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Menschen mit Behinderung: Kärntner Gesamtplanung für 265 neue Wohn- und 181 zusätzliche Beschäftigungsplätze

02.12.2019
LHStv.in Prettner bringt bei morgiger Regierungssitzung Gesamtplan ein: 32 Wohnprojekte und 14 Beschäftigungsprojekte werden in allen Kärntner Bezirken bis 2023 realisiert


Klagenfurt (LPD). Seit 1993 wird der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember begangen. „Es ist mir eine Freude, genau am morgigen Welttag die Gesamtplanung für Wohn- und Beschäftigungsprojekte für Menschen mit Behinderung bis zum Jahr 2023 in der Regierungssitzung vorzulegen“, informiert heute, Montag, Sozialreferentin LHStv.in Beate Prettner. Gerade in Kärnten steige der Bedarf an Wohn- und Beschäftigungsmöglichkeiten deutlich. Warum? „Zum einen trifft die demografische Entwicklung das Behindertenwesen überdurchschnittlich. Dazu kommt, dass Eltern, die zu Hause ihre beeinträchtigten Angehörigen betreuen und pflegen, jetzt selbst in die Altersgruppe 70 plus kommen. Mit zunehmendem Alter wird es für sie immer schwieriger, die Betreuung zu übernehmen“, weist Prettner auf eine prekäre Situation hin.

„Abgesehen von der demografischen Entwicklung ist zum anderen ein deutlicher Anstieg von jungen Menschen mit Mehrfachdiagnosen zu registrieren. Dabei handelt es sich um junge Menschen mit einer geistigen Behinderung, die aufgrund einer zusätzlichen psychiatrischen Erkrankung oder extremen Verhaltensauffälligkeiten in ihrem derzeitigen Lebensumfeld nicht adäquat betreut werden können“, informiert Prettner. Zudem würde auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Autismusdiagnosen stetig wachsen.

Daraus ergibt sich in Summe ein prognostizierter Mehrbedarf bis zum Jahr 2023 von 265 Wohnplätzen und 181 Werkstättenplätzen. „Die von mir vorgelegte Gesamtplanung schlüsselt diese 265 Wohn- und 181 Werkstättenplätze im Detail auf. Der Großteil wird bis spätestens erstes Halbjahr 2022 umgesetzt sein“, sagt die Sozialreferentin.

Die 265 Wohnplätze werden in 32 Projekten quer durch alle Bezirke Kärntens realisiert: Bei diesen Projekten sei besonders darauf geachtet worden, bestehende bauliche und organisatorische Strukturen zu verwerten, Synergieeffekte mit bestehenden Einrichtungen zu nutzen und sich in geplante Projekte des gemeinnützigen Wohnbaus einzubringen. „Außerdem haben wir darauf geschaut, so genannte ELER-Mittel abzuholen, das sind EU-Förderungen für soziale Projekte im ländlichen Raum“, betont die Sozialreferentin. Bereits im Mai wurden ELER-Projekte mit einem Gesamtvolumen von 6,6 Millionen Euro ausgeschrieben. „Weitere werden laufend folgen“, so Prettner. Konkret werden von den 265 neuen Wohnplätzen 134 von der Abteilung 4 – Soziale Sicherheit mit freien Trägern der Wohlfahrt umgesetzt, die restlichen 131 in Form von speziellen Projekten oder im Rahmen von wohnbaugeförderten Projekten in Zusammenarbeit mit der Abteilung 11 – Zukunftsentwicklung, Arbeitsmarkt und Wohnbau.

Bei den 181 Beschäftigungsplätzen (23 davon als spezielles Projekt der AHA-Gruppe in Villach) handelt es sich um 14 Projekte unterschiedlicher Beschäftigungsformen – „wie beispielsweise Beschäftigungswerkstätten, Tagesstätten oder Arbeitsplätze im Rahmen des Chancenforums“, erklärt Prettner.

Wie die Sozialreferentin betont, sei Kärnten in der Inklusion auf einem sehr herzeigbaren Weg. „Wir erhalten immer wieder Anfragen aus anderen Bundesländern, die sich über unsere best-practice-Beispiele vor Ort ein Bild machen möchten“, sagt Prettner. Allerdings ist ihr auch bewusst: „Die mehr als erfreuliche Bilanz darf nicht über jene Herausforderungen hinwegtäuschen, die es noch zu bewältigen gilt.“ Mit 45 Prozent des Gesamtbudgets der Abteilung Soziales fließt der Löwenanteil in die Chancengleichheit bzw. Behindertenhilfe. „Und das wird auch in Zukunft so bleiben“, versichert die Sozialreferentin. „Menschen mit Behinderung ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, ist für mich oberste Prämisse.“



Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Böhm