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Kärntner Notarztsystem: Studienergebnis und Maßnahmenpräsentation

19.02.2020
LHStv.in Prettner: Studie stellt Kärntner Notarztwesen hervorragendes Zeugnis aus – Neue Rahmenbedingungen machen Nachschärfungen nötig – Feiertagshonorare werden um 25 Prozent erhöht, Land übernimmt sämtliche Kosten für Notarztausbildung – Langfristig wird System umgestellt: Anstellung statt Freiwilligkeit


Klagenfurt (LPD). Im Oktober 2018 hat Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner dem Grazer EPIG-Institut den Auftrag erteilt, das Kärntner Notarztwesen zu analysieren. Im Dezember 2019 wurde diese Studie vorgelegt. Heute, Mittwoch, hat Prettner das Ergebnis gemeinsam mit Notarztsprecher Roland Steiner der Öffentlichkeit präsentiert, inklusive jener Maßnahmen, die Prettner „ab sofort“ in Umsetzung bringen wird, um für die sich ändernden Rahmenbedingungen gerüstet zu sein.

Eines vorweg: „Das Zeugnis, das unserem Notarztsystem ausgestellt wurde, ist ein wirklich hervorragendes“, betonte Prettner. Pro Jahr werden in Kärnten rund 13.500 Notärzteeinsätze verzeichnet, das sind 242 pro 10.000 Einwohner. 79 Prozent davon erfolgen über bodengebundene Mittel, knapp 21 Prozent über luftgebundene (Hubschrauber). Die mit Abstand meisten Einsätze passieren vom Stützpunkt Klagenfurt aus (in Summe verfügt Kärnten über neun Stützpunkte plus zwei Hubschrauberstützpunkte): So werden vom Stützpunkt Klagenfurt pro 24 Stunden 6,9 Einsätze absolviert, vom Stützpunkt Villach aus sind es 4,4 Einsätze pro 24 Stunden. Die restlichen sieben Stützpunkte verzeichnen pro Tag zwischen 1,4 und 2,8 Einsätze. Als besonderes Qualitätskriterium gilt die Einsatzzeit: „Hier spielt Kärnten in der absoluten Topliga mit durchschnittlich neun Minuten vom Notfallanruf bis zum Notfallort“, sagte Prettner.

„Dass Kärnten über ein de facto lückenloses Notarztsystem verfügt, ist nicht zuletzt auf die Einsatzbereitschaft der Ärzte zurückzuführen“, dankte Prettner Roland Steiner stellvertretend für jene rund 160 Notärzte, die dem System zur Verfügung stehen. Verändernde Rahmenbedingungen werden es künftig schwieriger machen, die Dienste flächendeckend zu besetzen. Steiner definierte die Rahmenbedingungen wie folgt: „Neues Arbeitszeitgesetz, fehlender Ärztenachwuchs, eine neue Ärztegeneration, die mehr Wert auf work-life-balance legt, neue Ausbildungsregeln und die Bezahlung.“

„Es ist mein höchstes Interesse, dafür zu sorgen, auch weiterhin über ein Notarztsystem zu verfügen, das beispielgebend ist“, versicherte Prettner. „Kurzfristig sind dafür Nachschärfungen notwendig. Langfristig ist es mein Ziel, das System von der Freiwilligkeit an Wochenenden und Feiertagen auf ein Angestelltensystem umzustellen.“ Ein Ziel, das die Notärzte voll unterstützen. „Mir wäre es am liebsten, wenn wir diese Systemumstellung von heute auf morgen schaffen könnten – das ist aber illusorisch, weil es schlichtweg und österreichweit dafür keine Ärzte gibt“, weiß Prettner. „Leider ist der Arbeitsmarkt leer: In Österreich fehlen die Ärzte. Wir werden nicht umhinkommen, die Zugangsbeschränkungen zum Medizinstudium zu lockern“, sagte Steiner. Auch für Prettner ist es unverständlich, „dass wir jedes Jahr mehr als 11.000 junge Menschen wieder nach Hause schicken.“

Kurzfristig wird daher folgendes Maßnahmenpaket umgesetzt: „An den Feiertagen und den neuralgischen Wochenenden erhöhen wir das Honorar von derzeit 980 Euro um 25 Prozent auf 1.226 Euro“, informierte Prettner. Zudem wird eine Zeit-Flexibilisierung ermöglicht: „Die Dienstzeit an Wochenenden und Feiertagen kann auch gesplittet werden: Zwei Ärzte können sich einen 24-Stunden-Dienst zu je zwölf Stunden teilen“, so Prettner, die damit auf eine weitere Forderung der Ärzte reagiert.

Zusätzlich zu den Stützpunkt-Dienstplänen wird es einen übergeordneten „kärntenweiten Dienstplan“, der online einsehbar ist, geben. Basis dafür ist ein Notärzte-Pool, der aktuell eingerichtet wird. Parallel dazu wird das Land die Notärzteausbildung weiter forcieren. „Wir werden die Ausbildungs- und Prüfungskosten übernehmen. Im Gegenzug verpflichten sich die neuen Notärzte, unserem Notarztsystem über einen gewissen Zeitraum zur Verfügung zu stehen“, erklärte Prettner.

Für die Umstellung auf das Angestelltensystem wären zusätzlich 40 Anästhesisten notwendig – „dass das nicht auf Knopfdruck geht, ist allen klar“, so Prettner. „Wir werden uns diesem Ziel also schrittweise nähern. In der Zwischenzeit werden die kurzfristigen Maßnahmen dazu beitragen, dass die notärztliche Versorgung in Kärnten auf höchstem Level garantiert bleibt“, sagte die Kärntner Gesundheitsreferentin.



Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Böhm
Fotohinweis: Büro LHStv.in Prettner