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Welttag der Kinderrechte: 25 Jahre KiJA mit Rück- und Ausblick

19.11.2018
LHStv.in Beate Prettner und KiJA-Leiterin Astrid Liebhauser: 1.477 Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendhilfe Kärnten - Heißes Eisen "Verländerung"


Klagenfurt (LPD). Morgen, dem 20. November, wird der Welttag der Kinderrechte begangen. "Der Großteil der Kärntner Kinder lebt in einem geschützten Umfeld, sprich in einer fürsorglichen Familie", betonte Sozialreferentin Beate Prettner im Rahmen einer Pressekonferenz heute, Montag. Aber ein Teil von Kärntens Kindern benötige die Unterstützung der Kinder- und Jugendhilfe und die Hilfe der Kärntner Kinder- und Jugendanwaltschaft KiJA. "Die KiJA ist eine wichtige Säule für die Kinder- und Jugendhilfe des Landes - sie ist der Blick von außen auf unsere operative Tätigkeit, sie gibt uns Rückmeldungen, sie liefert Verbesserungsvorschläge. Und gemeinsam haben wir in den vergangenen Jahren schon einiges weitergebracht", dankte Prettner der KiJA mit Leiterin Astrid Liebhauser an der Spitze für ihre 25-jährige Tätigkeit. Es war nämlich im Jahr 1993, als die weisungsfreie, unabhängige "Lobby für Kinderrechte" in Kärnten eingerichtet wurde.

"Kinderschutz ist eine komplexe Angelegenheit, bei der viele Faktoren und Interessen mitspielen, die aber nur ein Ziel kennt: Das Interesse des Kindes zu wahren", erklärte Prettner. Für die Kinder- und Jugendhilfe wird aktuell ein Budget von rund 60 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. "1.477 Mitarbeiter werden beschäftigt - inklusive der 249 Kärntner Pflegeeltern. 137 Mitarbeiter sind in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe angesiedelt, 491 bei privaten Trägern und rund 600 in der ambulanten Unterstützung", informierte die Sozialreferentin. Es ist auch insbesondere der ambulante Bereich, der weiter gestärkt werden soll: Derzeit befinden sich 3.555 Kinder und Jugendliche in Betreuung, 2.428 davon in ambulanter Betreuung, 1.127 in so genannter "Voller Erziehung" und 280 Kinder sind bei Pflegeeltern. 229 Jugendliche erhalten "Hilfe für junge Erwachsene".

"Alle Kinder und Jugendliche - und zwar ausnahmslos alle - haben das Recht auf ein gewaltfreies, faires, chancengerechtes Leben und wir, die wir mit und für Kinder und Jugendliche arbeiten, stehen in der Verantwortung, sensibel und gut aufeinander abgestimmt genau das sicherzustellen. Das bedeutet, dass wir immer und laufend an Schrauben drehen und an Verbesserungen arbeiten müssen", sagte Prettner. Denn es gebe immer neue Herausforderungen. Darauf spielte auch Astrid Liebhauser an, als sie deponierte: "Die vergangenen 25 Jahre waren eine Abenteuerreise entlang der Kinderrechte: Sie haben sich von Worthülsen zu konkreten Ansprüchen entwickelt."

Auf die Einhaltung dieser Ansprüche nimmt die KiJA engagiert Bedacht: "Wir sind Ohr und Sprachrohr der Kinderrechte. Wir nehmen Kinderrechte in die Pflicht", so Liebhauser, die in der Pressekonferenz den KiJA-Tätigkeitsbericht 2013 bis 2018 vorlegte. Sie verwies dabei auf vier konkrete "Highlights": den Kinderschutzbericht, der Misshandlungsfälle analysierte und aus dessen Folge die Einrichtung der Kinderschutzfachstelle hervorgegangen ist; das Patenprojekt für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge; die Opferschutzstelle für ehemalige Heimkinder aus der "Ära" Wurst; oder eine Analyse von fremduntergebrachten Kindern und Jugendlichen. "Wir wollen im nächsten Jahr für diese fremduntergebrachten Kinder eine kinderrechtliche Vertrauensperson installieren", gab Liebhauser einen Ausblick für 2019. Zudem ist ein Ausbau des Pflegeelternwesens geplant - "und zwar quantitativ als auch qualitativ", informierte die KiJA-Leiterin.

Auch Beate Prettner gab eine Vorschau auf 2019: Weitere Forcierung "ambulant vor stationär"; Ausrollung der "Frühen Hilfen"; Ausbau von Kinderschutzzentren.

Für Prettner wie Liebhauser steht fest: "Wir sind in Kärnten auf einem guten Weg. Wir bewegen uns in diesem Themenbereich in einem schwierigen Umfeld, die Herausforderungen werden komplexer. Die gesamte Gesellschaft ist gefordert, für Kinderrechte einzustehen und für den Kinderschutz hellhörig zu sein."

Angesprochen auf die derzeit diskutierte "Verländerung" der Kinder- und Jugendhilfe hielt die Sozialreferentin fest: "Die Kinder- und Jugendhilfe sollte nicht alleine von den Ländern getragen werden, der Bund kann sich nicht von dieser Thematik verabschieden. Es wäre auch paradox, wenn sich der Bund, der gerade versucht, den Tierschutz oder die Mindestsicherung zu vereinheitlichen, dann gerade aus einem derart sensiblen Thema wie der Kinder- und Jugendhilfe zurückziehen möchte." Prettner forderte daher: "Eine Verländerung kann es nur mit einer Bund-Länder-Vereinbarung geben, die etwa einheitliche Grundprinzipien, das heißt die Sicherstellung aller qualitativen Standards, festschreibt. Notwendig ist es auch, die Kommunikation zwischen der Kinder- und Jugendhilfe und den Systempartnern weiter auszubauen. Außerdem ist eine finanzielle Unterstützung des Bundes notwendig, etwa für die so wichtige Schulsozialarbeit."


Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Rauber

Fotohinweis: Büro LHStv.in Prettner