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Regierungssitzung 7: Pflege: Land Kärnten schafft Verbesserungen für Betroffene und Angehörige

15.01.2019
Kaiser, Prettner, Gruber: Start von zukunftsweisenden Entlastungsmaßnahmen für pflegende Angehörige: Österreichweit erstes Pilotprojekt Pflege-Nahversorgung startet - mobile Pflege wird zu mehrstündigem Betreuungsangebot ausgebaut, Selbstbehalt halbiert


Klagenfurt (LPD). "Die Pflege hat viele Gesichter: Genau so, wie es je nach Bedarf sieben Pflegegeldstufen gibt, benötigen pflegebedürftige Menschen die unterschiedlichsten Pflegedienstleistungen: Es ist ein Bündel von Maßnahmen und Angeboten, die man den Betroffenen zur Verfügung stellen muss", betonte heute, Dienstag, Gesundheitsreferentin Beate Prettner nach der Regierungssitzung. In dieser wurde der Start der Pflege-Nahversorgung beschlossen - "womit Kärnten als erstes Bundesland in einer aufsuchenden, vorausschauenden Art und Weise den Betroffenen vor Ort individuelle und quasi maßgeschneiderte Angebote zur Verfügung stellen wird. Jeder Kärntner bekommt die Leistungen, die für ihn die richtigen sind: ausgelotet, koordiniert und vermittelt von sogenannten Sozialkoordinatoren", informierte Prettner. Die Sozialkoordinatoren werden von den Gemeinden angestellt und vernetzen Betroffene mit den zahlreichen Dienstleitungen, maßgeschneidert für jeden Einzelfall.

LH Peter Kaiser betonte, dass sich die Regierung die demographische Entwicklung der Bevölkerung sehr genau angeschaut habe. "Jeder Mensch soll in Kärnten sorgenfrei altwerden können! Daher haben wir Sorge zu tragen, die entsprechende Infrastruktur und das Angebot dem Bedarf anzupassen und bereit zu stellten. Wir brauchen Maßnahmen, die die Bevölkerung unterstützen, die zielgerichtet auf die zu Pflegenden wirken und die auch für die öffentliche Hand finanzierbar sind", erklärte der Landeshauptmann zum Schwerpunkt Pflege der Regierung.

"Wir haben in Kärnten einen Pflege-Schwerpunkt gesetzt, nachdem die Bundesregierung das "Jahr der Pflege" ausgerufen hat. In diesem Schwerpunkt hat die mobile Pflege Vorrang vor der stationären Pflege, das ist mir ein besonderes Anliegen. Die Mehrheit der Menschen möchte so lange wie möglich zu Hause gepflegt werden. Mit dem Pilotprojekt Pflege-Nahversorgung, das wir heute beschlossen haben, setzen wir einen Schritt, um die Versorgung zu Hause, vor allem im ländlichen Raum zu stärken", erklärte LR Martin Gruber. Weitere Maßnahmen werden jedoch notwendig sein, um die Herausforderung Pflege zu lösen, so Gruber.

Mit der Umsetzung der Pflege-Nahversorgung werde umgehend gestartet: Ziel sei es, so schnell wie möglich die flächendeckende Realisierung zu schaffen. "Jene Gemeinden, die sich zuerst melden, ‚bekommen‘ zuerst", betonte Prettner. Schon im Vorfeld habe es viele Interessenten gegeben, wie z.B. die ehemaligen Consenso-Gemeinden oder Gemeinden im Görtschitztal oder im Lavanttal.

Parallel zur Pflegenahversorgung fiel heute der Startschuss für ein weiteres innovatives Modell, das vor allem pflegende Angehörige deutlich entlasten wird: "Die mobilen Dienste werden zu mehrstündigen Betreuungsangeboten ausgebaut, indem wir den Selbstbehalt für die Betroffenen halbieren", informierte die Gesundheitsreferentin. "Derzeit sind sie im Schnitt rund eine Stunde vor Ort tätig - künftig können sie als mehrstündige Betreuung gebündelt werden. Und zwar im Ausmaß von vier, sechs, acht oder zehn Stunden am Stück", erklärte Prettner. "Pflegende Angehörige sind während dieser Stunden entlastet, sie können sich frei nehmen, haben Zeit für sich…"

"Damit dieses Modell dementsprechend in Anspruch genommen werden kann, haben wir den Selbstbehalt halbiert. Das Land zahlt 84,25 Prozent, der Klient nur noch 15,75 Prozent. Das sind beispielsweise 22 Euro für vier Stunden", betonte Prettner. Gestartet wird mit einem Pilotprojekt in den Bezirken Klagenfurt Stadt und Klagenfurt Land. "Wir sind überzeugt, dass dieses neue Angebot sehr erfolgreich sein wird. Daher gehen wir von einer weiteren Ausrollung noch in diesem Jahr aus", sagte die Gesundheitsreferentin. "Dieses mehrstündige Betreuungsangebot zu wesentlich geringeren Kosten ist österreichweit einmalig - und eine deutliche Entlastung für Pflegende", so Prettner.

Wie die Gesundheitsreferentin erklärte, sei Kärnten bei den Entlastungsmaßnahmen Vorreiter in Österreich: "Kärnten hat die von der Bundesregierung formulierte Vision, nämlich einen kostenlosen Pflegersatz für 28 Tage pro Jahr zur Verfügung zu stellen, schon vor Jahren umgesetzt. Abgesehen davon ermöglichen wir pflegenden Angehörigen einmal pro Jahr einen einwöchigen Urlaub in einem Kurhotel - inklusive Wellness, inklusive individueller Therapieangebote und, so erwünscht, inklusive psychologischer Beratung." Übrigens: Ab 4. Februar ist das Antragsformular für die heurigen drei Frühjahrs-Turnusse (zur Auswahl stehen: 28. April bis 5. Mai, 12. Mai bis 19. Mai und 26. Mai bis 2. Juni) erhältlich. Abgabeschluss ist dann der 29. März.

Berichtet hat LHStv.in Prettner zudem von einem Ausbau der mobilen Dienste, der, abgesehen vom mehrstündigen Betreuungsangebot, "laufend passiert". Wie der Bedarfs- und Entwicklungsplan Pflege (BEP) - er stellt eine detaillierte Prognose bis ins Jahr 2030 dar - aufschlüsselt, werde künftig vor allem die Inanspruchnahme von mobilen Diensten steigen: und zwar bis 2030 um rund 28 Prozent bzw. 14.720 Personen. "Das heißt, dass die mobilen Dienste von aktuell knapp einer Million Stunden pro Jahr auf rund 1,3 Millionen Stunden aufzustocken sind. Und genau das setzt Kärnten kontinuierlich um", versicherte Prettner.



Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser, LHStv.in Prettner, LR Gruber
Redaktion: Grabner/Robitsch