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Dialogwoche Alkohol: Wo endet Genuss, wo beginnt Sucht?

17.05.2019
LHStv.in Prettner: 78.000 Kärntner sind schwer alkoholgefährdet, 28.000 davon süchtig - Barbara Drobesch (Suchtprävention) und Renate Clemens-Marinschek (Klinik de la Tour) über Abhängigkeiten, Therapien und die Rolle des Umfeldes
Klagenfurt (LPD). Das zweite Mal nach 2017 wird in Österreich bundesweit die "Dialogwoche Alkohol" durchgeführt. "Wir wollen im wahrsten Sinne des Wortes mit der Bevölkerung zum Thema Alkohol in Dialog treten. Erhebungen zeigen nämlich, dass der Informationsstand der Bevölkerung dazu gering ist - und das, obgleich Alkohol in unserer Gesellschaft omnipräsent ist", erklärte Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner heute, Freitag, im Rahmen einer Pressekonferenz. Vom 20. bis 26. Mai werden daher zahlreiche Veranstaltungen und Werbeaktionen - wie etwa die fahrende Werbung in allen ÖBB-Zügen - mithelfen, für das Thema zu sensibilisieren.

"Österreich zählt im internationalen Vergleich zu den Ländern mit den höchsten Alkoholkonsumraten. Rund 14 Prozent der Bevölkerung gelten als schwer alkoholgefährdet. Das heißt für Kärnten: 78.000 Kärntner zählen zur Alkohol-Risikogruppe, 28.000 davon sind süchtig", informierte Prettner. Die Hauptbetroffenen seien Männer, gut situiert, im Alter zwischen 40 und 55 Jahren. Laut der Gesundheitsreferentin sei eine der Kernfragen, wo der Genuss ende und die Sucht beginne. "Fakt ist, dass jeder Österreicher ab 15 Jahren umgerechnet 11,6 Liter reinen Alkohol pro Jahr und Kopf trinkt. Das entspricht rund 250 Liter Bier - und das ist mehr als ein Vollbad", so Prettner.

Auch Primaria Renate Clemens-Marinschek, Leiterin der Klinik de La Tour, hob hervor, wie sehr Alkohol in unseren Breitengraden gesellschaftlich verankert sei - "wird man aber süchtig, so kippt es und man findet sich plötzlich am Rand der Gesellschaft wieder." Der Betroffene würde dann versuchen, sein Alkoholproblem für sich selbst zu bagatellisieren: "Genau das macht eine frühe Hilfe sehr schwierig." Bevor es zu einer körperlichen Abhängigkeit komme, passiere die psychische Abhängigkeit - "ab diesem Punkt spricht man von einer Alkoholerkrankung", erklärte Clemens-Marinschek, die darauf hinwies, dass Kärnten über ein dichtes Hilfs- und Therapienetz verfüge. "Wir haben in allen Bezirken ambulante Therapieangebote sowie mit der Klinik de La Tour ein stationäres Angebot, das Patienten aus ganz Österreich anzieht."

Wie die Leiterin der Suchtprävention Kärnten, Barbara Drobesch, betonte, gehe es bei der Dialogwoche Alkohol um die Vermittlung "ganz klarer Sachinformationen ohne den erhobenen Zeigefinger". Erreichen wolle man damit vor allem Erwachsene, denn für Jugendliche würden das ganze Jahr über gezielte Präventionsmaßnahmen angeboten. Die Dialogwoche sei breiter aufgestellt und solle insbesondere Erwachsene dazu anregen, über ihr Trinkverhalten nachzudenken. "Im Grunde spürt und weiß jeder selbst am besten, ob sein Alkoholkonsum noch in einem zu akzeptierenden Maße geschieht. Denn eine Faustregel, wann zu viel wirklich zu viel ist, gibt es nur theoretisch", so Drobesch. Diese Faustregel besage, dass bei Männern bei täglich mehr als zwei Flaschen Bier und bei Frauen bei mehr als einer Flasche Bier - allerdings bei zwei abstinenten Tagen - eine Grenze überschritten sei. "Es handelt sich dabei nur um ganz grobe Richtwerte", warnte Clemens-Marinschek. Wichtig sei es, sich selbst ehrlich mit seinem Alkoholkonsum auseinanderzusetzen. "Genauso wichtig ist es, dass Familienangehörige oder Arbeitskollegen hinsehen und reagieren", so Clemens-Marinschek. Der Appell von Prettner, Drobesch, Clemens-Marinschek lautete daher: "Ignorieren wir nichts, verschweigen wir nichts, sondern handeln wir im Fall des Falles - denn es gibt Hilfe."

Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Böhm
17. Mai 2019
Nr. 527, 3750 Zeichen
Fotohinweis: Büro LHStv.in Prettner