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Klimaschutz: Politik und Wissenschaft haben globale Verantwortung

19.06.2020
LH Kaiser beim 3. Forum Anthropozän: „Gesellschaftlicher Gegenwartsegoismus muss der Enkelverantwortung weichen, koste es was es wolle“ – LR.in Schaar: „Neues Kompetenzzentrum für Klima- und Umweltfragen strahlt über Kärnten hinaus“


Klagenfurt (LPD). Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser und Umweltreferentin LR.in Sara Schaar nahmen gestern, Donnerstag, als virtuelle Diskutanten am 3. Forum Anthropozän teil. Mit fünf Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, und Politik, der Meeresbiologin Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, dem deutschen Ökologen und Geographen Daniel J. Dahm, dem Schweizer Ökonomen und Präsidenten der Ethos-Stiftung, Rudolf Rechsteiner, dem Kasachischen Botschafter in Österreich und Slowenien, Kairat Sarybay, und dem Leiter der ORF-Wetterredaktion Marcus Wadsak, wurde über das Thema „Klima. Die Krise - Warum Wissenschaft und Macht im Dialog bleiben müssen“ diskutiert. Moderiert wurde das Forum von Fritz Habekuss, Wissenschaftsjournalist (Die Zeit).

Corona- und Klima-Krise treten für den Landeshauptmann nicht im gleichen Gewand auf. „Die Zeit wird derzeit von Corona überlagert. Es ist auch latent, dass die Klimadiskussion gerade an den Rand der Diskussion gestellt wird. Daher ist es umso wichtiger, dass man im Rahmen des Anthropozän Forums das Klima nicht vergisst und sich mit ihm auseinandersetzt“, stellte Kaiser fest. Für ihn ist die Klimapolitik bzw. die Diskussion über sie, wo immer sie auch stattfindet, interdisziplinär zu verstehen. „Es liegt nun an uns allen, aber vor allem an der Politik und der Wissenschaft, die nicht immer gemeinsam einer Meinung sind, die globale Verantwortung zu übernehmen und unsere Gesellschaft weiter zu entwickeln.“ Wissen und Handeln müssten kongruenter werden. Der gesellschaftliche Gegenwartsegoismus müsse der Enkelverantwortung weichen, koste es was es wolle.

Kaiser plädierte auch dafür, dass auf internationaler Ebene ein ökosoziales Steuersystem so rasch wie möglich einzuführen sei. „Die Maxime, die man nun braucht, heißt globales Denken und regionales Handeln. Anstelle von Lippenbekenntnissen sind in einem ersten Schritt die notwendigen Maßnahmen klar zu kommunizieren und im zweiten Schritt sind sie umzusetzen“, so Kaiser.

Als ersten wichtigen Schritt, klimaschutzwirksam tätig zu werden, sieht der Landeshauptmann auch das kommende Klimaschutzvolksbegehren. „Jede und Jeder, dem das Klima am Herzen liegt, sollte es in der Einschreibungswoche von 22. bis 29. Juni 2020 unterschreiben“, lautete sein Appell.

„Ich freue mich, dass das Forum Anthropozän auch dieses Jahr, wenn auch in anderer Form als gewohnt, stattfindet“, sagte Schaar bei ihrer Begrüßung. Klimaschutz und Klimawandelanpassung dürften gerade jetzt nicht vernachlässigt werden. Erneut sichtbar gemacht werde durch das Forum auch das Mölltal bzw. die Nationalparkregion Hohe Tauern. Sabine Seidler, die das Forum Anthropozän bereits zum dritten Mal organisiert, ist auch Partnerin des 1. Europäischen Klima- und Umweltbildungszentrums, das inmitten des Nationalparks als Kompetenzzentrum für Klima- und Umweltfragen kürzlich gegründet wurde. „Ich bin überzeugt davon, dass unsere Zusammenarbeit gewinnbringend sein wird. Das Zentrum soll künftig bei Klima- und Umweltfragen über Kärnten hinausstrahlen“, betonte die Umweltschutzreferentin.

Einig waren sich alle Diskutanten, dass es für alle Entscheidungsträger - Politik, Wirtschaft und Industrie, Wissenschaft und Interessenvertreter - höchste Zeit sei, im Klimaschutzbereich zu handeln und zu forschen. Wichtig sei auch eine Allianz mit der Jugend.

I N F O: Das Forum Anthropozän (www.forum-anthropozaen.com) wird organisiert und durchgeführt von der Initiative ProMÖLLTAL | ARGE Alpine Nature Campus, der Gemeinde Großkirchheim Infrastruktur KG, dem Nationalpark Hohe Tauern Kärnten, der Paris-Lodron-Universität Salzburg, dem Anthropocene Network Vienna/Universität Wien und dem Universitäts.club/Wissenschaftsverein Kärnten. Das Forum geht seit 2018 interdisziplinär der Frage nach, wie sich Menschen wieder verstärkt als Einheit mit der Natur verstehen und erleben können und wie Innovationen eine nachhaltige Entwicklung fördern kann und wie der globale Wandel auch als Chance für eine bewusste Gestaltung der künftigen Erde betrachtet werden kann.



Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser, Büro LR.in Schaar
Redaktion: Michael Zeitlinger
Fotohinweis: Büro LR.in Schaar