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Krebstag: Onkologische Versorgung in Kärnten "auf höchstem Niveau"

08.02.2018
LHStv.in Beate Prettner: Behandlungserfolge steigen signifikant - Scharfe Kritik an gekipptem Rauchgesetz


Klagenfurt (LPD). Die Zahl der Krebserkrankungen ist österreichweit weiter im Steigen: In Österreich erkranken jährlich rund 40.000 Menschen neu an Krebs. Anlässlich des Weltkrebstages lud heute, Donnerstag, Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner zu einer Pressekonferenz ins Klinikum Klagenfurt. Gemeinsam mit den Primarärzten Wolfgang Eisterer, Abteilungsvorstand Innere Medizin und Onkologie, Wolfgang Raunik, Abteilungsvorstand des Institutes für Strahlentherapie/Radioonkologie, und Reinhard Mittermair, Abteilungsvorstand Allgemein- und Viszeralchirurgie, informierte sie über die onkologische Versorgung in Kärnten.

Mit dem Krebstag soll eine der häufigsten Todesursachen in das Bewusstsein der Bevölkerung rücken. An diesem Tag stehen die Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen im Mittelpunkt. Experten schätzen, dass etwa die Hälfte aller Krebsfälle durch einen gesünderen Lebensstil vermeidbar wäre. "Beispielsweise senkt regelmäßige Bewegung das Risiko für mindestens 13 Krebsarten. Es ist wissenschaftlich erwiesen: Körperlich aktive Menschen erkranken nachweislich seltener an Tumoren des Darms, der Brust oder der Gebärmutterschleimhaut", erklärte Eisterer. Die häufigste Krebserkrankung ist bei den Frauen das Mammakarzinom und bei den Männern das Prostatakarzinom, "wobei die häufigste Krebstodesursache bei beiden Geschlechtern das Lungenkarzinom ist", so der Primararzt.

Wie Prettner erläuterte, sei Rauchen für 71 Prozent aller Lungenkrebs-Todesfälle und für 22 Prozent aller anderen Krebs-Todesfälle verantwortlich. "In Österreich aber rauchen 24 Prozent täglich", so Prettner. Verschärfend komme hinzu, dass in Österreich besonders viele junge Menschen, nämlich 30 Prozent der 15- bis 29-Jährigen, regelmäßige Raucher sind, wodurch das Risiko, Jahre später an Krebs zu erkranken, zusätzlich steigen würde.

"Die Politik hat ihre Verantwortung für die Bevölkerung ernst zu nehmen - und daher die Gesundheit der Menschen über die Interessen von Tabak- und Industrielobbys zu stellen. Ich bin entsetzt, dass die Bundesregierung das Rauchgesetz, das mit Mai 2018 hätte umgesetzt werden sollen, gekippt hat", sagte Prettner. "Diese plötzliche Kehrtwende der Bundesregierung bedeutet, dass Österreich der Aschenbecher Europas bleibt. Wider besseres Wissen hat man sämtliche Studien ignoriert." Prettners Hoffnungen liegen nun auf dem Volksbegehren, das die Ärztekammer startet: "Die Vernunft der Bevölkerung könnte die Ignoranz der Bundespolitik biegen."

Wie Primarius Eisterer betonte, haben sich die Überlebenschancen bei Krebserkrankungen deutlich verbessert. Die Gründe dafür seien die Verbesserungen und ständigen Entwicklungen in der operativen und medikamentösen Therapie sowie in der Früherkennung dank der steten Ausweitung von Vorsorgeuntersuchungen. "Die Verantwortung der Politik setzt da ein, wo es heißt, einerseits Menschen Früherkennung zu ermöglichen und andererseits die Innovationen der Medizin für alle erhältlich und für jeden leistbar zu machen", hielt LHStv.in Prettner fest.

Primarius Raunik erklärte in diesem Zusammenhang wörtlich: "Wir sind diesbezüglich mit dem Krebszentrum am Klinikumstandort auf höchstem medizinischen Niveau." Er verwies auch auf die Kooperation der KABEG mit der Medizinischen Universität Wien (MedUni Wien) und dem Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien (AKH Wien). Außerdem wird mit dem so genannte Kärntner Tumorboard ein in Österreich einzigartiges Konzept verfolgt: "Alle in Kärnten tätigen Krebsspezialisten schließen sich in Tumorkonferenzen zusammen und besprechen jeden einzelnen Patienten. Das heißt, das gesamte Knowhow fließt in die Behandlung des jeweiligen Patienten und sichert diesem dadurch die für ihn maßgeschneiderte Therapie."

Wie Primarius Reinhard Mittermair ausführte, werde in Klagenfurt eine in Kärnten einzigartige Methode, die sogenannte hypertherme intraperitoneale Chemotherapie, angewandt: "Dabei werden die Medikamente direkt in den Bauchraum eingebracht", so Mittermair. "Der im Zielgewebe, nämlich im Tumor, erreichte chemotherapeutische Wirkstoffspiegel ist dadurch wesentlich höher, gleichzeitig können die systemischen Nebenwirkungen reduziert werden." Der Trend zu weniger belastenden Eingriffen in der Medizin - insbesondere in der Chirurgie - sei ungebrochen. Viele Eingriffe werden heute an der chirurgischen Abteilung am Klinikum Klagenfurt daher fast ausnahmslos minimal-invasiv durchgeführt. "Sogar komplexe Eingriffe an Leber, Magen, Darm und Bauchspeicheldrüse sind zunehmend ohne einen großen Schnitt möglich", informierte Mittermair. Große Fortschritte werden auch mithilfe von Hochleistungsgeräten erreicht: "Bis Ende 2019 ist die Anschaffung eines 4. Linearbeschleunigers geplant", verriet Wolfgang Raunik.

Nach dem großen Premiere-Erfolg im Vorjahr findet heuer der zweite. Kärntner Krebstag im Klinikum Klagenfurt statt. Am 3. März erwarten die Besucher ein umfassendes Vortragsprogramm, begehbare Organmodelle, Beratungen und vieles mehr.

I N F O S und Details: www.krebstag.at



Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Zeitlinger