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Historiker Paul Gleirscher präsentiert neues Buch über Kärntens Wurzeln

30.05.2018
LH Kaiser: eigene Landesgeschichte wissenschaftlich aufbereitet - "Karantanien - Slawisches Fürstentum und bairische Grafschaft" Lebenswerk von Historiker Gleirscher


Klagenfurt (LPD). Der Verlag Hermagoras/Mohorjeva, das Landesmuseum Kärnten und das Landesarchiv Kärnten haben zu einer besonderen Buchpräsentation gestern, Dienstag, eingeladen. Der Historiker Paul Gleirscher präsentierte im Landesarchiv sein neues Buch mit dem Titel "Karantanien - Slawisches Fürstentum und bairische Grafschaft", das von Experten als Lebenswerk des Historkers gesehen wird.

LH Peter Kaiser, der von Gleirscher eine Ausgabe mit Widmung vor Ort erhielt, versprach sofort: "Ich werde das Buch lesen. Wir erleben bewegte Zeiten. Es ist wichtig, die eigene Landesgeschichte in historischer Form, wie in diesem Buch aufbereitet, zu kennen. Dank Paul Gleirscher und seinem vorliegenden Lebenswerk werden wir an der Kärntner Geschichte viel Neues entdecken!" Kaiser betonte auch die wichtige Rolle des Landesmuseums, das als Gedächtnis Kärntens weiterhin auch als Stätte für eine kritische Auseinandersetzung bewahrt werden muss.

Gleirscher beschreibt im Buch die historische Entstehung Kärntens, widmet sich dem Frühmittelalter das laut Wilhelm Wadl, Leiter des Landearchivs, zur spannendsten Phase unseres Landes gehört. "Wir haben hier eine lesbare Gesamtdarstellung von Paul Gleirscher erhalten, die überraschende und auch provozierende Schlussfolgerungen liefert", so Wadl.

"Zwischen dem Untergang des Weströmischen Reiches (476) und der Einrichtung des Herzogtums Kärnten (976) liegen 500 Jahre. Im Zuge tiefgreifender politischer und gesellschaftlicher Veränderungen entstand auf Grundlage der römischen Provinz Norikum ein neuer Staat, Karantanien, aus dem schließlich Kärnten als zweisprachiges Land hervorgehen sollte", berichtet Gleirscher aus dem Inhalt seines Buches. Der Kärntner Raum erlebte zwischen 476 und 976 eine Reihe wechselnder Herrschaften und einschneidender gesellschaftlicher Veränderungen, die von Ostgoten, Franken, Byzantinern, Slawen, Awaren und Baiern geprägt wurden.

So meint Gleirscher: "Was die Entstehung Karantaniens anbelangt, ist auszuloten, ob nicht, wie an anderen Schnittstellen der Geschichte, ein normales Phänomen von kulturellem Wandel und Verschmelzung vorliegt, das, eingebettet in kulturelle Strömungen Mitteleuropas, zur Identität der Karantanien führte."

Antworten auf Fragen zur Frühgeschichte Kärntens fußen auf Einschätzungen der archäologischen und historischen Quellen. "Die Fakten, die hinter so manchen Thesen und Mythen stehen, erweisen sich als klarer, als man mitunter meinen möchte", so Gleirscher.

Unter anderem zeichnet sich laut dem Historiker ab, dass das Zentrum des slawischen Fürstentums Karantanien nicht im Zollfeld oder in Karnburg lag, sondern um Moosburg zu suchen ist. Karnburg erweist sich hingegen als königliche, unter Arnulf von Kärnten errichtete Burg für die Verwaltung des Landes. Und nicht zuletzt erscheinen der Kärntner Fürstenstein und das dort praktizierte Ritual in neuem Licht, lassen sich wie die Karnburg nicht in vorkarolingische Zeit zurückführen.

Univ.-Doz. Dr. Paul Gleirscher
ist seit 1991 Leiter der Abteilung für Ur- und Frühgeschichte am Landesmuseum für Kärnten und seit 1998 Dozent am Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie an der Universität Wien. Er hat eine Reihe von Studien zum frühen Mittelalter im Ostalpenraum verfasst. Er ist korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Berlin, des Instituts für Ur- und Frühgeschichte Italiens (IIPP) in Florenz und der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste (SAZU) in Laibach/Ljubljana.


Karantanien - Slawisches Fürstentum und bairische Grafschaft
Sprache: Deutsch
Seiten: 384
Bindung: Gebunden
Format: 22,5 x 22,5 cm
Verlag: Hermagoras Verlag, 2018


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Gerlind Robitsch
Fotohinweis: LPD/Just (Fotos folgen)