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Hitze und Gesundheit



Informationen der Landessanitätsdirektion 23.06.2016




Temperaturregulierung
Der menschliche Körper ist von seiner Organphysiologie für Temperaturen ausgelegt, die geringer sind als seine Kerntemperatur von etwa 37 Grad Celsius. Die bei der Organtätigkeit und Muskelarbeit produzierte Wärme wird an die Körperoberfläche transportiert und an die in der Regel kühlere Umgebung abgegeben. Dazu erweitern sich die Blutgefäße in der Haut. Liegt die Außentemperatur über der Körperkerntemperatur, erleichtert dieser Mechanismus das Vordringen der Außenwärme ins Körperinnere.
Die effektive Kühlung bei hohen Außentemperaturen erfolgt durch das Schwitzen. Durch die vermehrte Feuchtigkeitsproduktion an der Körperoberfläche wird mittels Verdunstungskälte Hitze abgeführt. Dieser Vorgang funktioniert bei niedriger Luftfeuchtigkeit wesentlich besser als bei hoher. In Trockengebieten ist die Schweißproduktion trotz Hitze relativ gering, in Tropengebieten dagegen auch ohne besondere Anstrengung enorm.


Unterstützung der Wärmeabfuhr
Ideal zur Abkühlung sind lauwarme Duschen oder Bäder mit etwa 20 bis 30 Grad Celsius, ohne die Haut anschließend abzutrocknen. Wasser hat eine ca. 30-fach höhere Wärmeleitfähigkeit als Luft und ist somit besonders gut zur Abkühlung geeignet. Wird heiß geduscht, so wird dem Körper durch die Erweiterung der Blutgefäße sogar noch Wärme zugeführt. Wird kalt geduscht, ist der Abkühlungseffekt geringer als bei lauwarmem Duschen, da die kalten Tropfen auf der Haut schwerer verdunsten.
Günstig auf die Verdunstung von Wasser oder Schweiß auf der Haut und damit die produzierte Verdunstungskälte wirken Luftbewegung (Wind, