Presseaussendungen

KULTUR

"In memoriam - Johann Kresnik"

06.10.2019
LH Kaiser eröffnete Ausstellung im Werner Berg Museum - Stimmige Gedenkfeier mit Freund und Weggefährten Gottfried Helnwein


Klagenfurt (LPD). "Man konnte sich nicht vorstellen, dass Johann Kresnik nicht mehr ist." Worte von Gottfried Helnwein, einem sehr engen Freund des außergewöhnlichen Kärntner Universal-Künstlers, die treffender nicht sein könnten. Gesprochen in Bleiburg, der Heimat von Johann Kresnik, im Rahmen einer großen Gedenkveranstaltung, wo gestern, Samstag, dem Pionier des deutschen Tanztheaters, der im Juli dieses Jahres überraschend verstorben ist, sehr berührend und stimmungsvoll gedacht wurde. Kulturreferent Landeshauptmann Peter Kaiser eröffnete im Werner Berg Museum die Ausstellung "In memoriam-Johann Kresnik", in der auch ein Kurzfilm von Lisa Huber, die Johann Kresnik 2017 in seinem Heimatort St. Margarethen bei Bleiburg ungemein beeindruckend portraitierte, präsentiert wurde. Gezeigt werden zahlreiche Zeichnungen und choreographische Skizzen sowie eine Dokumentation des 2009 in Bleiburg uraufgeführten Kresnik-Stückes "Jura-Soyfer - Auf uns kommt es an".

"Ich danke allen Verantwortlichen für die Initiative diese Gedenkveranstaltung im Rahmen der Langen Nacht der Museen durchzuführen", sagte der Landeshauptmann. Johann Kresnik sei nicht nur Tänzer, Choreograf und Theaterregisseur sondern auch ein exzellenter Gesprächspartner gewesen. "Er hat immer behauptet, dass Kunst auch politisch sein muss, solange es auf der einen Seite Herren und auf der anderen Seite Sklaven gibt."

Sein künstlerisches Interesse habe immer Menschen am Rand der Gesellschaft oder ungewöhnlichen Charakteren gegolten. "In seinen getanzten Biografien von Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin, Rosa Luxemburg, Ernst Jünger, Hannelore Kohl, Frida Kahlo, Brecht, Picasso oder Pasolini ging es stets um Gesellschaftskritik." Kresniks Tanzästhetik sei durch Provokation und ein Aufbrechen bekannter Muster gekennzeichnet gewesen. Seine etwa hundert Tanz- und Theaterwerke hätten oft Skandale hervorgerufen, weil er grausame Bilder jenseits aller herkömmlichen Ballettästhetik geschaffen habe. "Sie dienten dazu, seine politischen und gesellschaftskritischen Botschaften mit Vehemenz auf die Bühne zu bringen." Zum Theater habe Kresnik gesagt, dass es aggressiver werden müsse, um neue Rollen und Bilder zu schaffen und um die Menschen wieder neugierig zu machen.

Der Landeshauptmann betonte, dass er sich freue, dass Gottfried Helnwein dem großen Kärntner Künstler die Ehre erweise. "Kärnten wird Johann Kresnik immer im Gedächtnis behalten und als letzte Referenzerweisung des Landes bei der 100-Jahr-Feier zur Kärntner Volksabstimmung ein choreographisches Werk in Gedanken an Johann Kresnik aufführen."

Bürgermeister Stefan Visotschnig freute sich, dass so viele Freunde und Wegbegleiter des großen Bleiburgers an dieser Gedenkveranstaltung teilnehmen. "Es zeigt, wie bekannt und beliebt Johann Kresnik gewesen ist."

Museumsleiter Arthur Ottowitz und der künstlerische Leiter und Kurator Harald Scheicher berichteten, dass diese Ausstellung eigentlich zum 80. Geburtstag von Johann Kresnik geplant gewesen sei. Mit 80 Exponaten soll sie das zeichnerische Schaffen würdigen, denn Johann Kresnik habe immer und überall gezeichnet. Alle Werke seien aus dem Privatbesitz von seinen Freunden zur Verfügung gestellt worden. "Ohne Johann Kresnik wäre es nie möglich gewesen, dass ihr Bleiburg gefunden hättet", sagte Ottowitz zu Helnwein und seiner Frau Renate.

