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Regierungssitzung 3: Land reaktiviert Opferschutzkommission im "Fall Wurst"

21.10.2019
LHStv.in Beate Prettner: Schätzungen gehen von weiteren 150 Personen aus, denen rund um den "Fall Wurst" eine Entschädigung zusteht - Opferschutzkommission wird daher wiedereingesetzt und Fonds mit 1,54 Millionen Euro dotiert


Klagenfurt (LPD). Anfang der 2000er Jahre hat der "Fall Dr. Franz Wurst" weit über die Grenzen Kärntens für Entsetzen gesorgt: Der Primar der heilpädagogischen Abteilung des Landeskrankenhauses Klagenfurt wurde wegen sexueller Nötigung zahlreicher minderjähriger Patienten verurteilt. Das Land Kärnten hat 2013 eine unabhängige Opferschutzkommission eingerichtet, um Betroffenen die Möglichkeit zu geben, eine Entschädigungszahlung vom Land Kärnten für erlittenes Unrecht in einer Einrichtung des Landes zu erhalten. Insgesamt wurden vom Land rund 1,35 Millionen Euro an Entschädigungssummen ausbezahlt.

"Nach Schließung der Opferschutzkommission wurde im Jahr 2017 die Kinder- und Jugendanwaltschaft mit der Weiterführung der Geschäfte der Opferschutzstelle betraut", informierte heute, Montag, Sozialreferentin Beate Prettner. Die Hauptaufgaben dieser Opferschutzstelle bestünden insbesondere in der Unterstützung von Personen, die Heim- oder Krankenakten aus ihrer Kindheit suchen, um Unterbringungen auf der ehemaligen heilpädagogischen Abteilung des LKH Klagenfurt oder im ehemaligen Landesjugendheim Görtschach bzw. ihre Unterbringung bei einer Pflegefamilie durch die Jugendwohlfahrt belegen und beweisen zu können. Außerdem werden sie bei Anträgen nach dem Heimopferrentengesetz unterstützt und die Übernahme von Psychotherapiekosten durch das Land Kärnten koordiniert und abgerechnet. "Mittlerweile haben sich mehr als 120 Personen bei der Opferschutzstelle gemeldet, um eines dieser Unterstützungsangebote in Anspruch zu nehmen", erklärte Prettner. Sie brachte daher in der heutigen Regierungssitzung den Antrag ein, die unabhängige Opferschutzkommission wieder zu reaktivieren.

Laut Prettner sei nach vorsichtigen Schätzungen davon auszugehen, dass noch mindestens 140 Personen finanzielle Ansprüche an das Land Kärnten stellen könnten, weil ihnen in ihrer Kindheit bzw. Jugend Gewalt in Einrichtungen des Landes Kärntens (Jugendwohlfahrt; Heilpädagogische Abteilung des Landeskrankenhauses Klagenfurt, Pflegefamilien) zugefügt worden sei. "Dazu kommt, das im Jänner 2020 die von mir beauftragte Aufarbeitungsstudie abgeschlossen sein und präsentiert wird: Im Zuge dessen wird sich das Land Kärnten in einem offiziellen Akt zu dem passierten Unrecht bekennen und dafür die Verantwortung übernehmen. Es ist davon auszugehen, dass sich aufgrund dieses Landesaktes noch weitere Betroffene melden werden", so Prettner.

Vorgesehen sei nunmehr, den Betroffenen nach den sogenannten Klasnic-Richtlinien eine Entschädigung von je bis zu 25.000 Euro zukommen zu lassen. "Bei angenommenen 150 Betroffenen und einem durchschnittlichen Entschädigungsbetrag von rund 10.000 Euro je Betroffenem sind inklusive zu berücksichtigender Clearingkosten zusätzliche 1,54 Millionen Euro für die Entschädigung sämtlicher prognostizierter Fälle zu veranschlagen", sagte die Sozialreferentin.



Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Pretter
Redaktion: Grabner/Robitsch