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Welt-Alzheimertag: LHStv.in Prettner fordert umgehend Änderung bei Pflegegeldeinstufung

18.09.2019
LHStv.in Prettner: Jedes Jahr werden Hunderte an Demenz erkrankte Kärntner in eine zu geringe Pflegestufe diagnostiziert - Sie verlieren bis zu 7.296 Euro pro Jahr an Pflegegeld - Fachexperten Freimüller und Verdes gaben Einblick in Diagnostik und Therapiesackgasse


Klagenfurt (LPD). Der Welt-Alzheimertag am 21. September wird heuer das 25. Mal begangen: Weltweit sind etwa 35 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen. In Österreich geht man von rund 130.000, in Kärnten von etwa 10.000 Personen aus. "Unter den derzeitigen demografischen Annahmen wird prognostiziert, dass sich die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen bis zum Jahr 2050 verdoppelt", erklärte heute, Mittwoch, Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner bei einer Pressekonferenz. Tatsächlich spricht man von einer Verdoppelung der Demenzhäufigkeit alle fünf Jahre ab dem 60. Lebensjahr. Zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen.

Wie Prettner informierte, sind in den Kärntner Pflegeheimen 42 Prozent der Bewohner von einer Demenz betroffen. Der Großteil lebt aber zu Hause. "Die Politik setzt zahlreiche und vielfältige Maßnahmen, um das Leben der Betroffenen und der Angehörigen zu verbessern", so Prettner, die exemplarisch drei Projekte hervorstrich: Die seit 1. August flächendeckende Umsetzung der mehrstündigen mobilen Dienste, die pflegende Angehörige für 4, 6, 8 oder 10 Stunden am Stück entlastet und mit nur rund 15 Prozent Selbstbehalt sehr günstig in Anspruch genommen werden kann; die vom Land Kärnten angebotenen Schulungen im Umgang mit an Demenz Erkrankten (richtet sich an alle Unternehmen bzw. Dienstleister wie Friseure, Banken, aber auch an Ehrenamtliche und alle Interessierte); die Pflegenahversorgung, die vor Ort mobile Demenzberatungen koordinieren und organisieren wird.

"Unsere Maßnahmen und Projekte, die Betroffene wie Angehörige unterstützen, folgen dem Sachleistungsprinzip. Das ist das eine. Das andere ist der finanzielle Aspekt. Und hier orte ich aufgrund eines völlig überalterten Kriterienkatalogs zur Pflegegeldeinstufung eine massive Benachteiligung für Demenzpatienten", kritisierte die Gesundheitsreferentin. Ihre Forderung lautet daher: "Umgehende Anpassung der Bewertungskriterien: Der psychiatrischen Beurteilung wird viel zu wenig Augenmerk geschenkt!" Fakt sei, dass alleine in der Arbeiterkammer Kärnten pro Jahr rund 300 bis 320 Verfahren vor Gericht abgewickelt werden, weil sich Betroffene zu gering eingestuft fühlen. Das Ergebnis? "80 Prozent der Fälle werden positiv beurteilt, sprich nach psychiatrischen Beurteilungen wird die Pflegestufe angehoben." Hauptsächlich handle es sich dabei um eine Erhöhung von Pflegestufe 4 auf Stufe 5 oder auf Stufe 6. "Das hat natürlich riesige finanzielle Auswirkungen", so Prettner. "Der Differenzbetrag zwischen Stufe 4 und Stufe 5 beträgt monatlich 243 Euro bzw. 2.916 Euro im Jahr. Der Differenzbetrag zwischen Stufe 4 und Stufe 6 liegt bei 608 Euro pro Monat bzw. bei 7.296 Euro im Jahr. Eine entsprechende Anpassung des Begutachtungsverfahrens ist überfällig - und gerecht. Viel gerechter als jeder so genannte Pflegebonus, der wie ein Almosen vergeben wird", betonte Prettner.

Primarius Manfred Freimüller und Oberarzt Dan Verdes von der Gedächtnisambulanz am Klinikum Klagenfurt gaben Einblick in medizinische Forschung ebenso wie in die gelebte Diagnose-Praxis: Wie Primarius Freimüller erklärte, befinde man sich in der Therapieforschung leider in einer Sackgasse. "Lange Zeit hat man große Hoffnung in die Antikörper-Therapie gesetzt. Diese hat sich jetzt als nicht zielführend herausgestellt." Die Diagnose selbst werde, so Freimüller, beim Hausarzt als erste Instanz gestellt. "In den vergangenen Jahren war zu beobachten, dass die ambulanten Diagnosen zunehmen, während die stationären Aufnahmen für eine Diagnose abnehmen", betonte Freimüller. Laut Dan Verdes gehe es bei Demenz nicht um eine einmalige Diagnostik, vielmehr "muss die Diagnostik im Verlauf einer Zeitspanne erfolgen; nach der ersten Testung erfolgt eine zweite sechs Monate später, danach geht es im Jahrestakt weiter."

Angesprochen auf die ersten Symptome einer Demenzerkrankung, hob Dan Verdes folgende Möglichkeiten hervor: plötzlicher Orientierungsverlust in einer gewohnten Umgebung; plötzliche Schwierigkeiten beim Umgang mit Geld; "oder man geht zum Einkaufen und kommt mit völlig anderen Produkten als benötigt nach Hause", schilderte Verdes einige Beispiele.



Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Stirn
Fotohinweis: Büro LHStv.in Prettner