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POLITIK

Erfolg vorprogrammiert

29.11.2019
LHStv.in Schaunig: Territorialer Beschäftigungspakt ist Schulterschluss für mehr Chancen am Arbeitsmarkt – Junge Menschen berichten über Hürden auf Weg in den Beruf und ihre Erfolge


Klagenfurt (LPD). „Mit meinem ersten Lehrbetrieb in der Gastronomie hat es einfach nicht so richtig geklappt. Ich war mir dann gar nicht mehr sicher, ob ich überhaupt geeignet bin für diesen einen Beruf“, erzählt Tatiana Huttmann. Über das AMS kam die 15-jährige Völkermarkterin nach ihrer abgebrochenen Lehre zu „Jugend am Werk“, wo sie erkannte, dass die Selbstzweifel nicht berechtigt waren – für die Arbeit im Service hat sie großes Talent, der Umgang mit Gästen liegt ihr. Nun sucht sie mit Hilfe ihrer Betreuer einen neuen Ausbildungsplatz, der gut zu ihr passt.

Huttmann eine von rund 500 jungen Frauen und Männern, die von „Jugend am Werk“ Jahr für Jahr in Kärnten betreut werden. So wie Ahmad Haj Ibesh. Der gelernte Schneider kam vor dreieinhalb Jahren aus Syrien nach Kärnten und möchte sich mit seinem Handwerk selbständig machen. Bei Jugend am Werk erhält der 25-Jährige Unterstützung auf dem Weg zu österreichischen Meisterprüfung. „Ein Kleingewerbe habe ich schon, ich nähe Taschen und Rucksäcke. Aber ich brauche hier eine Arbeits- und Ausbildungsstelle, um es zum Meister zu schaffen“, berichtet Ibesh in perfektem Deutsch.

Die Qualifizierung und Integration von Jugendlichen am Arbeitsmarkt ist einer der Schwerpunkte des Territorialen Beschäftigungspakts (TEP). Der TEP bündelt die Maßnahmen zur Eindämmung von Arbeitslosigkeit in Kärnten und ist die operative Umsetzung der strategischen Vereinbarungen von Land, AMS und Sozialpartnern. 2020 ist der TEP mit insgesamt 41,9 Millionen Euro dotiert. Davon stellt das AMS rund 24,3 Mio. Euro bereit, das Land Kärnten 8,5 Mio. Euro. Die weiteren Mittel kommen aus dem Europäischen Sozialfonds, von Sozialpartnern, Gemeinden, Betrieben und sind Eigenerwirtschaftungen. Präsentiert wurden die Eckpunkte des TEP heute bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Land Kärnten, AMS Kärnten bei „Jugend am Werk“ in Klagenfurt.

Eine zentrale Rolle spielt in der Arbeitsmarktpolitik die Jugend: „Es ist von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung, junge Menschen zu unterstützen, damit sie den Eintritt in die Berufswelt erfolgreich schaffen“, betonte Arbeitsmarktreferentin LHStv.in Gaby Schaunig, und weiter: „Wir müssen den jungen Menschen ganz klar signalisieren: Wir brauchen euch.“ Entsprechend hoch ist der Mitteleinsatz für diese Gruppe: Rund 36 Prozent der gesamten TEP-Mittel werden für Maßnahmen für Jugendliche aufgewendet.

AMS-Landesgeschäftsführer Peter Wedenig berichtete: „Die Jugendarbeitslosigkeit hat in den vergangenen Jahren in Kärnten stark abgenommen. Das ist auf die gute Konjunkturentwicklung zurückzuführen, aber auch auf die Maßnahmen, die wir speziell für diese Gruppe gesetzt haben und weiter setzen werden, wie Zielgruppenstiftung, Lehrausbildungen oder Jugend am Werk.“

Besonders im Fokus stehen darüber hinaus Arbeitsuchende über 50 Jahre: „Im Rahmen des TEP schaffen wir für die sogenannte Gruppe 50+ Beschäftigungschancen am 2. Arbeitsmarkt mit dem Ziel, dass diese Personen durch Stabilisierung und Qualifizierung wieder am Regelarbeitsmarkt Fuß fassen können“, sagte Wedenig. „Nach wie vor haben Menschen, die nicht hundertprozentig gesund sind, nicht die richtige Ausbildung mitbringen oder das passende Geburtsjahr vorweisen, schlechte Karten bei der Jobsuche“, ergänzte Schaunig. Über den TEP wird direkt in den Kärntner Arbeitsmarkt investiert. „Das ist eine ungemein wichtige Investition, denn hier erreicht wirklich jeder Euro die Menschen ganz direkt“, so Schaunig.

Rund 4.300 Menschen sollen davon profitieren. Die Schwerpunkte liegen in der Beschäftigung und Qualifizierung von am Arbeitsmarkt besonders benachteiligten Personengruppen. Sehr oft sind das Menschen mit gleich mehrfachen Vermittlungshemmnissen, z.B. gesundheitlichen Problemen und Beeinträchtigungen, Alter, Langzeitarbeitslosigkeit.

Mehrfache Vermittlungshemmnisse haben oftmals auch die Klientinnen und Klienten von „Jugend am Werk“ (JaW). Die Organisation setzt sich für die berufliche und soziale Integration von jungen Menschen (bis 25 Jahre) ohne Ausbildungsplatz ein. Zielgruppe sind Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher, junge Menschen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, mit Migrationshintergrund oder psychosozialen Problemen. Pro Jahr betreuen 23 JaW-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter rund 500 Jugendliche an drei Standorten (Klagenfurt, Villach, Wolfsberg) und unterstützen sie dabei, einen Ausbildungsplatz oder Job zu finden.

Durch Tätigkeiten in den JaW-Werkstätten sammeln die Jugendlichen Praxiserfahrungen in den Bereichen Gastronomie & Catering, Kreativ-Design, Technik & Handwerk. Auch Berufsorientierung, Bewerbungstraining, Job-Finding, organisierte Betriebspraktika und Lern-Coachings stehen am Programm. Die Vermittlungsquote beträgt rund 60 Prozent.

„2020 legen wir den Fokus besonders auf die Digitalisierung; es profitieren nämlich nicht alle Jugendlichen gleichermaßen von den Digitalisierungsveränderungen des 21. Jahrhunderts“, schilderte Elisabeth Niederer, Geschäftsführerin von Jugend am Werk. „Wir wollen der digitalen – und der damit verbundenen sozialen – Ungleichheit entgegenwirken und Möglichkeiten der digitalen Inklusion von benachteiligten jungen Menschen schaffen.“ Es gehe darum, Informationen für alle Jugendlichen zugänglich zu machen, Medienkompetenz zu vermittelt und eine strukturierte Selektion und Verarbeitung von Informationen zu fördern.

Im Rahmen des TEP gibt es noch einen weiteren Schwerpunkt speziell für Jugendliche: den Bereich der Berufs- und Bildungsorientierung, als ergänzendes Element zu den BerufsInfoZentren (BIZ) des AMS. Hier geht es zentral darum, die Verbindung zwischen Schule – Wirtschaft & Unternehmen – Elternhaus & Schülern zu forcieren.



Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Schaunig
Redaktion: Matticka/Böhm
Fotohinweis: Büro LHStv.in Schaunig