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Coronavirus 167: Landeshauptmann und Glaubensgemeinschaften appellieren gemeinsam an Bevölkerung

08.04.2020
In einer in Österreich einmaligen Pressekonferenz wenden sich der Landeshauptmann von Kärnten sowie die Vertreter der drei größten Glaubensgemeinschaften an die Menschen im Land: Anordnungen ernst nehmen, Maßnahmen umsetzen, um sich und andere zu schützen – die entscheidenden Tage stehen bevor


Klagenfurt (LPD). In einer Pressekonferenz, die ihresgleichen in Österreich suchen muss, haben sich heute, Mittwoch, Landeshauptmann Peter Kaiser, Bischof Josef Marketz, Superintendent Manfred Sauer und Esad Memic, Vorsitzender des Schurarat der Islamischen Glaubensgemeinschaft, gemeinsam an die Kärntner Bevölkerung gewandt, um die Menschen, um ihre Gläubigen, aufzurufen, alle Maßnahmen zur Eindämmung der Coronaausbreitung weiterhin zu befolgen, die Lage ernst zu nehmen und sich selbst und andere damit zu schützen.

„Mit dieser gemeinsamen Pressekonferenz wollen wir die gute Zusammenarbeit der Glaubensgemeinschaften mit der Politik in Kärnten sichtbar machen. Die nächsten Tage werden entscheidend sein, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und um damit die Normalität in unseren Alltag zurück zu erlangen. Die individuelle Verantwortung wird zu einer Verantwortung für alle, gegenüber allen, wer auf sich schaut, schützt andere“, betonte LH Peter Kaiser am Beginn der Pressekonferenz und bedankte sich bei Marketz, Sauer und Memic, dass sie seinem Aufruf gefolgt sind, sich in Einigkeit an die Menschen zu wenden. „Alle Gläubigen müssen ihre Feste und Rituale anders begehen, als sie es gewohnt sind. Das Miteinander wird in einer völlig neuen Intensität und Qualität gelebt, wie es vorher noch nie gelebt worden ist“, so Kaiser.

Der Landeshauptmann betonte, dass die Osterfeiertage entscheidend sein werden für die nahe Zukunft und für die Rücknahme der Einschränkungen. „Der eingeschlagene Weg ist richtig, das zeigen die Zahlen. Wir alle haben es in der Hand, ob sich die positive Entwicklung fortsetzt und ich ersuche Sie alle, mit zu helfen“, forderte Kaiser auf.
Bischof Josef Marketz dankte dem Landeshauptmann für die Gelegenheit, dass die Glaubensgemeinschaften gemeinsam wahrgenommen werden können, die laut Marketz für die „seelische Grundversorgung im Land verantwortlich sind“. „Die Maßnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen sind uns nicht nur aufgebürdet worden. Sie sind auch ein Geschenk, um die Zahl der Infizierten zu reduzieren. Es heißt: liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Jetzt können wir unsere Nächstenliebe ausdrücken, in dem wir unser und das Leben anderer nicht gefährden“, so Marketz. Der Bischof forderte weiterhin Konsequenz von den Mitmenschen ein, ebenso Vertrauen und Glauben. „Wir müssen vertrauen und glauben. Da gehört auch dazu, den Experten, den Krisenstäben und der Regierung zu vertrauen“, so Marketz.

Die Kirche selbst habe in dieser Krisensituation, um die Menschen seelisch aufzurichten, neue Medien entdeckt, neue Wege gefunden, um die Gläubigen anzusprechen, um sie zu betreuen und zu begleiten. „Ostern ist das größte Fest des Glaubens und der österliche Inhalt lässt sich auf unser derzeitiges Leben übertragen. Der Karfreitag bedeutet, Leid zu ertragen. Der Karsamstag symbolisiert die Einsamkeit, das zu Grabe tragen, aber auch das Durchhalten, denn auch Jesus war nicht alleine und darauf folgt das Licht, die Auferstehung am Ostermontag. Ich weiß, die Krise dauert länger als ein dreitägiges Osterfest. Aber es gibt Licht, es wird Leben geben – das wollen wir den Christen vermitteln“, sagte Marketz.

Superintendent Manfred Sauer fand ebenso dankende Worte für diese außergewöhnliche Pressekonferenz. „Die Karwoche ist eine zentrale Zeit für uns Christen und es ist in dieser Ausnahmezeit gut, dass wir gemeinsam an die Öffentlichkeit gehen, um die Kirchenmitglieder zu ermutigen, weiterhin die Maßnahmen konsequent einzuhalten und auch zu Ostern und bei diesem Wetter nicht nachlässig zu werden. Bleiben wir konsequent, bleiben wir vorsichtig und behutsam“, rief Sauer auf.

Die Not lehre zu beten und so habe diese Krise laut Sauer auch zu einer neuen Nähe geführt. „Wir versuchen, die Menschen zu ermutigen, ihnen geistige Nahrung zu geben, denn der Mensch lebt nicht von Brot alleine. Dafür nutzen wir neue Medien und bleiben mit den Gläubigen in Kontakt“, so Sauer, der auch die Herausforderungen der Zeit ansprach, wie die Gottesdienste, die nicht in Gemeinsamkeit mit den Menschen stattfinden können, aber vor allem die Beerdigungen mit vielen Menschen, die den Trauernden Stärke und Unterstützung geben. „Es ist einschneidend, aber wir versuchen die Beerdigungen nach Hinten zu verschieben“, erklärte Sauer. Der Superintendent schloss mit der Bergpredigt: „Ihr seid das Salz dieser Erde, das Licht dieser Welt – wir sind verbunden im Glauben!“

Esad Memic von der Islamischen Glaubensgemeinschaft strich ebenso die wichtige Bedeutung, sich in dieser Form an die Bevölkerung zu wenden, hervor und wünschte zu aller erst allen Gläubigen, allen Menschen im Land, viel Gesundheit. „Wir haben in den letzten Jahren, in guten, wie in schlechten Zeiten bewiesen, dass wir zusammenarbeiten und sind jetzt mehr denn je gefordert, als Gesellschaft zusammen zu halten, diszipliniert zu sein und uns an die Anordnungen zu halten. Bleiben wir geduldig und diszipliniert“, rief Memic seine Glaubensanhänger auf und wünschte zugleich allen Christen ein schönes Osterfest.

Memic sprach auch den bevorstehenden Fastenmonat, den Ramadan, der am 23. April beginnt und am 23. Mai endet, an und wendete sich an die Muslime: „Es ist gerade jetzt sehr wichtig, bleiben wir solidarisch, schützen wir einander und andere. Unsere Moscheen bleiben geschlossen. Bleiben Sie zu Hause, feiern und beten Sie zu Hause. Wir werden uns für unsere Gebete via Telefon oder Facebook treffen!“ Abschließend bedankte sich Memic bei allen, die arbeiten müssen, die das Leben aufrechterhalten und sagte: „Wir werden als Einheit in der Vielfalt diesen Kampf gewinnen“.



Rückfragehinweis: Landespressedienst Gerd Kurath
Redaktion: Gerlind Robitsch