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WIRTSCHAFT

Wirtschaft: Kärnten blickt optimistischer in die Zukunft

26.06.2020
LH Kaiser, LHStv.in Schaunig, LR Gruber, LR Schuschnig nach WKK-Konjunkturkonferenz: Investitionsbereitschaft Kärntner Unternehmer höher als in anderen Bundesländern – Rechnungsabschluss eröffnet Möglichkeiten für langfristig wirksame Investitionen – Klima der Stabilität wichtig für Standort


Klagenfurt (LPD). Bei der Konjunktur- und Investitionskonferenz in der Wirtschaftskammer wird alljährlich über die aktuelle Lage und die wirtschaftlichen Perspektiven Kärntens diskutiert. Heute, Freitag, waren sich alle anwesenden Regierungsmitglieder sowie Spartenvertreterinnen und Spartenvertreter einig: Die Kärntner Wirtschaft steht auf Grund der Corona-Krise vor großen Herausforderungen – doch auch wenn insgesamt für dieses Jahr weniger neue Investitionen geplant sind und Rückgänge bei den Exporten erwartet werden, so geben die Ergebnisse der unter rund 800 Kärntner Unternehmen durchgeführten Konjunkturumfrage durchaus auch Anlass zur Zuversicht.

Laut der repräsentativen Umfrage haben sich die Geschäftsaussichten durch die Corona-Krise in Kärnten zwar spürbar verschlechtert, die bisherigen Umsatzrückgänge stellen sich jedoch geringer dar als in den restlichen Bundesländern. Auch sind durch die Krise hierzulande weniger Liquiditätsengpässe entstanden und es bestehe in Kärnten eine höhere Investitionsbereitschaft als in anderen Bundesländern. Kärntens Wirtschaftstreibende sehen zudem positiver in die Zukunft als die Unternehmerinnen und Unternehmer in Rest-Österreich: So glauben beispielsweise 52 Prozent daran, ihre Umsatzrückgänge in diesem Jahr wieder aufholen zu können – österreichweit liegt dieser Wert bei 33 Prozent.

Landeshauptmann Peter Kaiser stellte im Anschluss an die Konferenz fest, es sei nun wichtig, finanzielle Spielräume, die sich durch den letzten Rechnungsabschluss ergeben, und die damit vorhandene Investitionskraft zu nützen. Man sei bisher in Kärnten vergleichsweise gut durch die gesundheitliche Corona-Krise gekommen, jetzt gehe es darum, im wirtschaftlichen Bereich dort gegenzusteuern, wo es Möglichkeiten gäbe. „Dies sind besonders die Bereiche Infrastruktur und Bildung. Die öffentliche Hand hat jetzt die Aufgabe, zu investieren, um auch die Konsumkraft der Kärntnerinnen und Kärntner stärken und erhalten zu können. Ebenso braucht es soziale Maßnahmen für all jene Menschen, die es in dieser schwierigen Zeit benötigen“, sagte Kaiser. Es werde entscheidend sein, Hebelwirkungen mit Ko-Finanzierungen zu erreichen, beispielsweise bei EU-Programmen und für Gemeinden.

Finanzreferentin LHStv.in Gaby Schaunig wies auf geschnürte Unterstützungspakete wie jene des KWF hin, die von stillen Beteiligungen zur wichtigen Erhöhung der Eigenkapitalquote von Unternehmen bis hin zu zusätzlich zum Bund gewährten Haftungen reichen. Auch mit dem AMS konnte ein Maßnahmenbündel geschnürt werden, um Menschen in Beschäftigung zu halten, sie wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren und durch Schulungsmaßnahmen weiter zu qualifizieren. Zudem wurden im Wohnbauförderungsbeirat Investitionsprogramme beschlossen, hier vor allem im Sanierungsbereich, ebenso in den Breitbandausbau, wie derzeit im Görtschitztal. Gerade in unsicheren Zeiten benötige es verlässliche und gemeinschaftliche Entscheidungen. In Kärnten gibt es dazu einen sehr gut funktionierenden Schulterschluss zwischen Politik, Wirtschaft und Sozialpartnern. Damit entsteht ein Klima der Stabilität, und das ist für Kärnten als Standort wichtig“, betonte Schaunig.

Landesrat Martin Gruber wies auf die Bedeutung der Kärntner Bauwirtschaft in der Krisenzeit hin. Hier werde seitens der öffentlichen Hand weiterhin kräftig investiert, so allein in diesem Jahr im Straßenbau 35 Millionen Euro und im Ländlichen Wegenetz 20 Millionen Euro. „Die gesamte Bauwirtschaft ist eine Konjunktur-Lokomotive und soll das auch bleiben, umso mehr in Zeiten wie diesen, weil Effekte in der Baubranche sofort regional spürbar sind“, betonte Gruber. Es gehe hier darum, tausende heimische Arbeitsplätze zu sichern. Im Straßenbau werde auch an einer Reform des Bestbieterprinzips gearbeitet. Es soll zu einer Neugewichtung der Zuschlagskriterien kommen, die zusätzlich heimische Unternehmen unterstützt, so Gruber.

Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig betonte die optimistische Ausgangslage, die trotz der sehr schwierigen und herausfordernden Situation in Kärnten derzeit zu erkennen sei. So sei die Ausgangslage bei Aufträgen etwas besser als im Österreich-Schnitt. „Darum ist es jetzt wichtig, die richtigen Anreize zu setzen und bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. Es gilt jetzt, mutige Schritte zu setzen – so etwa bei der Baurechtsnovelle, die es umzusetzen gilt“, so Schuschnig. Ebenso werde die Export-Offensive neu aufgestellt und heimische Export-Unternehmen damit noch besser für den Wettbewerb gerüstet sein. „Derzeit sind viele Europäische Unternehmen dabei, ihre Lieferketten wieder zu verkürzen. Wir wollen, dass Kärntner Unternehmen von dieser Re-Europäisierung profitieren“, erklärt der Wirtschaftslandesrat.

WK-Präsident Jürgen Mandl dankte den Regierungsmitgliedern für die gute Zusammenarbeit, insbesondere auch während der Corona-Krise, die 170 Länder weltweit betroffen habe. „Kärnten ist gesundheitlich bisher gut durch die Krise gekommen, das kann uns beim wirtschaftlichen Recovery-Prozess durchaus helfen“, so Mandl. Es sei jetzt vor allem von Bedeutung, Investitionen und den Export wieder anzukurbeln, um zumindest einen Teil der Verluste abfedern zu können. Entscheidend sei es jetzt, das Vertrauen in die Zukunft – sowohl bei Unternehmen als auch bei den Kunden – wieder gewinnen zu können.


Rückfragehinweis: Regierungsbüros
Redaktion: Schäfermeier/Rauber
Fotohinweis: LPD Kärnten/Wajand