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POLITIK

Frauentag: Gegen rückwärtsgewandte Frauenpolitik

06.03.2018
LHStv.in Prettner sieht Frauenvolksbegehren als Chance und warnt vor Maßnahmen wie Herd-Prämien, die überholte Rollenklischees wiederbeleben


Klagenfurt (LPD). "Es geht nicht darum, ein Mal im Jahr übliche Klischees zu bedienen - und sich danach wieder zurückzulehnen. Vielmehr muss uns bewusst sein, dass unsere Gesellschaft trotz allen Fortschritts in einer weiblich-männlichen Schieflage lebt, und dass es jeden Tag darum geht, diese Schieflage gerader zu machen. Nicht nur am 8. März", appelliert Frauenreferentin LHStv.in Beate Prettner im Vorfeld des Internationalen Frauentages. Sie erinnert an das Frauenvolksbegehren (Unterstützungserklärungen sind bis 4. April möglich), das dem Kampf um "tatsächliche Gleichberechtigung nun einen neuen Schub geben könnte."

Von der Bundespolitik erwartet sie sich, dass die im Frauenvolksbegehren angeführten Forderungen ernst genommen werden. "Nehmen wir das heurige Jubiläum 100 Jahre Frauenwahlrecht zum Anlass, um auch in jenen Bereichen für Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit zu sorgen, die noch immer zu wünschen übrig lassen - sprich Chancengerechtigkeit im Berufsalltag, faire Frauenpartizipation in Betrieben und in der Politik, Gewaltprävention und Wahlfreiheit für Frauen."

Allerdings fürchtet Prettner, dass einige von der Bundesregierung geplante Maßnahmen genau das Gegenteil bewirken werden: So habe die Abschaffung der ‚Aktion 20.000‘ Tausende Frauen über 50 Jahre wieder vom Arbeitsmarkt verdrängt; und die massiv geforderte Arbeitszeitflexibilisierung würde es vielen Frauen unmöglich machen, Kinderbetreuung und Beruf zu vereinbaren; die in Vorarlberg aufkommende Herd-Prämie, die Frauen belohnt, wenn diese ihren Job aufgeben und zu Hause ihre Kinder betreuen, wäre "eine derart rückwärtsgewandte Frauenpolitik, die alle überholten Rollenbilder wieder stärken würde." Prettner ist überzeugt: "Unsere Gesellschaft kann es sich nicht mehr leisten, in Rollenklischees zu denken und mehr als 50 Prozent der Bevölkerung anders zu behandeln." Die 287.516 Frauen in unserem Bundesland machen 51,2 Prozent der Kärntner Bevölkerung aus.

In diesem Zusammenhang weist die Frauenreferentin auf die noch immer weit auseinandergehende Gehaltsschere: Laut Analyse von Statistik Austria liegt der Unterschied zwischen den mittleren Bruttojahreseinkommen von Frauen und Männern bei 38 Prozent. Rechnet man die Teilzeitbeschäftigung ab, und vergleicht nur die unselbständige Vollzeitbeschäftigung, beträgt der Einkommensunterschied noch immer rund 16 Prozent. Erfreulich wertet Prettner den Umstand, dass die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Frauen binnen zehn Jahren von 62 Prozent auf fast 68 Prozent gestiegen ist - allerdings mit dem Wermutstropfen, dass sich das Plus ausschließlich auf den Teilzeitbereich niederschlägt. "Hier ist Vorsicht geboten", warnt Prettner, "denn ein niedriges Erwerbseinkommen durch Teilzeitarbeit führt zu niedrigeren Pensionen. Frauen stolpern in die Pensionsfalle und damit in die Altersarmut." Es gelte, Frauen dafür zu sensibilisieren und nicht gegenteilig sie mit Herd-Prämien in die Abhängigkeit und Armut zu locken.


Hinweis: Die Kärntner Frauenfilmtage widmen sich in diesem Jahr den 100 Jahren Frauenwahlrecht in Österreich. Bis 11. März lädt das Referat für Frauen und Gleichbehandlung jeden Abend zu einem Film mit, über und zumeist von Frauen im Volkskino Klagenfurt. Ticketpreis: 1 Euro. Übrigens: Der Kärntner Frauenpreis (Femme) wird am 6. April verliehen. Das Voting in der Kategorie "Kärntnerin des Jahres" startet am Internationalen Frauentag, 8. März.

Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Böhm