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Trasse im Kärntner Zentralraum erfordert Lärmschutzmaßnahmen für Bevölkerung

17.10.2018
LR Zafoschnig, BMVIT und ÖBB laden gemeinsam zur Fachtagung "Die Eisenbahnstrecke am Wörthersee - Perspektiven zum Schallschutz" am 19. Oktober 2018 ins Congress Center Wörthersee


Klagenfurt (LPD). "Der Ausbau der Koralmbahn wird künftig eine europaweite Erschließungsfunktion haben. Das betrifft vor allem den Kärntner Zentralraum. Mehr Frequenz im Schienenverkehr bedeutet trotz neuester Technologien auch eine größere Lärmbelastung für die Bevölkerung. Um das Ausmaß der künftigen Lärmbelastung im Zentralraum einschätzen zu können, braucht es daher eine frühzeitige fachliche Auseinandersetzung und eine Einschätzung von Experten, auf deren Grundlage die Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt werden können. Bedenkt man jedoch die langfristigen Planungs- und Genehmigungszeiträume für Schieneninfrastruktur, so müssen zusätzlich dazu auch kurzfristige Lärmschutz-Lösungen im Sinne der Anrainer auf Schiene gebracht werden", so Verkehrslandesrat Ulrich Zafoschnig, der gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) und den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) zur Fachtagung "Die Eisenbahnstrecke am Wörthersee - Perspektiven zum Schallschutz" mit hochkarätigen Experten am Freitag, den 19.10.2018, in das Congress Center Wörthersee in Pörtschach einlädt.

Mit Blickrichtung auf die Inbetriebnahme der Koralmbahn wurde bereits am 31.05.2017 vom BMVIT und dem Land Kärnten ein Memorandum of Understanding vereinbart, in dem die Unterzeichnenden ihre konkrete Absicht ausdrücken, Maßnahmen für die Entlastung der Bevölkerung im Kärntner Zentralraum von Schienenverkehrslärm zu setzen. "Hier geht es um ein sensibles Wirtschafts-, Tourismus- und Erholungsgebiet mit rund 200.000 Einwohnern und betroffene Tourismusunternehmen. Bei der Fachtagung, zu der auch die betroffenen Anrainer herzlich eingeladen sind, setzen wir einen weiteren Schritt, eine Lösung im Sinne der Bevölkerung zu erreichen", so Zafoschnig.

Namhafte Experten präsentieren den Stand der Technik und aktuelle Perspektiven. In der Diskussion sollen weitere Möglichkeiten des Schallschutzes erörtert werden.

Zum Einstieg berichtet Christian Kirisits, Ziviltechniker und ao. Professor an der Medizinischen Universität Wien, über die Messung von schalltechnischen Größen und die Berechnung von Lärmindizes. Letztere beinhalten eine Normierung auf reproduzierbare Betriebszustände und Schallausbreitungsbedingungen sowie die Berücksichtigung der Einwirkdauer, Häufigkeit, Höhe und zeitlichen Verteilung von Vorbeifahrtgeräuschen. Das Auftreten von Belästigungsreaktionen sowie teils auch gesundheitliche Auswirkungen in Abhängigkeit von Lärmindexwerten konnten in einer Vielzahl von Feldstudien dargestellt werden. Die zuverlässigste Prognose von Lärmauswirkungen liegt somit in der Messung der Eingangsparameter, der Berechnung der Lärmindexwerte und dem Vergleich dieser Werte mit gemessenen evidenzgeprüften Dosis-Wirkungsbeziehungen.

Karl-Otto Endlicher, Sachverständiger des BMVIT für Schienenfahrzeuge, gewährt einen Blick auf die Entwicklung des akustischen Regelwerkes für Schienenfahrzeuge ab 1993, als erstmals eine einschlägige Verordnung Maßnahmen an Schienenfahrzeugen in Österreich erzwang. Im Jahr 2006 wurde dieses Regelwerk durch die EU-weit verbindliche TSI-Lärm ergänzt, mit dem Effekt, dass modernes Rollmaterial deutlich weniger Schall emittiert als ältere Fahrzeuge. Während die Fortschritte bei Triebfahrzeugen, Reisezugwagen, Nebenfahrzeugen udgl. seither deutlich wahrnehmbar sind, gibt es bei den Güterwagen - vor allem auch wegen deren langer Lebensdauer - Nachholbedarf, wobei erst seit 2014 eine Methode im Bereich der Bremsklötze auch für den Bestandfuhrpark serienreif ist. Wie bald und auf welchen Strecken lärmsanierte Güterwagen in Europa in akustisch wirksamer Anzahl eingesetzt werden, ist aktuell Gegenstand von Diskussionen. Die grundsätzliche Wirksamkeit von Umrüstprogrammen ist inzwischen aber international objektiv nachgewiesen.

