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Kärnten startet zweite Phase der Großoffensive Kinderschutz

26.06.2019
LHStv.in Prettner: Zahl der gemeldeten Verdachtsfälle von Kindeswohlgefährdung hat sich dank Sensibilisierungsmaßnahmen seit 2014 verdreifacht - Vernachlässigung aus Überforderung steigt - Offensivprogramm für Ärzte


Klagenfurt (LPD). "Kinderschutz ist kein Problem der ‚anderen‘ - er ist eine Herausforderung für uns alle. Auch wenn der Großteil der Kärntner Kinder in einem geschützten Umfeld lebt, benötigt doch ein Teil der Kinder die Unterstützung der Gesellschaft und der Kinder- und Jugendhilfe", betonte heute, Mittwoch, Sozialreferentin LHStv.in Beate Prettner im Rahmen einer Pressekonferenz. Bereits 2017 wurde von ihr die "Strategie Kinderschutz" in einem Offensivprogramm zum Schwerpunkt der Kärntner Kinder- und Jugendhilfe erklärt. "Ziel war es, unser Hilfsnetz noch enger schnüren zu können. Denn jede Kindeswohlgefährdung ist eine zu viel."

Eine erste Zwischenbilanz macht nun deutlich: Die gemeldeten Verdachtsfälle steigen - "sprich die Sensibilisierungsmaßnahmen greifen". Einzig in einem Bereich, nämlich bei den Ärzten, haben sich die Meldungen nicht verändert und stagnieren bei nur einem Prozent der Verdachtsfälle. "Aus diesem Grund wird nun gemeinsam mit der Ärztekammer Kärnten und mit großem Engagement von Präsidentin Petra Preiss ein Maßnahmenpaket umgesetzt", so Prettner. Ein Paket, das Folgendes beinhaltet: Sensibilisierungskampagne; Folder für Leitlinien unter dem Motto "Helfen zum Helfen"; Fortbildungen auf unterschiedlichsten Ebenen.

"Die erste Fortbildungsveranstaltung ging bereits gestern Abend in Feldkirchen über die Bühne; diese Veranstaltungen bringen den Ärzten im Übrigen auch Punkte für ihre Weiterbildungsverpflichtungen. "In der klassischen Medizinerausbildung kommt der Kinderschutz nicht vor. Das ist ein Manko. Von mir gibt es deshalb für diese Offensive seitens des Landes volle Unterstützung. Es ist wichtig, den Ärzten Instrumentarien mitzugeben, damit sie spezielle Dinge sehen und dementsprechend handeln können", betonte Ärztekammerpräsidentin Preiss.

Wie der Leiter der Kinderschutzfachstelle im Land Kärnten, Raphael Schmid, ausführte, steigt die Zahl von Gefährdungsmeldungen an - konkret von 2014 auf 2018 von 1.118 auf 2.995. "Allerdings verlangt nicht jeder Fall eine nachfolgende Maßnahme", so Schmid. Gestiegen sei aber jedenfalls die Zahl von überforderten Eltern: "Es geht dabei nicht um eine böswillige Vernachlässigung der Kinder, sondern um eine Vernachlässigung aus Überlastung. Auch hier können wir ganz gezielt und quasi präventiv helfen, um schwerwiegendere Fälle zu verhindern", erklärte Schmid.

Laut Prettner sei genau das der Bereich, wo Verdachtsmeldungen enorm viel bewirken: "Kein betroffener Elternteil würde von sich aus um Hilfe schreien; durch die Meldungen aber müssen wir Nachschau halten und können in der Folge ganz gezielt helfen." So verzeichnen die so genannten sozialen Hilfestellungen seit dem Jahr 2015 einen Anstieg auf 1.305 Fälle, was einem Plus von 25 Prozent entspricht. Sogar verdoppelt hat sich der Bereich der Familienintensivbetreuung (Unterstützung der Erziehung): Im Jahr 2018 wurde in 3.058 Fällen agiert.

"Kärnten ist im Kinderschutz Vorreiter: So sind wir das einzige Bundesland mit einer eigenen Kinderschutzfachstelle. Diese Fachstelle hat mit Ende Mai eine zusätzliche Mitarbeiterin bekommen; bis Jahresende werden zwei weitere Mitarbeiter aufgenommen, die Objektivierungsverfahren laufen bereits", erklärte Prettner. Notwendig sei die Aufstockung, weil bereits weitere "große Brocken" in Planung seien: "Abgesehen von der Kooperation im ärztlichen Bereich wird ab Herbst der gesamte elementarpädagogische Bereich in einer Schwerpunktaktion fortgebildet", erklärte Prettner. Ende des Jahres werde dann eine Öffentlichkeitskampagne zu "30 Jahre Verbot von Gewalt in der Erziehung" starten. "Und spätestens mit Jahresbeginn 2020 gehen wir daran, regionale Kinderschutzgruppen aufzubauen", kündigte die Sozialreferentin die größten Vorhaben für die kommenden Monate an.



Rückfragehinweis: Büro LHstv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Zeitlinger
Fotohinweis: Büro LHStv.in Prettner