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Welt-Alzheimertag: Kärnten startet mit Ausbildungslehrgang

19.09.2018
LHStv.in Beate Prettner: Demenziell erkrankte Menschen in die Gesellschaft integrieren - Ausbildungsangebot für Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes - Neues Erwachsenenschutzgesetz: Appell, rechtzeitig für eigene Versorgung vorzusorgen


Klagenfurt (LPD). Seit 1994 findet am 21. September der Welt-Alzheimertag statt. Weltweit sind etwa 35 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen. In Österreich sind es 130.000 Personen, davon knapp 10.000 in Kärnten. Es wird prognostiziert, dass sich die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen bis zum Jahr 2050 verdoppelt, primär aufgrund der demographischen Entwicklung mit einer immens steigenden Zahl an über 65-Jährigen.

"In den Kärntner Pflegeheimen leiden rund 60 Prozent aller Bewohnerinnen und Bewohner unter kognitiven Defiziten, etwas mehr als 70 Prozent davon weisen eine Demenzdiagnose auf. Der größere Anteil wird allerdings zu Hause betreut", erklärte heute, Mittwoch, Gesundheitsreferentin Beate Prettner im Rahmen einer Pressekonferenz. "Daher forciert das Land sukzessive das Angebot für pflegende Angehörige: So haben wir beispielsweise das Budget für kostenlose Urlaube für pflegende Angehörige um 70 Prozent erhöht, mittlerweile gibt es sechs Turnusse. Während des Urlaubs wird die zu pflegende Person kostenlos in Kurzeitpflege betreut. Auch die Kurzzeitpflege selbst haben wir ausgeweitet", betonte Prettner. Anmeldungen für die drei Herbst/Winter-Turnusse (je eine Woche im Kurzentrum Bad Bleiberg) seien noch bis 19. Oktober möglich, informiert die Gesundheitsreferentin.

Als wesentlich bezeichnete Prettner auch die Ent-Tabuisierung von Demenz: "Wir, die Gesellschaft, dürfen Betroffene nicht an den Rand der Gesellschaft schieben, wir dürfen sie nicht vereinsamen lassen. Vielmehr ist es unsere Aufgabe zu lernen, mit dieser Krankheit und den Betroffenen richtig umzugehen."

Konsequenz: "Wir bieten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes an, in einem Seminar genau diesen richtigen Umgang zu erlernen. Die Exekutive hat diese Ausbildung bereits umgesetzt - mit tollem Erfolg. Nun wollen wir das vor allem auf jene Ebenen ausrollen, die in ihrer täglichen Arbeit mit Parteienverkehr konfrontiert sind." Derzeit sei die Hemmschwelle mitunter eine große: "Viele wissen nicht, wie sie reagieren sollen, wenn ein vermeintlich verwirrter älterer Mensch vor ihnen ist", so die Gesundheitsreferentin.

Es ist genau diese Sensibilisierung der Gesellschaft bzw. die Schulung der Gesellschaft im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen, weshalb auch Notar Klaus Schöffmann wegen des neuen Erwachsenenschutzgesetzes an der Pressekonferenz teilnahm. Tatsächlich habe sich per 1. Juli 2018 einiges geändert in der Frage "Wer bestimmt über mich, wenn ich selbst nicht mehr über mich bestimmen kann?" Schöffmann appellierte: "Jeder von uns ist gut beraten, rechtzeitig eine Vorsorgevollmacht zu unterfertigen." Dieses sei das wichtigste Instrument der Selbstbestimmung. Wie der Notar ausführte, wurde früher ein Sachwalter bestellt, der auch in alltäglichen Angelegenheiten für den Betroffenen Entscheidungen getroffen hat. Nun sei es so, dass man selbst eine Unterstützung und in der Folge eine Vertretung bestimmen könne. "Und das muss nicht zwangsläufig der Ehepartner oder das Kind sein", merkte Schöffmann an.

Die Bedeutung des neuen Erwachsenenschutzgesetzes unterstrich auch Primarius Manfred Freimüller. "Die familiären Strukturen wandeln sich. Heute werden viele Pflegefälle zu Hause betreut; das wird aufgrund der Änderung sozialer Strukturen in zehn, 20 Jahren nicht mehr der Fall sein. Es ist wichtig, zeitgerecht jemanden zu bestimmen, der für einen im Fall der Fälle einen Heimplatz auswählt oder sein Geld verwaltet oder ihn versorgt."

Für alle Fragen rund um Pflege und Demenz stehen von Montag bis Freitag (10 bis 11 Uhr) Experten am Pflegetelefon mit Rat und Tat zur Seite: 0720 788999


Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Rauber
Fotohinweis: Büro LHStv.in Prettner