News

LOKAL

"Gehalt statt Taschengeld" für beeinträchtigte Menschen

02.05.2019
LHStv.in Beate Prettner unterstützt Protestaktion der Lebenshilfe für inklusiven Arbeitsmarkt - "Notwendig sind Sensibilisierung und konkrete Maßnahmen" - Kärnten geht hier voran


Klagenfurt (LPD). "Es ist keine soziale Hilfsmaßnahme, sondern es ist ein wirtschaftlicher Mehr-Wert, beeinträchtigte Menschen am Arbeitsmarkt Fuß fassen zu lassen" - darin sind sich Sozialreferentin LHStv.in Beate Prettner und die Lebenshilfe Kärnten einig. Prettner unterstützt daher nicht nur aus voller Überzeugung, sondern auch mit konkreten Maßnahmen die österreichweite Aktion der Lebenshilfe, für Menschen mit intellektuellen Behinderungen ihr Recht auf reguläre bezahlte Arbeit einzutreten. "Menschen mit intellektuellen Behinderungen sollen nicht länger wie Kinder behandelt werden. Sie sind erwachsene Bürgerinnen und Bürger. Sie wollen und sie können ihre Rechte und Pflichten am Arbeitsmarkt wahrnehmen", sagt Silke Ehrenbrandtner, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Kärnten.

Morgen werden Betroffene - von Kärnten sind das Hubert Raunjak und Oskar Obkircher - im Sozialministerium in Wien ein Dialogpapier mit politischen Forderungen zu inklusiver Arbeit übergeben. Schon heute statteten sie der Kärntner Sozialreferentin einen Besuch in ihrem Büro im Amt der Kärntner Landesregierung ab. Ihre Unterstützung ist ihnen gewiss: "Ich kämpfe seit langem für die Integration beeinträchtigter Menschen am Arbeitsmarkt - mit Sensibilisierungsmaßnahmen ebenso wie mit laufenden Projekten", betonte Prettner.

Betriebe ab 25 Mitarbeiter sind gesetzlich verpflichtet, sogenannte "begünstigte Behinderte" einzustellen. Das sind Personen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 Prozent, festgestellt vom Bundessozialamt. Unternehmen, die dem nicht nachkommen, müssen eine Ausgleichstaxe zahlen, die zweckgebunden ist. Sie beträgt mindestens 257 Euro pro Pflichtstelle, bei Großbetrieben entsprechend mehr.

"Eine deutliche Erhöhung dieser Ausgleichstaxe ist überfällig", sagte Prettner - allerdings fällt das in die Kompetenz des Bundes. "Immerhin sind es bereits 69 Prozent der heimischen Unternehmen, die aktuell der Beschäftigungspflicht von Menschen mit Behinderung nicht nachkommen."

Prettner macht sich daher seit 2016 intensiv für das Projekt "Zero Project" stark, das Unternehmer dazu animieren soll, beeinträchtigte Menschen anzustellen. "Man muss ihnen bewusst machen, welchen Gewinn sie für einen Betrieb darstellen. Man muss ihnen die Scheu und die Ängste, die in ihren Köpfen existieren, nehmen."

Wie Prettner ausführte, gebe es eine Gruppe von beeinträchtigten Menschen, die als nicht vermittelbar für den Arbeitsmarkt bzw. als erwerbsunfähig gelten. Für sie gibt es ein Taschengeld anstelle eines Gehalts. "Es wäre für das Selbstbewusstsein, für den Selbstwert der Betroffenen unglaublich wichtig, auch ihnen ein Gehalt zukommen zu lassen. Deshalb geht Kärnten mit gutem Beispiel voran: Zum einen wird im "Chancenforum Kärnten" Behinderten die Möglichkeit geboten, gegen Lohn zu arbeiten; zum anderen wurde mit dem Projekt "Bistro Flitzer" das erste inklusive Kleinunternehmen in Kärnten gegründet - und zwar vom Sozialreferat des Landes Kärnten gemeinsam mit autArK. Es ist ein Unternehmen für und mit Menschen mit Beeinträchtigung. Es handelt sich dabei um einen "Bistro-Betrieb", angesiedelt im Verwaltungsgebäude der Kärntner Landesregierung. Hier finden vorerst neun beeinträchtige Menschen mit zwei Assistenten (im Endausbau werden es 18 mit drei Assistenten sein) einen Arbeitsplatz mit Gehalt statt Taschengeld und eigener Sozialversicherung. "Das ist für die Betroffenen ein Quantensprung", sagte Prettner.

Hintergrund der Lebenshilfe-Aktion ist der europäische Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Dieser findet jedes Jahr am 5. Mai statt.



Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Zeitlinger
Fotohinweis: Büro LHStv.in Prettner