News

POLITIK

Regierungssitzung 3 - Wichtige Projekte im Bereich der Wasserwirtschaft

16.07.2019
LR Fellner: Mittel für Wildbach- und Lawinenverbauungsmaßnahmen beschlossen - Musternotfallpläne für Seedruckleitungen - Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur Absicherung der Wasserversorgung im Zentralraum Kärnten


Klagenfurt (LPD). "Insgesamt haben wir in der Regierungssitzung mehr als 1,8 Millionen Euro an Landesmitteln für drei wichtige Wildbach- und Lawinenverbauungsmaßnehmen (WLV) beschlossen, die Kärnten erneut ein Stück sicherer machen", sagte Wasserwirtschaftsreferent Landesrat Daniel Fellner heute, Dienstag, beim Pressefoyer nach der Regierungssitzung. Betroffen sind Verbauungsmaßnahmen am Trefflingerbach in der Marktgemeinde Seeboden. Zum Schutz der Siedlungsgebiete und der bestehenden Infrastruktur in den Ortschaften Seeboden, Liedweg und Treffling vor Hochwasser und Geschiebeablagerungen, werden bis 2023 insgesamt 2,6 Millionen Euro investiert, der erforderliche Landesmittelzuschuss beträgt 572.000 Euro. Die Realisierung der Verbauungsmaßnahmen am Tauchenbach in der Gemeinde Stall im Mölltal, zum Schutz des Siedlungsraumes im Ortsteil Latzendorf sowie der angrenzenden Verkehrsinfrastruktur der Mölltal Landesstraße vor Murgängen, kostet insgesamt drei Millionen Euro, der Landesmittelanteil beträgt 780.000 Euro. Und für die Umsetzung des Steinschlag-und Lawinenschutz Hindenburghöhe, zum Schutz der nördlichen Siedlungsgebiete der Ortschaft Mallnitz vor Felssturz und Steinschlag sowie beginnender Lawinenprobleme aus dem Projektgebiet, schlägt sich mit mehr als 1,8 Millionen Euro zu Buche, der erforderliche Landeszuschuss beträgt insgesamt 481.000 Euro. Die jeweils erforderlichen Landesmittel kommen aus der Abteilung für Schutzwasserwirtschaft sowie aus der Abteilung für Straßenbau.

Weiters präsentierte Fellner den Bericht über eine Studie zur Risikobewertung von Abwasserdruckleitungen in österreichischen Seen und der darauf aufbauenden Erstellung von Musternotfallplänen für den Betrieb von Abwasserseedruckleitungen. In Kärnten sind im Wörthersee, Ossiacher See, Millstätter See, Weißensee, Faaker See, Keutschacher See, Pressegger See und im Völkermarkter Stausee Abwasserleitungen mit einer Länge von 72,5 Kilometer verlegt. Die Studie hatte das Ziel, auf Basis einer IST-Zustandsbewertung die vorhandenen Risiken festzustellen, anhand von Risikomaßzahlen zu bewerten und Maßnahmen vorzuschlagen, dieses Risiko wesentlich zu reduzieren. Aufbauend auf die Ergebnisse der Studie wurde der Wasserverband Ossiacher See in Form eines Pilotprojektes beauftragt, einen Musternotfallplan zu erstellen, selbiger wurde kürzlich den Betreibern von Seedruckleitungen als Leitfaden für die Erstellung eigener Notfallpläne übergeben.

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Musternotfallplanes sei ein Verständigungsplan, der im Ernstfall dazu dienen soll, das Zusammenspiel aller Organisationseinheiten zu optimieren. Damit werde eine rasche Kommunikation sichergestellt, um das eingetretene Schadensausmaß möglichst gering zu halten. "Mit dem vorliegenden Notfallplan, der eine perfekte Vorlage für alle Betreiber darstellt, wird das Risiko von Seedruckleitungen in den Kärntner Seen noch einmal wesentlich reduziert werden", analysierte Fellner.

