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Großinvestition in Kärntens Geschichte und Zukunft

16.01.2020

Rund 140 Jahre nach der Grundsteinlegung erfährt das Rudolfinum mit einer umfassenden Generalsanierung eine zeitgemäße Neuausrichtung – ein universelles Mehrspartenmuseum wird zukunftsfit



Klagenfurt (LPD). „Kärnten in seiner heutigen Form ist die Summe seiner Geschichte“, betont Kulturreferent LH Dr. Peter Kaiser den hohen Stellenwert des Landesmuseums für Kärnten und seines Haupthauses, des Rudolfinums. Dort, in diesem wichtigsten „Gedächtnis und Antlitz des Landes Kärnten“ wird die Natur- und Kulturgeschichte für alle Kärntnerinnen und Kärntner sowie für die Gäste des Landes erlebbar, innovativ und zukunftsweisend aufbereitet.

Es erscheint sinnfällig, dass im heurigen Jubiläumsjahr 2020 auch der Baubeginn für die Generalsanierung des Rudolfinums erfolgt. Im ersten Quartal 2020 erfolgen Bauvorbereitung und Baustart und werden nach Bauzeitplan in der Jahresmitte 2022 mit der Eröffnung ihren Abschluss finden. „Für das Landesmuseum stellt diese Investition in die Zukunft der Sammlungen einen historischen Meilenstein dar. Besonders wichtig ist mir dabei die klare Ausrichtung des Rudolfinums auf die Bedürfnisse der Besucherinnen und Besucher“, nennt LH Dr. Kaiser einen der wichtigsten Aspekte der Generalsanierung, nämlich die breite Öffnung des Museums für alle Generationen und Anspruchsgruppen.

Wichtig war auch die Wertschätzung für die Begründer des Landesmuseums zum Ausdruck zu bringen: Der Geschichtsverein für Kärnten und der Naturwissenschaftliche Verein für Kärnten werden im neuen Rudolfinum nicht nur ihren vertraglich vereinbarten Standort haben, sondern ihre Arbeit in erweiterten und neu geschaffenen Bürosituationen im Rahmen des „public forums“ leisten können.

Eine Investition in Kärntens Geschichte und Zukunft
In Summe investiert das Land Kärnten 13,2 Millionen Euro (9,5 Millionen Euro für Baukosten/3,7 Millionen Euro für Einrichtungskosten) in die Generalsanierung. Es ist damit aktuell das größte Hochbauprojekt des Landes Kärnten und schließt an die erste Stufe der Neupositionierung des Landesmuseums an, dem Bau des neuen Sammlungs- und Wissenschaftszentrum. Dieses ist seit dem Vorjahr in Betrieb und nunmehr befindet sich auch die zweite Stufe, die Generalsanierung des Rudolfinums, in der Umsetzung.

„Das Besondere an diesem Großprojekt ist die gleichzeitige Investition in Kärntens Geschichte und Zukunft“, bringt es Finanzreferentin LH-Stv.in Dr.in Gaby Schaunig auf den Punkt und betont zudem den hohen Stellenwert des nicht unerheblichen Mitteleinsatzes für unser Bundesland. Wichtig zu erwähnen ist auch die positive Beurteilung des Kärntner Landesrechnungshofes, der dieses Großvorhabens im Jahr 2019 eingehend prüfte. Dabei bestätigte der Landesrechnungshof das Projekt unter Vornahme minimaler Korrekturen, etwa bei der Erhöhung der Reserven.

Alle Planungsschritte und Kostenkalkulationen wurden zudem vom Kuratorium des Landesmuseums, eine durch die jüngste Novellierung des Landesmuseumsgesetzes geschaffene Aufsichtsinstanz analog eines Aufsichtsrates, bestätigt. „Durch die Etablierung dieses neuen Aufsichtsgremiums konnte das sorgfältige Arbeiten mit den durch das Land Kärnten bereit gestellten Mitteln zusätzlich geprüft und bestätigt werden“, dankt Schaunig auch dem Einsatz der Mitglieder des Kuratoriums, allen voran der Vorsitzenden Dr.in Monika Kircher.

Modern und zeitgemäß
Neben moderner Technik sollen auch insbesondere die baulichen Maßnahmen eine besucherzentrierte und zeitgemäße Vermittlungsarbeit unterstützen. „Ein Besuch im neuen Museum soll überraschen, unterhalten und natürlich auch zum Nachdenken anregen, aber vor allem soll das neu gestaltete Rudolfinum zur Wiederkehr einladen“, so der federführend in die Neuplanungen involvierte Leiter der Abteilung 14 – Kunst und Kultur, Igor Pucker, der aufgrund seiner früheren Funktion als Direktor des Landesmuseums im Sinne der Kontinuität die Entwicklungsarbeiten des Rudolfinums auch weiterhin begleitet.

