Presseaussendungen

LOKAL

20 Jahre Gewaltschutzzentrum Kärnten

14.11.2019
LH Kaiser eröffnete Fachtagung „Ein Ziel und viele Wege“ – Wichtige und unerlässliche Einrichtung für Menschen, die Schutz vor Gewalt brauchen - 13.390 Gewaltopfer wurden in 20 Jahren beraten


Klagenfurt (LPD). Im Spiegelsaal des Amtes der Kärntner Landesregierung fand heute, Donnerstag, die Fachtagung „Ein Ziel und viele Wege - 20 Jahre Gewaltschutzzentrum Kärnten“ statt. Eröffnet wurde sie von Landeshauptmann Peter Kaiser.

Er erinnerte in seinem Eingangsstatement daran, dass Österreich bereits vor 30 Jahren das vierte Land weltweit gewesen sei, das ein Gewaltverbot in der Erziehung gesetzlich festgeschrieben habe. Dass zehn Jahre später, 1999, das Gewaltschutzzentrum Kärnten eröffnet wurde, sei ebenfalls ein wichtiger Schritt für jene Menschen, insbesondere für Frauen, gewesen, die Schutz brauchen. „Die Gewalt ist noch immer allgegenwärtig und sie findet mittlerweile auch in den Sozialen Medien statt. Trotz vermehrter Beratung und Unterstützung brauche wir solche Einrichtungen“, stellte Kaiser fest und dankte dem Team des Gewaltschutzzentrums Kärnten für seine engagierte Arbeit.

Der Landeshauptmann blickte auch zurück in die Zeit, als er Frauenreferent war. „Ich habe viel mitbekommen, wie Gewalt, vor allem gegenüber Frauen ausgeübt wird. Sie wird mitten unter uns, in unserer zivilisierten Gesellschaft oft unterschwellig, verbal, dann zuschlagend und misshandelnd ausgeübt“, so Kaiser. Da noch immer viele Leute zu dem Thema nicht Stellung beziehen würden oder auch nicht wollen, sei es wichtig und unerlässlich, den Gewalttätern die Stirn zu bieten. „Gewalt ist zu ächten. Der Kampf gegen sie, auch im Inneren jedes Menschen, ist ein Auftrag an uns alle und eine Verpflichtung. Wir sollten nie müde werden, dieser Verpflichtung nachzukommen“, fand er klare Worte.

Roswitha Bucher, Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums Kärnten, wartete mit Zahlen aus 20 Jahren Gewaltschutzarbeit auf. 13.390 Klienten wurden von ihrem Team betreut. Es gab 5.000 Misshandlungen mit zum Teil schweren Körperverletzungen, 2.000 Morddrohungen, 20 Mordversuche, 14 Morde bzw. Misshandlungen mit Todesfolge, 300 Vergewaltigungen und 200 Fälle von sexuellem Missbrauch. Seitens der Polizei wurden 6.568 Betretungsverbote ausgesprochen und es gab 591 Stalking-Anzeigen. „Hinter all diesen Zahlen stehen Menschen mit Ängsten und einer Lebensgeschichte. Sie haben auch den Mut gehabt, aus ihrer Gewaltbeziehung auszusteigen“, so Bucher. Für ihr Team gab es von ihr viel Lob. „Es steht zu 100 Prozent hinter dem Zentrum und seiner Arbeit“.

Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß sprach von einer gelebten, konstruktiven und professionellen Kooperation ohne Grenzen seitens der Polizei mit dem Gewaltschutzzentrum Kärnten. „Die ursprünglichen Ängste und die Skepsis sind verschwunden. Wir haben viel miteinander gestaltet“, betonte Kohlweiß.

Landesgerichtspräsident Bernd Lutschounig hob ebenfalls die professionelle Zusammenarbeit mit dem Gewaltschutzzentrum und der Polizei hervor. „Sie hat sich gut entwickelt. Im Strafverfahren trat ein Perspektivenwechsel ein und der Opferschutz hat sich sukzessive legistisch entwickelt“, hob er hervor.

Im Rahmen der ganztägigen Tagung kommen sechs renommierte Referenten zu Wort. Univ. Prof Reinhard Haller, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapeut und Chefarzt des Krankenhauses Maria Ebene (Vorarlberg), spricht über „Die destruktive Energie der Kränkung und ihre Rolle bei Beziehungsdelikten“.

Sylvia Winterberger, Fachärztin für Psychiatrie und Leiterin des Zentrums für angewandte Psychotraumatologie in Wien, beleuchtet das Thema „Partnergewalt wirkt. Der erschwerte Weg von Kindern die Gewalt miterleben“.

Rosa Logar, Geschäftsführerin der Interventionsstelle Wien und Expertin im Europarat für den Bereich Istanbul Konvention, referiert über „Häusliche Gewalt an Frauen aus internationaler Perspektive“.

Harald Schickedanz, Facharzt für Innere und Psychotherapeutische Medizin und Leiter der Klinik Hüttenbühl (Deutschland), Baden-Württemberg), thematisiert „Neurobiologische Verarbeitung von traumatischen Erleben - Auswirkungen auf das Strafverfahren“.

Univ. Prof Stephan Sting, Sozial- und Integrationspädagoge an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, spricht zum Thema „KlientenInnenbefragung des Gewaltschutzzentrums Kärnten“.

Chefinspektorin Daniela Hauser (Bundesministerium für Inneres, Referatsleiterin für qualifizierten Opferschutz) setzt sich mit dem Thema „Qualifizierter Opferschutz – Umgang mit Hochrisikofällen“ auseinander.

Moderiert wird die Fachtagung von Birgit Rumpf-Pukelsheim (ORF Kärnten).

I N F O: www.gsz-ktn.at


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Michael Zeitlinger
Fotohinweis: LPD Kärnten/fritz-press


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