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Kärnten geht mit Schulversuch voran: Pflegeausbildung mit Matura

17.02.2020
LH Peter Kaiser und LHStv.in Beate Prettner: Kärnten startet im September mit Pflege-Schulversuch an zwei Standorten - Caritas und Diakonie kooperieren mit Gesundheits- und Krankenpflegeschule des Landes - Land übernimmt Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro


Klagenfurt (LPD). Bis 2030 droht österreichweit eine Lücke von 75.000 Pflegekräften. Eine Ausbildungsoffensive seitens des Bundes sei daher hoch an der Zeit, betonte Landeshauptmann und Bildungsreferent Peter Kaiser heute, Montag, im Rahmen einer Pressekonferenz. „Kärnten hat bereits 2018 eine Offensive gestartet mit dem Ziel, bis 2021 die Zahl der Pflegekräfte zu verdoppeln. Wir sind auf einem sehr guten Weg“, so Kaiser.

Tatsächlich befinden sich derzeit knapp 600 Schüler in Kärnten in Ausbildung. Nichtsdestotrotz würden die Länder auch den Bund als Unterstützer benötigen: „Nach langem Tauziehen hat der Bund jetzt endlich einen Schulversuch für eine Pflegeausbildung an Berufsbildenden höheren Schulen mit Matura erlaubt“, informierte der Landeshauptmann. Einziger Wehrmutstropfen: Der Schulversuch wird nur an Privatschulen, nicht an öffentlichen Schulen gestattet. „Trotzdem sind wir froh, dass wir in Kärnten umgehend entsprechende Partner aus dem privaten Schulbereich für die Umsetzung des Pilotprojektes gefunden haben – einerseits ist es die Caritas in Klagefurt, andererseits die Diakonie in Villach“, erläuterte Kaiser, der hofft, dass dieses Ausbildungsangebot nach der Pilotphase seitens des Bundes auch auf öffentliche Schulen ausgeweitet wird. Die Kosten von 1,2 Millionen Euro habe das Land zu tragen. Bildungsabteilung und Gesundheitsabteilung machen dabei „halbe-halbe“.

Realisiert wird der Schulversuch bereits mit dem nächsten Schulbeginn: Je eine Klasse in Klagenfurt und in Villach werden in September an den Start gehen – und zwar in Kooperation mit der Gesundheits- und Krankenpflegeschule des Landes Kärnten, der GuK. „Die GuK stellt das Lehrpersonal für die Pflegefächer. In Villach stellt die GuK zudem die Klassenräumlichkeiten zur Verfügung“, informierte Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner. Genehmigt wurde der Schulversuch seitens des Bildungsministeriums für sieben Jahre: „Das heißt, in dieser Zeit schaffen wir drei Durchgänge. Die Schule dauert fünf Jahre und schließt mit der Matura ab“, so Prettner.

Für sie steht fest: „Mit dieser neuen Ausbildungsform schließen wir eine Lücke, die es bislang in der Pflegausbildung gegeben hat. Erstmals ist es möglich, eine allgemeine Ausbildung mit Matura zu machen und zeitgleich die Schule als Pflegefachkraft abzuschließen“, sagte die Gesundheitsreferentin. Sie hofft, dass nach dem siebenjährigen Pilotprojekt diese Ausbildungsschiene in den öffentlichen Schulbereich implementiert wird.

Wie die Direktorin der Guk-Schulen Kärnten, Beate Wanke, betonte, sei der Schulversuch „ein innovativer Einstieg in den Pflegebereich, der mithelfen wird, noch mehr Jugendlichen einen Andockpunkt für den Pflegeberuf zu bieten.“ Diese Meinung teilten auch Wilfried Hude, Bereichsleiter Schulbildung der Caritas und Susanne Prentner-Vitek von der Diakonie: „Es ist etwas Phänomenales passiert: Caritas und Diakonie ziehen an einem Strang und die GuK ist mit an Bord – das kann nur gut werden“, formulierte es Hude. Auch Prentner-Vitek ist überzeugt, dass der Schulversuch „gut wird“: Wir gehen davon aus, dass wir trotz einer kurzen Vorbereitungszeit im Herbst mit mindestens 20 Schülern starten können. Für den zweiten Durchgang im Schuljahr 2021/22 wird es sicher noch mehr Interessenten geben.“

Zumal die Vorbereitungszeit aufgrund einer sehr späten Entscheidung des Bildungsministeriums tatsächlich knapp ist, haben sich auch nur drei Bundesländer für den Schulversuch ab September 2020 angemeldet: „Kärnten ist selbstverständlich schon vom frühestmöglichen Zeitpunkt an dabei – wir haben bereits im Vorfeld die entsprechenden Weichen gestellt“, sagte Prettner.

Aktuell befinden sich in den Guk-Schulen in Klagenfurt und Villach 384 Schüler. In der FH Kärnten sind es 171 Studierende.



Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser, Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Zeitlinger
Fotohinweis: LPD Kärnten/Just