"Würde Papa es wollen, dass wir hier in Trauer stehen? Lasst uns doch gemeinsam eine der vielen tollen Eigenschaften von Papa annehmen und zwar seinen äußerst radikalen aber lustigen Humor. Ich fordere sie auf, einfach glücklich zu sein und zu versuchen, ihre innere Trauer zu vergessen. Das heißt aber definitiv nicht, Papa zu vergessen. Wir tun das, was er gewollt hätte, wir sind für ihn da - auch wenn er schon gegangen ist." Das waren die Worte von Tochter Tasja in Gedenken an ihren Vater.

Als langjähriger künstlerischer Wegbegleiter und Freund von Johann Kresnik fand Gottfried Helnwein sehr berührende Worte. "Ich habe nichts vorbereitet und halte auch keine Rede - ich glaube das wäre Hans nicht Recht gewesen. Was ihm am meisten bedeutet hätte ist, dass so viele Freunde hier sind." Helnwein erinnerte an die Anfänge seiner Freundschaft mit Johann Kresnik und beschrieb ihn als eindrucksvollen und beeindruckenden Menschen. "Die Zusammenarbeit mit ihm war wirklich ein Erweckungserlebnis, weil ich das erste Mal gesehen habe, was Tanz eigentlich kann. Er hat das Tanztheater revolutioniert. Hans konnte mit einer Gruppe von Leuten von der Straße innerhalb von 15 Minuten eine unglaubliche Choreografie machen. Er konnte Körper bewegen, das war unfassbar. Er konnte aus Leuten Dinge herausholen, von denen sie gar nicht wussten, dass sie dazu fähig waren. Hans war ein unglaubliches Genie, weil er immer genau wusste, was er wollte. Er hat nie gezweifelt, hat nie gesucht, hat nie probiert, er stand da und hat einfach intuitiv genau gewusst, was er machen muss. Hans hat sich nie angepasst und ein künstlerisches Erbe hinterlassen, er hat viele Künstler beeinflusst und geformt und seine Saat in sie gelegt. Sein Werk und sein Andenken werden weiterleben."

Die musikalische Umrahmung übernahmen Janez Gregorič und Arthur Ottowitz. Unter den vielen Gästen waren auch der zweite Landtagspräsident Jakob Strauß und Kulturabteilungsleiter Igor Pucker.

Johann Kresnik (geboren am 12. Dezember 1939 in St. Margarethen bei Bleiburg, gestorben am 27. Juli 2019 in Klagenfurt) war ein österreichischer Tänzer, Choreograf und Theaterregisseur. Er war einer der Pioniere des deutschen Tanztheaters. Seine Stücke, die er "choreografisches Theater" nannte, waren durchgängig auf Provokation und die Sprengung tanzüblicher Ästhetik angelegt.

Kresnik begann seine Karriere als Tänzer in Graz und Köln, bevor er ab 1967 erste eigene Stücke choreografierte. In den 1980er begann Kresniks internationale Karriere, die ihn in den folgenden Jahrzehnten zu fast allen kulturellen Zentren der Welt führte. Er war Ballettdirektor in Bremen und Heidelberg, 1994 wechselte er an die Volksbühne Berlin und ab 2003 leitete er das Choreografische Theaters in Bonn. In Wien hatte noch Anfang Juli die Neueinstudierung seines Balletts "Macbeth" von 1988 das Festival ImpulsTanz eröffnet.
Besonders viel Aufsehen erregte Kresnik 2004 mit "Die Zehn Gebote". In einer Bremer Kirche traten dabei sechs nackte Frauen auf, Kresnik arbeitete sich in dem Stück an den Sünden der modernen Gesellschaft wie Korruption, Kinderarbeit und Krieg ab. "Theater muss aggressiv werden, neue Formen und Bilder schaffen, um den Zuschauer wieder neugierig zu machen", erklärte Kresnik einmal sein drastisches Werk.

Im direkten Anschluss an die Ausstellungseröffnung fand in Zusammenarbeit mit dem CCB - Center for Choreography im Kulturni Dom Bleiburg/Pliberk die offizielle Gedenkfeier mit einer Tanzperformance von Ismael Ivo, sowie Beiträgen u.a. von Anna Hein, Christoph Klimke, Zdravko Haderlap, MoPZ Foltej Hartman, Thomas Nečemer sowie ImpulsTanz Festival Wien statt.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Ulli Sternig
Fotohinweis: LPD Kärnten/Peter Just


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