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Coronavirus 193: Kärnten erarbeitet Maßnahmen für rasches Wiederhochfahren nach Corona

18.04.2020
LH Kaiser: Arbeitsmarkt ist größte Herausforderung, besonderes Augenmerk auch auf Kinder legen – LR Gruber: Konjunktur mit Investitionen beleben, Maßnahmen auf der Gesetzes- und Verwaltungsebene setzen – Koordinator Wurzer über Pflege


Klagenfurt (LPD). Arbeit, Einkommen, Wirtschaft, Versorgung, usw. – viele für unser Leben wichtige Bereiche sind durch die Corona-Krise stark betroffen. Das Bundesland Kärnten arbeitet daher Maßnahmen und Initiativen aus, um das rasche Wiederhochfahren dieser Bereiche nach Corona zu unterstützen. Der entsprechende Beschluss soll am Dienstag in der Regierungssitzung fallen. Landeshauptmann Peter Kaiser und Landesrat Martin Gruber haben darüber heute, Samstag, in einer live im Internet übertragenen Pressekonferenz informiert. Koordinator Günther Wurzer ging auf Maßnahmen im Pflegewesen ein, das besonders vor dem Virus geschützt werden muss. Der Landeshauptmann konnte zudem vermelden, dass Kärnten als erstes Bundesland unter hundert aktuell Infizierte, nämlich genau 91, verzeichnet.

„Wir müssen lernen, mit dem Coronavirus zu leben, bis es Medikamente oder eine Impfung gibt. Wir müssen aber gleichzeitig darauf achten, dass das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben nicht zum Erliegen kommt“, betonte Kaiser. Daher gelte es, bei allen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus auch eine Folgenabschätzung zu machen. Als größte Herausforderung sieht der Landeshauptmann den Arbeitsmarkt. Kärnten habe derzeit rund 40.000 Arbeitslose und rund 40.000 Menschen in Kurzarbeit. Vor allem auch die Kinder zählen für ihn zu den am stärksten betroffenen Gruppen, auf sie wolle man in Abstimmung mit dem Bund besonderes Augenmerk legen.

In Kärnten werde man für die Zeit nach Corona schon jetzt zum Beispiel Behördenverfahren, Förderpakete oder Investitionsprogramme genau durchforsten. „Wo es sinnvoll ist, wollen wir unter anderem auch Digitalisierungsschritte vorantreiben“, erklärte Kaiser. Wesentlich werde die Regionalitäts-Charta mit der Beschaffung heimischer Produkte und Lebensmittel sein. Außerdem wolle man im Zuge des Standortmarketings Kärntens Stärken sichtbarer machen.

Besonders von Corona betroffen seien auch Kultur, Sport und das Veranstaltungswesen. „Wir müssen hier andere Formen finden, damit Orchideen in unserer Kultur-, Sport- und Vereinslandschaft nicht zerfallen“, so Kaiser. Die Landesausstellung im Zuge von CARINTHIja 2020 wolle man beispielsweisen virtuell eröffnen und zugänglich machen. Der Landeshauptmann mahnte aber auch, dass die Corona-Krise soziale und gesundheitliche Ungleichheiten vergrößere – auch in Österreich. Zudem warf er ein, dass man die Pandemie nur global bekämpfen könne und forderte ein europäisches Wiederaufbauprogramm für die „Postcoronaphase“.

„Die Krise wird vorbeigehen, darauf bauen wir. Und wir müssen für diese Zeit gerüstet sein“, betonte auch LR Martin Gruber. Kärnten stecke schon jetzt die Eckpfeiler für diesen Neustart aus. Insbesondere wolle das Bundesland durch Investitionen und Impulse die Konjunktur beleben sowie Maßnahmen auf der Gesetzes- und Verwaltungsebene setzen. Man habe sich als Koalition darauf geeinigt, dass es ein zweites Covid-19-Gesetzespaket geben muss. „Wir wollen die Auflagen für die Wirtschaft wo möglich reduzieren, suchen nach Deregulierungspotentialen. Wo es geht, sollen Instanzenzüge verkürzt werden, bürokratische Hürden auch für die Landwirtschaft beseitigt werden“, erklärte er. Im Bereich des Landes solle es weiters zu schnelleren Förderungs- und Rechnungsauszahlungen kommen, Genehmigungs- und Auszahlungsprozesse sollen angepasst werden.

Gruber kündigte an, dass man im Landeshaushalt investive Maßnahmen priorisieren werde. „In meinem Referatsbereich werden zum Beispiel Gelder für Jagd und Fischerei eingefroren und Mittel für den Straßenbau aufgestockt“, erklärte er. Er stellte aber klar, dass alles was zugesagt wurde, auch ausbezahlt werde. Das Bestbieterprinzip solle noch stärker in Richtung regionale Verfügbarkeit gewichtet werden. Und im Tourismus arbeite man an einer Herbstinitiative, die auf den Innerösterreichischen Markt ausgerichtet ist. Gruber ging wie Kaiser auf das Standortmarketing ein und meinte, dass das ausgezeichnete Gesundheitssystem und die gute Versorgung durch die heimische Landwirtschaft mit regionalen Lebensmitteln entscheidende Standortfaktoren seien. Das werde man in Zukunft noch mehr in den Fokus rücken, betonte der Landesrat.

Koordinator Wurzer sagte, dass in Kärntens Pflegeheimen die vom Bund angeordneten Reihenuntersuchungen bereits angelaufen seien. Kärnten habe bereits zuvor, als erstes Bundesland, Neuzugänge in Heimen getestet und sei das einzige Bundesland ohne positivem Fall in einem Pflegeheim. Wurzer betonte aber, dass man trotz der positiven Entwicklung in Kärnten weiterhin sehr wachsam sein müsse. Für die Heime solle es nun vom Land kostenlose Tablets geben, damit die Bewohnerinnen und Bewohner mit ihren Angehörigen per Videotelefonie Kontakt haben können. „Dazu gibt es Hygieneanleitungen, weil die Tablets nach Gebrauch und vor Weitergabe zu desinfizieren sind“, so Wurzer. Der Bonus für in der 24-Stunden-Betreuung Tätige solle am Dienstag in der Regierungssitzung beschlossen werden. Anfang nächster Woche werde Kärnten auch einen Modus zur Testung der 24-Stunden-Betreuungskräfte präsentieren.



Rückfragehinweis: Landespressedienst
Redaktion: Markus Böhm
Fotohinweis: LPD Kärnten/fritzpress