Presseaussendungen

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CARINTHIja2020: St. Veit als vorerst letzte Station der Mobilen Ausstellung

23.10.2021
LH Kaiser: Es war eine Reise durch Kärntens Geschichte und durch Kärnten – 2022 ist die Ausstellung in Wien - Geplant ist auch nach Laibach/Ljubljana zu gehen


Klagenfurt (LPD). Das eigentliche Jubiläumsjahr 2020 ist zwar vorüber, aber viele coronabedingt verschobenen Aktivitäten wurden im heurigen Jahr nachgeholt. So auch die Mobile Ausstellung, die gestern, Freitag, in St. Veit an der Glan zum letzten Mal in Kärnten eröffnet wurde. Nach Völkermarkt, dem Großglockner, Feldkirchen, Villach und Klagenfurt im Jahr 2020 folgten im Herbst 2021 die Bezirksstädte Wolfsberg, Spittal/Drau, Hermagor und nun vom 23. Oktober bis 1. November St. Veit/Glan.

In seinen Grußworten machte Kulturreferent Landeshauptmann Peter Kaiser einen geschichtlichen Rückblick auf die Zeit um die Volksabstimmung 1920 und bezog sich auf die Veränderung Europas seitdem: „Damals hätten sich viele ein Europa erwünscht und erträumt, das zusammensteht, das Gemeinsamkeiten definiert, in dem es vor allem Friede, wechselseitige Achtung und respektvolles Begegnen gibt. Das war in Zeiten vor der Volksabstimmung so nicht der Fall.“ Besonders erfreut und stolz zeigte sich Kaiser darüber, dass seit zwei Wochen eine Gedenktafel in Völkermarkt steht, auf der allen Opfern des Kärntner Abwehrkampfes gedacht werde - ohne Zugehörigkeit zu einem der beiden Staatsgebilde, sondern in alphabetischer Reihenfolge. „Auch das ist ein Zeichen, dass wir uns aus diesem Vergangenen Kraft für Zukunftsgestaltung in der Gegenwart holen sollen.“

Lange sei überlegt worden, wie diese Ausstellung anzulegen sei und wie sie den Menschen in diesem Land und darüber hinaus nähergebracht werden sollte. „Ich denke, dass es gelungen ist, die Vergangenheit nicht schönzureden und jenen besonders zu gedenken, die Großartiges und über die normale menschliche Tätigkeit hinausgehendes geleistet haben. Es sollte auch nicht verschwiegen werden, dass in der Zwischenkriegszeit, in der Systemzeit, im Austrofaschismus und im Nationalsozialismus gröbstes, schlimmstes und verletzendes Unrecht an Menschen geschehen ist. Auch an jenen Menschen, die damals – obwohl ihre Muttersprache Slowenisch war - für den Verbleib bei Österreich gestimmt haben.“ In der Wiederaufbauzeit habe man neue Zukunftsperspektiven geben können, aber die Frage der Volksgruppen sei über viele Jahre politisch missbraucht worden. „Ich stehe auch heute nicht an, mich einmal mehr bei meinem Amtsvorgänger Gerhard Dörfler zu bedanken, dem es gelungen ist, eine historische Chance zu nutzen, mit allen politischen Kräften in diesem Land, diesen permanenten Konflikt der topografischen Aufschriften - ausgehend vom Artikel 7 des Staatsvertrages - einer solchen kompromissorientierten Lösung zuzuführen, so dass alle Organisationen der Kärntner Sloweninnen und Slowenen, die großen Parteien im Kärntner Landtag und letztendlich auch das gesamte Kärnten, vertreten durch Konsensgruppe, aber auch Traditionsvereine, mit dieser Lösung leben lernten und sie mittlerweile weiterentwickelt haben“, sagte der Landeshauptmann.

Der Kompromiss habe 163 zweisprachige Ortstafeln umfasst, beschlossen im Jahr 2011. Heute würden 194 Ortstafeln in Kärnten stehen und es gebe auch weiter Bemühungen, Ortschaften, die in ihrer Geschichte zweisprachig sind, sichtbar zu machen. Für Kaiser ein Zeichen, dass die Orientierung in das nächste Jahrhundert und nicht rückwärtsgerichtet sei.

