Handke immer wieder in die Welt, um dann doch wieder in seine Heimat zurückzukehren. "Dies ist eine Form von einer ganz selten vorkommenden Verbindung zu seinem Heimatort und diese Verortung von Gefühlen wage ich Heimat zu nennen", sagte Kaiser.

"Ich freue mich seitens des offiziellen Kärnten dieses Ehrenzeichen Peter Handke, Literat und Weltbürger, aber immer Kärntner, verleihen zu dürfen", sagte der Landeshauptmann und verlieh Handke den Kärntner Landesorden in Gold gemeinsam mit Kulturreferent Benger.

"Es ist für mich als Griffner ein sehr bewegender Moment, hier stehen und den Griffner Peter Handke ehren zu dürfen. Sie haben mich/uns/die Welt mit Literatur beschenkt, die bereichert, die beflügelt und aufmerksam macht auf Dinge und Erscheinungen, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind", sagte Benger. Handkes Literatur gehöre zum Schönsten, was die Weltliteratur herausgebracht habe. Benger dankte allen, die am Zustandekommen dieser Ausstellung beteiligt gewesen seien. "Möge Ihnen die Ausstellung zur Freude gereichen", sagte Benger zu Handke. Als Geschenk überreichte er Handke ein Sortiment an Stickgarn und ein Buch mit Stickmotiven, worüber sich Handke, der gerne stickt - er und seine Frau trugen von ihm selbst bestickte Mäntel - merklich freute.

Peter Handke war sichtlich erfreut über den höchsten Kärntner Landesorden, aber meinte augenzwinkernd: "Ich verdiene diese Auszeichnung ja überhaupt nicht, aber was bleibt mir anderes übrig." In seiner Ansprache ging er auf die Worte von Landeshauptmann Kaiser ein. Dass er sich im Lauf seines Lebens selbst nie als Schriftsteller gespürt habe, aber bei der Passage des Landeshauptmannes mit der Verortung könne er sagen: "Wenn man mich als Ortschriftsteller bezeichnet, dann trifft das zu."

"Wir sind stolz in Griffen einen Weltliteraten zu haben und mit dem Kärntner Landesorden in Gold erhält unser Ehrenbürger Peter Handke auch jene Wertschätzung, die ihm gebührt", sagte Bürgermeister Josef Müller. Er dankte Landeshauptmann Kaiser und Kulturreferent Benger für die große Unterstützung bei der Ausstellung, die neues Leben in die ehemaligen Klosterräumlichkeiten bringe und einen Einblick in die Welt des Peter Hanke geben würde.

"Es gibt dich, weil Augen dich wollen, dich ansehen und sagen, dass es dich gibt" zitierte Pfarrer Johann Dersula die deutsche Lyrikerin Hilde Domin. Er betonte, wie froh man sei, dass im Stift Griffen die schöpferische Kraft Peter Handkes aufleuchte und sich präsentieren könne. "Gott schenke Dir noch viele Jahre in Gesundheit, Wohlergehen und Schöpferkraft", so der Hausherr.

Kuratorin Katharina Pektor betonte, dass dies keine Ausstellung mit Ton- und Bildinstallationen sei. "Aber es gibt Sitzecken, von wo aus man die Bilder und Texte in Ruhe betrachten und auf sich wirken lassen könnte." Ausstellung und Katalog seien ein Geschenk der Gemeinde Griffen und des Landes Kärnten für Peter Handke, sagte Pektor. Anschließend führte sie durch die Handke-Dauerausstellung, die im ersten Stock des Stiftes untergebracht ist. Die Ausstellung gibt es seit 21 Jahren, sie wurde nun neu gestaltet und um die letzten 20 Jahre ergänzt. Heute, Samstag, findet die offizielle Eröffnung statt.

Unter den zahlreichen Gästen waren Autor Josef Winkler, Bachmann-Preisträgerin Maja Haderlapp, Literaturwissenschaftler Klaus Amann und Germanist Hans Höller, Verleger Jochen Jung sowie Diplomat Valentin Inzko mit Gattin Mezzo-Sopranistin Bernarda Fink. Außerdem von der Kleinen Zeitung Chefredakteur Hubert Patterer und der stellvertretende Chefredakteur Adolf Winkler sowie der Direktor des Landesmuseums Igor Pucker.

Peter Handke wurde am 6. Dezember 1942 in Altenmarkt/Stara vas bei Griffen geboren. Nach Besuch der örtlichen Volksschule und zwei Jahren Hauptschule, wechselt der zwölfjährige Peter Handke auf eigene Initiative in das Gymnasium in Tanzenberg. Erste literarische Texte erscheinen in der Internatszeitschrift Fackel. Nach Wechsel auf das humanistische Gymnasium in Klagenfurt, maturiert er dort 1961 mit Auszeichnung. Die Kärntner Volkszeitung veröffentlicht zu dieser Zeit erste literarische Texte. 1961 beginnt er ein Jus-Studium in Graz. Er schließt sich der Grazer Gruppe um dem Forum Stadtpark an, verfasst Radio-Feuilletons für den Grazer Rundfunk. Alfred Kolleritsch veröffentlicht Texte des jungen Autors in der Literaturzeitschrift. Nach Veröffentlichung des Romans "Die Hornissen" 1966 bricht er sein Studium ab, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Seine Werke erscheinen ab der ersten Veröffentlichung, dem Sprechstück "Publikumsbeschimpfung" (1966), im renommierten Suhrkamp-Verlag, seine Stücke wurden und werden von bedeutenden Regisseuren des Gegenwartstheaters, darunter Claus Peymann oder Luc Bondy, an renommierten Theatern (Burgtheater, Berliner Ensemble u.a.) bzw. im Rahmen renommierter Festivals (Salzburger Festspiele, Wiener Festwochen u.a.) uraufgeführt.

Ebenso arbeitet er bei seinen filmischen Projekten mit Künstlerinnen und Künstlern von internationalem Format zusammen. Die Liste der publizierten Werke aus den Sparten Lyrik, Prosa, Drama, Hörspiel und Drehbuch umfasst mittlerweile rund 70 Titel. Darüber hinaus hat er durch sein eigenes und auch übersetzerisches Werk zum Bekanntwerden von slowenisch-sprachiger Literatur im deutschen Sprachraum, insbesondere der Kärntner Autoren Florjan Lipus und Gustav Janus, maßgeblich beigetragen.

Bisher erhaltene Auszeichnungen: Kulturpreis des Landes Kärnten (1983), Georg-Büchner-Preis (1973), Großer Österreichischen Staatspreis (1987), Franz-Grillparzer-Preis (1991), Franz-Kafka-Literaturpreis der Stadt Prag (2009), Vinzenz-Rizzi-Preis des Zentralverbands Slowenischer Organisationen und des Slowenischen Kulturverbands (2010), Nestroy-Preis (2011), Mühlheimer Dramatikerpreis (2012), Einspieler-Preis des Rats der Kärntner Slowenen (2013), Internationaler Ibsen-Preis (2014) u.v.a. Handke ist Ehrendoktor der Katholischen Universität Eichstätt, der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und der Paris-Lodron-Universität Salzburg.


Rückfragehinweis: Büros LH Kaiser, LR Benger
Redaktion: Ulli Sternig
Foto: LPD/Helge Bauer