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Suchtbeirat: Weitere Maßnahmen nach Analyse der Todesfälle

16.11.2018
LHStv.in Beate Prettner: Ärztebroschüre, Wohnprojekt für Nachbetreuung, Aufklärungsvideos, interne Schulungen in Jugendeinrichtungen, mehr Beratungsstellen, intensivere Vernetzung - forcierter Kampf gegen die Drogensucht


Klagenfurt (LPD). "Der Kampf gegen die Drogensucht kann nur dann erfolgreich sein, wenn sich die unterschiedlichen Institutionen noch stärker vernetzen", betonte Gesundheitsreferentin Beate Prettner bei der heutigen Sitzung des Kärntner Suchtbeirates. Es ist dies ein Gremium, das eben diese unterschiedlichen Institutionen widerspiegelt - 33 Teilnehmer aus den Bereichen Medizin, Suchtprävention, Therapie, Sozialarbeit, Exekutive, Justiz, Bildung, Apothekerkammer, Kinder- und Jugendeinrichtungen etc. waren anwesend und diskutierten intensiv auf fachlicher Ebene, an welchen "weiteren Schrauben" zu drehen sei.

"Als besonders aufschlussreich zeigten sich dabei die Ergebnispräsentationen von jenen zwei Studien, die beim Suchtgipfel im Sommer in Auftrag gegeben wurden: Die Analyse der Drogenopfer von 2016 bis September 2018, sowie die Studie einer Konferenz von betroffenen Süchtigen", informierte Prettner in der anschließenden Pressekonferenz.

Wie Primarius Wolfgang Wladika erklärte, seien 20 Prozent an illegalen Drogen, wie Heroin und Kokain, gestorben, die restlichen 80 Prozent an einem Mischkonsum von verschreibungspflichtigen Substanzen. "Bei einem Todesopfer wurden 13 verschiedene Substanzen nachgewiesen", so Wladika. Auffallend sei auch, dass zwei Drittel der Betroffenen im eigenen Umfeld verstorben seien - die Hälfte davon in Anwesenheit von anderen Personen. Hilfe wurde nicht oder zu spät geholt: Aus Angst vor Stigmatisierung? Aus Angst vor der Polizei? - Knapp 60 Prozent der Todesopfer hatte im Vorfeld keinen Kontakt zu Drogeneinrichtungen. "Allerdings hatte so gut wie jeder einen langzeitlichen Krankheitsverlauf, vor allem im psychiatrischen Bereich", berichtete Wladika.

Aufschlussreich auch eine Studie der Betroffenenkonferenz: Demnach zeigten sich diese überraschend uninformiert über die Wirkungen diverser Substanzen. Angeregt wurden daher Videos, die kurz und markant über die Wirkungsweise aufklären sollten.

Wie Oberst Gottlieb Türk ausführte, habe die Polizei eine "task force" eingerichtet, um die 22 Todesfälle des Jahres 2018 näher zu beleuchten. "Interessant dabei ist, dass sich bis auf zwei Ausnahmen alle Todesfälle östlich von Klagenfurt ereignet haben", so Türk. Weitere Eckpunkte: 90 Prozent waren der Polizei nicht aus suchttechnischen Fällen bekannt, wohl aber sei ein Drittel im Vorfeld strafrechtlich aufgefallen - wegen Einbrüchen oder Gewaltdelikten.

Diskutiert wurde im Suchtbeirat auch die wiederholte Forderung aus politischen Kreisen, wonach ehemalige Abhängige aufklärend in Schulen tätig werden sollten. "Dieser Vorschlag wurde strikt abgelehnt. Die Experten warnen unisono davor: Damit würde man jene Betroffenen, die den Entzug geschafft haben, als Heros ansehen und den Schluss ziehen, dass man selbst auch von der Sucht wegkommen würde", informierte die Gesundheitsreferentin.

Sie verwies bei der Pressekonferenz auf jene Maßnahmen, die seit dem Drogengipfel an Angriff genommen wurden: Abgesehen von der Analyse der Todesfälle und der Betroffenenkonferenz wurden mehrere Gespräche mit der Ärztekammer bezüglich Medikamentenverschreibung geführt. "Wir haben auch eine Broschüre erstellt, die aktuell allen Ärzten ausgehändigt wird", erklärte Prettner.

Vor dem Startschuss stehe auch das Projekt Risflecting - ein Projekt, das Mitarbeiter, die mit gefährdeten Jugendlichen arbeiten, speziell schult. Zudem würden in-house-Workshops in Jugendeinrichtungen gestartet. "Parallel dazu werden Beratungs- und Therapieeinrichtungen ausgebaut, in Feldkirchen stehen wir kurz vor der Finalisierung einer neuen Beratungsstelle", so Prettner. Auch die Erweiterung der Drogenambulanz in Villach nehme konkrete Formen an. "Außerdem wollen wir mit einem Wohnprojekt im Nachbetreuungsbereich einen ganz neuen Schritt setzen", sagte Prettner. "Über all dem werden wir aber weiterhin unser Augenmerk auf die frühestmögliche Prävention legen - und zwar mit der Weiterführung der Lebenskompetenzschulungen in Volksschulen." Sämtliche Studien würden nämlich eines belegen: Sucht fällt in den ersten Lebensjahren an, hier werden die "Weichen" gestellt.



Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Robitsch
Fotohinweis: Büro LHStv.in Prettner