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75 Jahre Selbstbefreiung Kärnten

04.05.2020
Land Kärnten gedenkt jener, die für Demokratie ihr Leben riskiert haben – LH Kaiser, Präsident Rohr und Landesarchiv-Direktor Zeloth erinnern an dramatische Tage im Mai 1945 – NS-Regime beendet, Fundament für Demokratie und Selbstbestimmung gelegt


Klagenfurt (LPD). Auf Grund der Corona-Situation musste die angedachte Gedenkfeier und das Symposium im Kärntner Landesarchiv (urspr. 6. Mai) anlässlich „75 Jahre Selbstbefreiung Kärnten“ abgesagt werden. Nichts desto trotz war es Landeshauptmann Peter Kaiser, Landtagspräsident Reinhart Rohr und Landesarchiv-Direktor Thomas Zeloth wichtig, an die denkwürdige Zeit, an die dramatischen Tage im Mai 1945 zu erinnern und damit jener zu gedenken, die vor 75 Jahren ihr Leben riskiert haben, um der Demokratie den Weg zu ebnen.

Kaiser erinnerte an die Situation in Kärnten damals. „Eine Million Menschen lebten damals in Kärnten. Die Bevölkerung, deutsche Soldaten, Kriegsgefangene und vertriebene Volksdeutsche. Die Zeit war gezeichnet von ungeheurer Brutalität und war geprägt vom NS-Schreckensregime. Trotzdem haben zum zweiten Mal für Kärnten ein paar wenige das Heft des Handelns in die Hand genommen, sich in ihrem Demokratieverständnis nicht brechen lassen und ihr eigenes Leben riskiert, indem sie den Rücktritt des damaligen NS-Gauleiters Friedrich Rainer erzwingen konnten, damit dem NS-Regime für Kärnten ein Ende und ein deutliches Zeichen für die Demokratie und für die Selbstbestimmung setzen“, fasste Kaiser zusammen. Diesen acht Menschen, die den Aufstand wagten, die hohe Verantwortung auf sich genommen haben und für ein freies Land Kärnten in Österreich eingetreten sind, wolle das Land laut Kaiser nun auf diesem Wege die Referenz erweisen. „Es ist mir besonders wichtig, jener zu gedenken, die ihr Leben für die Demokratie riskiert haben“, so Kaiser.

Der Landeshauptmann zitierte aus der Proklamation der provisorischen Landesregierung, die in der Kärntner Zeitung vom 8. Mai 1945 unter der Überschrift „Kärnten – ein freies Land Österreichs“ gedruckt worden war und in der die provisorische Regierung an die Menschen appellierte: „Schwere Zeiten liegen hinter uns, schwere liegen vor uns. Es gilt nun zusammenzustehen und alles für den Aufbau der Heimat und die Erhaltung kostbaren Lebens zu tun.…Kärntner deutscher und slowenischer Sprache, schart euch um die Regierung.“ Die provisorische Landesregierung bestand damals aus Landeshauptmann Hans Piesch, Landeshauptmann-Stellvertreter Stephan Tauschitz, LR Hans Ferlitsch, LR Hans Herke, LR Silvester Leer, LR Josef Ritscher, LR Julius Santer und LR Ferdinand Wedenig.


Auch der Präsident des Kärntner Landtages verwies auf die dramatische Zuspitzung der Lage in den ersten Mai-Tagen 1945. „Es waren bewegende Tage für das Wiedererstehen der Demokratie und der freien Meinungsbildung. Es ging aber nicht nur um das klare Bekenntnis zu einer demokratischen Republik. Es ging auch um das Widerrufen der Deportationen von Kärntner Slowenen. Kärnten war vor 75 Jahren ein Trümmerfeld – buchstäblich und auch demokratiepolitisch. Heute leben wir den Geist des Ausgleichs und des Dialoges, beides wurde Bestandteil unserer politischen Kultur“, betonte Rohr. Der Präsident erinnerte in diesem Zusammenhang auch daran, dass diese Kultur auch in der Kärntner Landesverfassung festgeschrieben worden ist. „Wir haben 2018 mit dem Verankern der slowenischen Volksgruppe in der Landesverfassung ein klares Bekenntnis zur Mehrsprachigkeit und kulturellen Vielfalt abgegeben“, so Rohr.

Thomas Zeloth beschrieb die Entwicklungen in dieser ersten Mai-Woche im Jahr 1945. „Überall herrschte Widerstand im Land, die britische Armee stand vor den Grenzen, jugoslawische Truppen drohten von Süden, die Bevölkerung war kriegsmüde, die Städte in Kärnten waren schwer geschädigt und der Gauleiter Friedrich Rainer wollte in den letzten Tagen des NS-Regimes nicht zurücktreten, sondern die nationalsozialistische Gewaltherrschaft mit allen Mitteln verlängern. Ein Umsturz war also dringlich“, berichtete Zeloth. Die Männer der ersten Stunde trugen laut dem Landesarchiv-Direktor ein hohes Risiko, denn der Umsturz bedeutete nichts weniger als Hochverrat gegenüber dem NS-Regime. „Diese Männer wollten einen unblutigen Umsturz, ohne Kampfhandlungen und die Besetzung durch die jugoslawische Armee verhindern. 12 Jahre Diktatur, sieben Jahre erbarmungslose Gewaltherrschaft endeten mit dem Aufstand dieser Männer“, so Zeloth. Der 7. Mai 1945 wurde zum Tag der Selbstbefreiung und der erste Schritt zu Wahlen.



Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Gerlind Robitsch
Fotohinweis: LPD Kärnten/Szalay