News

POLITIK

Lehre für Asylwerber: Wirtschaft profitiert davon - Bundesregierung schlägt falschen Weg ein

27.08.2018
LR.in Schaar: Derzeit befinden sich 55 Asylwerber in Kärnten in einer Lehre, 50 davon im Tourismus - Projekt "TourIK" wirkt Fachkräftemangel im Kärntner Tourismus entgegen


Klagenfurt (LPD). Die Ankündigung der Bundesregierung, jungen Asylsuchenden den Zugang zur Lehrausbildung in Zukunft zu verwehren, sieht die für Flüchtlingswesen und Jugend zuständige Landesrätin Sara Schaar kritisch. "Nach dem derzeit geltenden Erlass dürfen Asylwerber ohnehin nur dort eine Lehre beginnen, wo sich kein Österreicher findet, der die Stelle haben möchte", sagt Schaar. "Es handelt sich um Mangelberufe, die das Arbeitsmarktservice festlegt. Die meisten Lehrstellen betreffen die Gastronomie und die Hotellerie."

In Kärnten befinden sich derzeit 55 Asylwerber in einer Lehre, wovon 50 im Tourismus tätig sind. "In dieser Sparte gibt es einfach viel mehr Lehrstellen als Lehrstellensuchende, was bedeutet, dass diese jugendlichen Asylwerber eine wichtige Stütze für die heimische Wirtschaft, insbesondere den Tourismus, darstellen. Und: Es wird keinem österreichischen Jugendlichen der Job weggenommen", betont Schaar.

"Hinzu kommt, dass die Bundesregierung völlig außer Acht lässt, dass das Absolvieren einer Lehre auf den Ausgang des Asylverfahrens keinen Einfluss hat. Der Abschluss einer Lehre ist für das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl kein berücksichtigungswürdiger Grund", erklärt Schaar, die in diesem Zusammenhang auch auf "reverse migration" hinweist. "Bei diesem Programm geht es darum, dass Asylwerber, die in Österreich eine Ausbildung erhalten können bzw. sollen, das hier erworbene Wissen in ihre Heimatländer mitnehmen, um dort beim Wiederaufbau ihren Beitrag leisten zu können."

Insgesamt befinden sich derzeit 2.300 Flüchtlinge in Kärnten in der Grundversorgung, wobei die Tendenz rückläufig ist. "Die 55 Asylwerber, die gerade in einem Mangelberuf eine Lehre machen, erhalten keine Grundversorgung. Dadurch entstehen der öffentlichen Hand auch keine Kosten", so Schaar, die das vom Land Kärnten geförderte Projekt "TourIK - Tourismus und Integration in Kärnten" der Diakonie de La Tour als positive Initiative, um dem Fachkräftemangel im Kärntner Tourismus entgegen zu wirken, hervorhebt. In diesem Projekt wird unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge und asylrechtlich positiv beschiedenen Menschen ein einjähriges Ausbildungsprogramm - eine "Vor-Lehre" - ermöglicht, um sie optimal auf die Lehrberufe Koch/Köchin und Restaurantfachmann/-fachfrau vorzubereiten.

Schaar: "Von den 35 Teilnehmern des Projekts, die eine einjährige Ausbildung unter Einbeziehung touristischer Partnerbetriebe erhalten, konnten im laufenden Projektjahr bereits acht Jugendliche in ein Lehrverhältnis vermittelt werden. So sieht gelungene Integration aus, von der mehrere Seiten profitieren: Die jugendlichen Asylwerber erhalten eine sinnvolle Beschäftigung und eine berufliche Perspektive, die heimische Wirtschaft bekommt gut ausgebildete, engagierte Fachkräfte." Im Umkehrschluss ist für Schaar klar, dass der Ausschluss von Asylsuchenden zu Lehre und Arbeitsmarkt "niemandem nütze - ganz im Gegenteil. Es ist fahrlässig, das Potenzial junger Menschen nicht zu nützen."




Rückfragehinweis: Büro LR.in Schaar
Redaktion: Pinter/Rauber