Neu konzipiert werden nicht nur die Form der Präsentation, sondern vor allem die Inhalte. Das Landesmuseum, eines der größten Mehrspartenmuseen Österreichs, hütet einen Sammlungsschatz, bestehen aus mehr als zwei Millionen Objekten. Thematisch werden nicht nur in der kontinuierlichen Forschungsarbeit, sondern auch in der künftigen Ausstellung alle wichtigen wissenschaftlichen Sparten ihren Niederschlag finden, von der Erdgeschichte über die Entwicklung der Kärntner Natur hin zu den historischen Meilensteinen und natürlich werden auch die jüngsten Entwicklungen und Zukunftsperspektiven Kärntens thematisiert.

„Das Rudolfinum Neu soll ein Ort der Begegnung, Bildung, Konversation und Konfrontation werden“, umreißt Pucker die Neuausrichtung des Museums. Das Erdgeschoss ist als öffentlicher Raum, als sogenanntes „public forum“ geplant und beinhaltet den freien Zugang zu allen in diesem Bereich situierten Institutionen und Angeboten, wie Museumsshop, Café, Landesbibliothek oder Veranstaltungsräume.

Aufräumen als Neuanfang
Ausgewählt wurde der vorliegende Entwurf zur Generalsanierung des Rudolfinums aus 26 Einreichungen im Rahmen eines internationalen Architektenwettbewerbes. Den Zuschlag erhielt das Architekturbüro Winkler + Ruck, die das Rudolfinum gemeinsam mit Architekt Ferdinand Certov planen. „Der Entwurf führt das Gebäude auf seine ursprüngliche klare Grundstruktur zurück, entfernt störende nachträgliche Einbauten und erreicht sämtliche zur funktionalen Ertauglichung erforderlichen Maßnahmen durch minimale homöopathische Eingriffe“, erklärt Architekt Roland Winkler seine Entwurfsstrategie, die vor allem unter dem Leitthema des Aufräumens steht. Sein Ansatz des Ausräumens sieht vor, dass nicht weniger, sondern mehr entsteht: Mehr Licht und mehr Raum.

Besondere bauliche Gestaltungsmerkmale des Rudolfinums Neu sind das Glasdach, welches nun auch die neu geschaffenen Innenhöfe überspannen soll. Die beiden nach einem Bombentreffer im zweiten Weltkrieg notwendig gewordenen massiven Einbauten links und rechts des Foyers sollen nunmehr in die Präsentation der Objekte, konkret der Römersteinsammlung, einbezogen werden. Neu gestaltet werden soll auch das Umfeld des Rudolfinums. Hier wird eine Verkehrsberuhigung – nach Möglichkeit bis hin zur Verkehrsbefreiung – der Museumgasse und eine Neugestaltung des Umfeldes angestrebt, als Initiale unter Bedachtnahme der architektonischen Neugestaltung des gesamten Glacis.

Nach dem Betreten des neuen Museums soll sich im Erdgeschoss der in der Planung „public forum“ genannte Teil des Rudolfinums fortsetzen. Innen ermöglichen zudem behutsam gesetzte Maßnahmen zur räumlichen Öffnung neue Sichtachsen quer durch das Haus, die eine erweiterte Transparenz und ein inspirierendes Raumerlebnis schaffen.

Auf zwei Ausstellungsebenen im ersten und zweiten Obergeschoss werden die Neugestaltung der Sammlungs-Präsentationen zur Landesgeschichte und temporäre Sonderausstellungen Platz finden. Der Dialog von Gebäude und Museum an sich spielt eine wichtige Rolle und spiegelt ein zentrales Element der architektonischen Konzeption wider. Als Beispiel hierfür kann die Bodenfläche genannt werden, die in der neuen Ausstellung neben der gestalterischen auch eine inhaltliche Funktion einnehmen wird. Die gesamte Innengestaltung soll eine starke Ausrichtung hin zur einer Erlebniskomponente aufweisen und nicht rein intellektuell oder wissensorientiert sein. Die Kosten für die Inneneinrichtung und Ausstellungsgestaltung belaufen sich auf insgesamt 3,7 Millionen Euro.

