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Was ist Arbeit, wie funktioniert ein Grundeinkommen?

29.11.2018
LH Kaiser bei von Soziologen Kellermann geführter Diskussion an Uni Klagenfurt: Über Grundeinkommen für Kinder Zugang zu notwendiger Diskussion finden


Klagenfurt (LPD). Über die Begriffe "Arbeit" und "Grundeinkommen" wurden gestern, Mittwoch, an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt unter Einbindung eines versierten Auditoriums diskutiert. Soziologe Paul Kellermann hatte Landeshauptmann Peter Kaiser, den früheren ÖGB-Präsidenten Erich Foglar und den deutschen Wirtschaftsmathematiker Wolfgang Eichhorn eingeladen, ihre Definitionen darzulegen.

Kaiser meinte zum Begriff "Arbeit", dass hier das gesellschaftliche Gemeinwohl in den Mittelpunkt zu stellen sei. "In unserer kapitalistischen Produktions- und Wirtschaftswelt gilt als Arbeit nur jener Faktor, der auch entlohnt wird", warf er ein. So wertvolle und für ein gesellschaftliches Zusammenleben unverzichtbare Tätigkeiten, wie Erziehung, Pflege von Familienangehörigen, Haushaltsführung, ehrenamtliches Engagement - beispielsweise in Vereinen, Rettungsorganisationen oder bei Feuerwehren - seien also laut dieser Definition gar keine Arbeit.

Aus heutiger Sicht sei die Bedingungslosigkeit in einer von Lohnarbeit geprägten Gesellschaft weder mehrheitsfähig, noch erscheine sie umsetzbar. Gleichzeitig ist für Kaiser jedoch eine permanente Auseinandersetzung über Grundeinkommen, eine Existenzerweiterung des Arbeitsbegriffes und ähnliches erforderlich. Ebenfalls sei ein temporärer Grundeinkommensbezug anzudenken.

Mit einem Blick in die Zukunft ging der Landeshauptmann auch auf das Thema "Künstliche Intelligenz" ein. "Dieser Bereich ist für unser Denken noch nicht fassbar. Es wird aber ein Parteiergreifen gefordert sein. Wir müssen ein Menschenbild diskutieren, das hinter diesen Entwicklungen stehen soll", mahnte er. Im Zusammenhang mit Digitalisierung und Roboterisierung solle niemand am Weg in die Zukunft zurückgelassen werden. In dem Zusammenhang stelle sich auch die Frage, ob ein garantiertes Grundeinkommen vorstellbar und auch realisierbar sei.

Die Diskussion um ein Grundeinkommen wäre für Kaiser "weniger emotional, weniger verbrämt und mit mehr Sinnhaftigkeit verbunden", wenn man sich ein Grundeinkommen für Kinder vorstellen würde. Berechnungen hätten ergeben, dass ein Grundeinkommen für jedes Kind in Österreich zwei Milliarden Euro pro Jahr kosten würde. Der Familienbonus der Bundesregierung bewege sich im Vollausbau bei 1,5 bis 1,7 Milliarden. Kaiser sieht in einem Grundeinkommen für Kinder jedenfalls mehr Gerechtigkeit und weniger Auseinanderklaffen zwischen schlechter und besser Gestellten.



Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Schäfermeier/Böhm
Fotohinweis: Büro LH Kaiser