Fellner berichtete auch über Ergebnisse der nun vorliegenden Machbarkeitsstudie zur Absicherung der Wasserversorgung im Zentralraum Kärnten. Diese Studie wurde im April 2018 unter finanzieller Beteiligung des Landes Kärnten ausgeschrieben und vergeben. Notwendig gemacht hat diese Studie unter anderem die prognostizierte demographische Entwicklung: So soll der Kärntner Zentralraum bis 2030 um 5,4 Prozent (Klagenfurt Stadt +10,2 Prozent, Villach Stadt +6,2 Prozent, Klagenfurt Land +2,8 Prozent) wachsen. Geographisch umfasste die Studie anfänglich 34 Gemeinden im Kärntner Zentralraum, deren Zahl sich im Zuge der Umsetzung auf 37 erhöhte - vereinfacht dargestellt sind es die drei Bezirksstädte Villach, Feldkirchen und St. Veit sowie die Landeshauptstadt Klagenfurt, mit ihren Umlandgemeinden.

"Ziel dieser Machbarkeitsstudie war es, Aussagen darüber zu treffen, ob es für eine zukunftsorientierte Absicherung der Trinkwasserversorgung notwendig und auch möglich ist, die vier Bezirkshauptstädte im Zentralraum Kärnten, unter Berücksichtigung von maßgebenden Wasserdargeboten außerhalb und innerhalb des Zentralraumes, miteinander - etwa in Form einer Ringleitung - zu verknüpfen", fasste Fellner zusammen. Eine detaillierte Untersuchung der Wasserbilanz des Zentralraumes Kärnten habe ergeben, dass es auch zukünftig einen Trinkwasserüberschuss von rund 257 l/s bzw. 925 m³/h geben wird. Trotzdem könne es bereits bei einem Ausfall einer maßgebenden Wasserressource in einer der Bezirkshauptstädte zu einem überregionalen Wassermangel kommen. "Anders ausgedrückt: Die vorliegende Studie bestätigt die derzeit und auch zukünftig ausreichende Basis-Trinkwasserversorgung aus den vorhandenen und genutzten Dargeboten, zeigt aber deutlich, dass die ‚Ausfallsbedarfsdeckung‘ im Kärntner Zentralraum ohne weitere Maßnahmen nicht gewährleistet ist", verdeutlichte Fellner.

Zu verstehen sei unter einer Ausfallsbedarfsdeckung beispielsweise die Aufrechterhaltung der Trinkwasserversorgung, auch wenn etwa in einer oder mehreren Gemeinden die größte Wasserressource (n-1 Szenario) ausfällt, der Spitzenbedarf langfristig auf Grund von Hitzewellen, bei gleichzeitigem Minimum der Quellschüttung, steigt (Trockenperioden, Dürre), oder wenn wegen eines Krisenszenarios das Strom-und EDV-Netz (Blackout) ausfällt. "Hier ist es Aufgabe der Politik vorausschauend zu planen und handeln", betonte Fellner.

Demnach sei es essentiell wichtig, für regionale und überregionale Krisenfälle weitere Wasserressourcen für die Kärntner Bevölkerung zu sichern. "Hierbei wurde aufgrund der Studienergebnisse klar, dass die Leitungserrichtung zwischen Villach und Klagenfurt oberste Priorität hat", erläuterte Fellner. "Für die Umsetzung einer krisensicheren Trinkwasserversorgung im Zentralraum Kärnten ist es notwendig, dass sich das Land Kärnten geschlossen zu einer nachhaltigen Daseinsvorsorge bekennt. Für die Gewinnung und Verteilung weiterer Wasserressourcen für die Wasserversorgung der Kärntner Bevölkerung ist ein Konsens aller politischen Parteien im Lande unabdingbar", so Fellner.

Die errechneten Kosten belaufen sich dabei für die Ringleitungen auf 51,7 Millionen Euro, die erforderlichen Hochbehälter in Feldkirchen, Villach und Klagenfurt schlagen sich mit 38,3 Millionen Euro zu Buche.


Rückfragehinweis: Büro LR Fellner
Redaktion: Fischer/Sternig