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Land beschließt Leitlinien für eine zukunftsfähige Baukultur

27.06.2020
LH Kaiser, LHStv.in Schaunig, LR Fellner, LR.in Schaar, LR Gruber, LR Schuschnig: Sich wohlfühlen, Kärnten attraktiv und lebenswert zu erhalten, die Stärkung der Orts- und Stadtkerne sowie sparsamer Umgang mit Grund und Boden als zentrale Eckpfeiler

Eine qualitätsvolle Baukultur hat vielfache Vorteile: Sie steigert die Lebensqualität, wertet den Wirtschaftsstandort auf und wirkt ökologisch nachhaltig. Für die Etablierung einer hochwertigen Baukultur braucht es jedoch Aufmerksamkeit in der Planung und Umsetzung.

Aus diesem Grund sprach sich die Kärntner Landesregierung dafür aus, baukulturelle Leitlinien zu erstellen. Die Erstellung erfolgte in Form eines breiten Beteiligungsprozesses. Wie die Landesregierung mit Landeshauptmann Peter Kaiser, LHStv. Gaby Schaunig, LHStv. Beate Prettner, Landesrat Daniel Fellner, Landesrätin Sara Schaar, Landesrat Martin Gruber und Landesrat Sebastian Schuschnig heute, Samstag, ankündigt, werden die erarbeiteten Leitlinien in der kommenden Regierungssitzung seitens des Regierungskollegiums beschlossen – sie sollen eine zukunftsfähige Baukultur ermöglichen.

„Mir geht es darum, dass man sich in Kärnten wohl fühlt, dass wir Städte, Gemeinden, Orte und unser Landschaftsbild so gestalten, dass es nicht nur momentan, sondern langfristig auch für unsere Kinder und Enkel attraktiv und lebenswert ist. Dafür setzt Kärnten als erstes Bundesland Baukulturelle Leitlinien auf Landesebene um“, betont Kaiser. Rund 100 Fachleute aus Politik, Verwaltung, Planung und Zivilgesellschaft arbeiteten sowohl online als auch in zahlreichen Workshops an der Erstellung der Leitlinien. Sie entstanden in einem laufenden Polylog und sind das Ergebnis vieler Diskussionsrunden. Ein wesentlicher Eckpunkt der Baukulturellen Leitlinien sei laut Kaiser der sparsame, enkelverantwortliche Umgang mit Grund und Boden. So sollen zukünftig etwa alternative, flächensparende Wohnformen forciert werden.

Ein weiteres Ziel der Leitlinien sei laut Gemeinde- und Raumordnungsreferent Landesrat Daniel Fellner die Stärkung der Orts- und Stadtkerne: „Gestärkte Stadt- und Ortskerne sind ein wesentlicher Beitrag zu einer nachhaltigen Raumentwicklung und sorgen dafür, dass lokale Handels- und Gewerbebetriebe bestehen und Arbeitsplätze erhalten und geschaffen werden können. Zusätzlich ermöglichen sie einen Alltag der kurzen Wege, damit Besorgungen etwa gut zu Fuß oder mit dem Rad erledigt werden können.“ Zudem sollen die Gemeinden stärker dabei unterstützt werden, vorhandenen Leerstand zu aktivieren.

Die Auszahlung von Fördermitteln im Baubereich soll laut Finanzreferentin LHStv. Gaby Schaunig zukünftig an qualitativ hochwertige Projektentwicklungen und an die tatsächlich umgesetzte Qualität der Bauten gekoppelt werden. Der Begriff „Baukultur“ wird darüber hinaus als Qualitätskriterium in allen Förderschienen (WBF, Schulbaufonds, KWF-Mittel, EU, etc.) verankert. Noch stärker geachtet werden soll auf Kärntens historische Bausubstanz. Daher sehen es die Leitlinien auch vor, ein attraktives Förderwesen für Altbausanierung und –weiterentwicklung zu etablieren. Künftige Förderkriterien sollen die Inwertsetzung von bestehender Bausubstanz begünstigen. „Hochwertiges, ressourcenschonendes und zukunftsfähiges Planen und Bauen wird durch die Baukulturellen Leitlinien noch weiter in den Fokus gerückt werden“, erklärt Schaunig.

Dass die baukulturellen Leitlinien auch auf den Inklusionsgedanken Rücksicht nehmen, ist Gesundheits- und Sozialreferentin LHStv. Beate Prettner wichtig: „Das heißt, Neu- oder Umbauten müssen zum einen den generationenfitten, zum anderen den barrierefreien Aspekt verstärkt gewährleisten.“ „Baukultur“ mache also vor betreuten Wohnformen ebenso wenig Halt wie vor Wohnverbünden der Chancengleichheit.

Einen weiteren wichtigen Schritt sieht Umweltreferentin LR Sara Schaar in den Leitlinien, wenn es um Klimaschutz in Kärnten geht: „Wir müssen jetzt ins Tun kommen, um gemeinsam gegen die Klima-Krise vorzugehen. Eine nachhaltige Raumplanung und eine gute Baukultur schützen das Klima, die Umwelt und die Kärntner Landschaft. Gleichzeitig gilt es die Gemeinden bestmöglich zu unterstützen. Ein sparsamer Umgang mit Grund und Boden sowie auch kurze Wege machen Kärnten enkelfit.“

Für Orts- und Regionalentwicklungsreferent LR Gruber wird durch diese Leitlinien eine gesamtheitliche Betrachtung der Baukultur in Kärnten ermöglicht. „Die Erhaltung des Ortsbildes ist auch ein Standortfaktor. Attraktive, funktionierende Orts- und Stadtkerne steigern die Lebensqualität vor Ort und wirken somit auch der Abwanderung entgegen.“ Aufbauend auf diesen Leitlinien brauche es aber regional differenzierte Konzepte. „Baukultur und regionale Identität hängen eng zusammen, beides muss vor Ort gelebt werden. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Gemeinden bei der Erarbeitung von Ortsentwicklungskonzepten unterstützt werden. Denn unsere Heimat ist so vielfältig wie unsere Gemeinden“, so Gruber. Diese Konzepte werden auch in die zukünftige Orts- und Regionalentwicklung verstärkt einfließen.

Verbunden werden soll die Baukultur auch mit dem Tourismus. „Besonders in Tourismusgemeinden und an den Kärntner Seen werden wir unser Landschaftsbild noch stärker schützen“, betont Tourismusreferent LR Sebastian Schuschnig. Besonders soll der Wildwuchs an Zweitwohnsitzen eingedämmt werden. „Wir setzen auf Qualitätstourismus, nicht auf Massentourismus. Eine nachhaltige Baukultur und ein sorgsamer Umgang mit unserem Landschaftsbild sind dafür unverzichtbar“, so Schuschnig.


Rückfragehinweis: Regierungsbüros
Redaktion: Schäfermeier/Rauber

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