„Ich habe viele Meinungen gehört über diese Landesausstellung und es war keine dabei, die sie verächtlich gemacht oder vehement in ihrer Darstellung kritisiert hätte. Das zeigt die exzellente, historische, wissenschaftliche, nichts beschönigende, aber in manchen Bereichen auch die Zukunft in den Mittelpunkt rückende Herangehensweise der verantwortlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Ihnen ein herzliches Danke, sie haben viel dazu beigetragen, dass wir heute offener aufeinander und in die Zukunft blicken können“, meinte der Landeshauptmann.

Kaiser berichtete außerdem, dass er in den letzten zwei Monaten vier slowenische Minister getroffen und es rund 30 Veranstaltungen gegeben habe. Der Landeshauptmann verwies in diesem Zusammenhang auf eine Ausstellung über den Kärntner Abwehrkampf aus Sicht der Republik Slowenien: „Sie wurde in Laibach/Ljubljana gezeigt und ist derzeit im Kärntner Landesarchiv ohne Kommentare oder Anmerkungen ausgestellt, um zu sehen, dass jedes geschichtliche Ereignis mehrere Perspektiven – vor allem subjektive - hat. Das ist ein Zeichen für die Reife einer Gesellschaft, die sich damit auch selbst in die Lage versetzt, Zukünftiges - und es wird sehr viel Herausforderndes auf uns zukommen - so zu bewältigen, dass man eine gewisse Offenheit hat, die niemandem schadet, aber vielen hilft.“

Über die Mobile Ausstellung sagte Kaiser weiters, dass sie zwar 100 Jahre Kärntner Volksabstimmung zum Inhalt gehabt habe, aber trotzdem dazu animieren soll, nach vorne zu schauen. „Wir werden mit der Ausstellung 2022 nach Wien gehen, um auch hier zu zeigen, dass es zeitlos ist, Geschichte immer neu zu begegnen. Ich bin nicht unoptimistisch, dass mein Vorschlag an Ministerin Helena Jaklitsch, sie ist Sloweniens Ministerin für Slowenen im Ausland, diese Ausstellung auch in Laibach/Ljubljana zu zeigen, angenommen werden wird“, so der Landeshauptmann.

„Es war eine Reise durch Kärntens Geschichte und durch Kärnten“, sagte Kaiser und dankte Kulturabteilungsleiter Pucker, dass er sich mit seiner Meinung durchgesetzt hätte, dass die Ausstellung zu den Menschen gehen sollte, um dort im Herzen und im Hirn zu landen. „Und diese Landung ist gelungen“, sagte der Landeshauptmann.

Bis inklusive 1. November 2021 können sich interessierte Besucherinnen und Besucher noch über wichtigste Aspekte der Landesgeschichte des vergangenen Jahrhunderts sowie die Hintergründe der Volksabstimmung informieren. Die Mobile Ausstellung stellte eine von drei Säulen des Jubiläumsjahres 2020 dar. Ergänzt wurde und wird diese durch knapp 90 Ausschreibungsprojekte mit insgesamt mehr als 300 Veranstaltungen in den Jahren 2020 und 2021. Den dritten Schwerpunkt bildeten die offiziellen Feierlichkeiten des Landes Kärnten, die rund um den 10. Oktober 2020 ihren Höhepunkt fanden.

Bei der Eröffnung dabei waren auch Bezirkshauptfrau Claudia Egger-Grillitsch, Bürgermeister Martin Kulmer, Igor Pucker, Leiter der Kulturabteilung des Landes, Christian Wieser, wissenschaftlicher Geschäftsführer Landesmuseum für Kärnten und Univ.-Prof. Helmut Konrad sowie einige Landtagsabgeordnete. Die Moderation übernahm Eva Mion von der Abteilung Kunst und Kultur, für die musikalische Umrahmung sorgten der Gemischter Chor Liebenfels und das Kärntner Trommlerkorps.



Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Ulli Sternig
Foto: LPD Kärnten/


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