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Suizid: Risikofaktor Alter?

06.09.2019
LHStv.in Beate Prettner: Suizidrisiko ist ab dem 75. Lebensjahr etwa doppelt so hoch wie das der Durchschnittsbevölkerung - Fachtagung "Suizidprävention" widmet sich am 10. September mit Expertenvorträgen dieser brisanten Thematik


Klagenfurt (LPD). In Österreich sterben pro Jahr rund 1250 Menschen durch Suizid. Das sind zweieinhalb Mal so viele wie im Straßenverkehr. Und acht Mal so viele wie durch Drogenkonsum. Zu Suizidversuchen liegen keine verlässlichen Zahlen vor, allerdings gehen internationale Studien davon aus, dass Suizidversuche die Zahl der tatsächlich durch Suizid verstorbenen Personen um das 10- bis 30-Fache übersteigen.

"Die Faktenlage ist alarmierend, Suizid kann nicht ernst genug genommen werden. Doch während über Verkehrssicherheit und Drogen intensiv diskutiert wird, werden psychische Gesundheit und Suizide meistens nur am Rande gestreift", betonte heute, Freitag, Sozial- und Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner.

Anlässlich des Welttages der Suizidprävention am 10. September lädt sie daher - heuer zum 3. Mal in Folge - zur Suizidfachtagung ein: Nach Klagenfurt im Jahr 2017 und Villach im Jahr 2018 findet die Tagung heuer wieder in Klagenfurt statt (Termin: 10. September, 9 Uhr bis 15 Uhr, Konzerthaus Klagenfurt). "Die Fachtagung wird sich dieses Mal insbesondere dem ‚Risikofaktor Alter‘ widmen. Die anteilsmäßig meisten Suizide werden zwar im mittleren Lebensalter - also zwischen 45 und 59 Jahren - begangen, allerdings steigt die bevölkerungsbezogene Suizidrate mit dem Alter massiv an", informierte Prettner. Das Suizidrisiko ist demnach ab dem 75. Lebensjahr etwa doppelt so hoch wie das der Durchschnittsbevölkerung. Ab dem 85. Lebensjahr beträgt der Risikofaktor sogar sechs.

In Kärnten beträgt die Zahl der Suizidtoten bei jährlich rund 110 bis 120. 75 Prozent der Suizide werden von Männern verübt. Die deutliche Männerlastigkeit erklären Experten unter anderem mit der Tatsache, dass Frauen bei Selbstmordversuchen am häufigsten eine Vergiftung durch Medikamente wählen würden. Hier sei die Wahrscheinlichkeit einer Rettung wesentlich höher als bei den "männlichen", aggressiveren Selbstmordarten.

Kärnten hat schon vor Jahren begonnen, ein Bündel an Maßnahmen gegen Depression und Suizid zu schnüren. Zum einen ist dies der Psychiatrieplan 2020, zum anderen das europäische "Bündnis gegen Depression", dem sich Kärnten - nach Tirol und Niederösterreich als drittes Bundesland - angeschlossen hat. Parallel dazu wurde in Kärnten eine Suizidpräventionsstrategie umgesetzt, in deren Agenda auch die Fachtagung am 10. September fällt. Mit Primaria Christa Rados ("Suizidalität bei Demenz"), Primarius Herwig Oberlerchner ("Suizidologie - Daten, Fakten, Emotionen"), Primarius Georg Psota ("Suizidprävention beim älteren Menschen"), Primarius Christian Jagsch ("Risikofaktor Altersdepression"), Dr. Herbert Janig, Primarius Georg Pinter und Dr.in Brigitte Jenull konnten dafür hochkarätige Experten gewonnen werden.

Die Experten sind sich einig: "Die wichtigste und effektivste Kampfmaßnahme zur Suizidprävention ist die Enttabuisierung und dass die Thematik in die Köpfe der Menschen dringt. Es geht darum, psychische Erkrankungen, aber auch Einsamkeit und Ängste zu erkennen. Nur dann können wir darauf reagieren."



Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Zeitlinger