Norbert Ostermann, Vorstand des Institutes für Eisenbahnwesen an der TU Wien, gibt einen Überblick über verschiedene Lärmschutzmaßnahmen - sowohl bereits langjährige, im Einsatz befindliche Maßnahmen, wie auch Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit. Andererseits soll das Verständnis über die Entstehung von Schallemissionen geweckt und darauf aufbauend die Wirkungsweise und Möglichkeiten der dargestellten Maßnahmen vermittelt werden.

Werner Baltram, Geschäftsbereichsleiter Asset Management und Strategische Planung in der ÖBB-Infrastruktur AG, präsentiert das Programm der "Schalltechnischen Sanierung der Eisenbahn-Bestandsstrecken". Seit jetzt schon mehr als 20 Jahren werden unter den hier vorgegebenen österreichweit einheitlichen Rahmenbedingungen und Finanzierungsregeln Lärmschutzmaßnahmen an bestehenden Eisenbahnstrecken geplant und errichtet. Im Europavergleich nimmt Österreich dadurch eine Vorreiterrolle ein.

Entlang der Bahnstrecke zwischen Klagenfurt und Villach wurden auf dieser Grundlage nunmehr rund 32 Kilometer Lärmschutzwände errichtet. Anhand von Umgebungslärmkarten wird die aktuelle Lärmsituation und die bereits realisierten Lärmschutzmaßnahmen an der Bahnstrecke Klagenfurt bis Villach behandelt.

Aufbauend auf den bereits errichteten Schutzmaßnahmen berichtet Helmut Hadolt vom Amt der Kärntner Landesregierung über die derzeit laufende Optimierungsinitiative für den Lärmschutz an der Bestandsstrecke. Der Projektstand in jeder betroffenen Gemeinde wird dargestellt.

Frank Petutschnig, Generalsekretär des Verbandes der Privatgüterwagen-Interessenten, und Alfred Pitnik, Leiter Public & International Affairs bei der Rail Cargo Group, präsentieren Lärmreduktionsmaßnahmen beim Güterwagen.

Julia Kurzmann von der ÖBB-Infrastruktur AG referiert über das lärmabhängige Wegeentgelt am Schienennetz der ÖBB-Infrastruktur AG. Nach Vorgaben der Durchführungsverordnung (EU) 2015/429 der Kommission wurde der sog. lärmabhängige Wegeentgeltbestandteil ("Lärmbonus") zur Unterstützung der Nachrüstung von Güterwagen auf lärmarme Bremstechnologien eingeführt. Zusätzlich zu den bestehenden Förderregimen in D, CH und NL bewirkt die nationale Unterstützung der Nachrüstung eine raschere Reduktion des Anteils an Güterwagen mit Grauguss-Bremssohlen.

Michael Mach, Leiter Fahrwegtechnik bei der ÖBB-Infrastruktur AG, behandelt die Reduktion von Lärm durch innovative Maßnahmen im Bereich Eisenbahnfahrweg. Speziell im Bereich der Schiene kann die Schallabstrahlung reduziert werden und die Immissionen bei den Anrainern reduziert werden.

Hierbei ausschlaggebend ist die Oberflächenqualität der Schiene. Diese muss besonders glatt sein um wenig Lärm abzustrahlen. Die ÖBB-Infrastruktur AG überwacht die Schienenoberflächenqualität auf der Wörthersee Strecke in verdichteten Intervallen um frühzeitig Fehler erkennen zu können. Diese werden umgehend entfernt. Darüber hinaus wird die Strecke kontinuierlich durch ein akustisches Monitoring überprüft. Bei Erhaltungsmaßnahmen werden schallabsorbierende elastische Elemente eingebaut. Zwischen Schwelle und Schiene werden hochelastische Zwischenlagen eingebaut und bei größeren Umbauten werden Schwellen mit Schwellenbesohlungen verbaut. Große Wirkungen werden hier im Bereich der Weichen erzielt.




Rückfragehinweis: Büro LR Zafoschnig
Redaktion: Hetzel/Rauber