Zusammenarbeit des Landesmuseums mit externen ExpertInnen
Die Grundentwicklung der neuen Ausstellungskonzeption wurde ein von einem hochrangigen wissenschaftlichen Beirat begleitet, bestehend aus Gen.-Dir.in Dr.in Sabine Haag - Kunsthistorisches Museum Wien, Dir. HR Dr. Wolfgang Muchitsch - Universalmuseum Joanneum Graz, Dir.in Dr.in Monika Sommer – Haus der Geschichte Österreich sowie Dir. Dr. Andreas Rudigier – Landesmuseum Vorarlberg. Aufbauend auf die Grundentwicklung wurden für die Detailentwicklung Arbeitsgruppengruppen gebildet, die die Themenfelder der Ausstellung erarbeiteten. „Besonders wichtig zu betonen ist dabei, dass die besondere Qualität der Planungsarbeit durch das Zusammenwirken von internen und externen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erzielt werden konnte“, erläutert Pucker die gewählte Vorgehensweise im Zusammenhang mit der Konzeptionierung der künftigen Ausstellungsinhalte des Museums.

Im inhaltlichen Entwicklungsprozess für das neue Rudolfinum wurde die wissenschaftliche Kapazität des Landesmuseums durch externe Expertinnen und Experten entscheidend vergrößert. Für die weiteren Planungen wird am Herbst 2020 die Öffentlichkeit auf breiterer Basis in die Planungen und Vorbereitungen eingebunden. Es werden Konferenzen mit Vertreterinnen und Vertretern der Öffentlichkeit, Vereinen, Verbänden, Expertinnen und Experten sowie Interessierten zu den Kernthemen des Rudolfinums durchgeführt. Im Anschluss an das Jubiläumsjahr 2020 wird sich die erste Konferenz mit der Zeitgeschichte im Museum (1884 bis 2022) und mit Zukunftsperspektiven beschäftigen. Es folgen weitere öffentliche Konferenzen zu Themen der Natur sowie zur generellen Nutzung des Rudolfinums und der Landesbibliothek als dynamisches, offenes Museum.

Das inhaltliche Konzept wurde neben den baulichen Aspekten ebenfalls von der Landesregierung am 3. Dezember 2019 einstimmig beschlossen und bildet die Basis für bis zur Eröffnung weiterführende Umsetzungs- bzw. Detailarbeit. „Dies zu realisieren war nur durch das Zusammenwirken aller Abteilungen des Landesmuseums für Kärnten mit verschiedensten externen Institutionen sowie Expertinnen und Experten möglich“, erklärt der stv. wissenschaftliche Geschäftsführer des Landesmuseums Kärnten, Dr. Christian Wieser. Er betont den positiven Teamgeist der im Zuge der Neuausrichtung des Landesmuseums herrschte und auch weiterhin besteht. Voraussetzung für all dies ist natürlich das neue Sammlungs- und Wissenschaftszentrum als Operationsbasis, mit der die wissenschaftlichen Abteilungen, die Werkstätten, sowie die Verwaltung an einem Ort vereint sind. „Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten gemeinsam an dem Ziel, das Landesmuseum mit neuen Perspektiven zu versehen und als geschichtliche Visitenkarte des Landes Kärnten zu positionieren“, so Wieser, über die für die Neugestaltung des Museums notwendige neue Qualität des Arbeitens an den Sammlungsbeständen.


Dimensionen eines Großvorhabens
Die baulichen Planungs- und Umsetzungsarbeiten werden seitens der Abteilung 2 – Finanzen, konkret vom Landesimmobilienmanagement übernommen. „Die Vorbereitungen und Planungen bis hin zur Auftragsvergabe der Bauaufträge sind bei einem Großprojekt wie diesem eine gewaltige Herausforderung, insbesondere bei einem Museumsbau“, umreißt der Leiter des LIM, DI Reinhard Bachl die aufwändigen Vorarbeiten. Insgesamt wurden bisher 20 Vergabeverfahren durchgeführt, um nun die 20 Bestbieter mit der Durchführung der Arbeiten betrauen zu können. Besonders stolz sei man, so LH Dr. Kaiser, dass „19 dieser Aufträge an Kärntner Firmen vergeben werden“ konnten. In Summe betragen die Baukosten 9,5 Millionen Euro.

Wichtig zu betonen sei, so LH Dr. Kaiser abschließend, dass mit dem Beschluss der Landesregierung zur Generalsanierung des Rudolfinums auch ein eindeutiges Bekenntnis zur Neuausrichtung des Landesmuseums als Gesamtes abgegeben wurde. „Die Standorte Sammlungs- und Wissenschaftszentrum und das Rudolfinum sowie die Außenstellen des Landesmuseums ergänzen sich wunderbar und machen einerseits ein professionelles wissenschaftliches Arbeiten und andererseits die optimale Präsentation der Sammlung und damit die Vermittlung der Landesgeschichte möglich“, hält der Kulturreferent fest und freut sich auf die Eröffnung des Rudolfinums im Jahr 2022.


Link: www.landesmuseum.ktn.gv.at



Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser/LHStv.in Schaunig
Redaktion: Schäfermeier/Robitsch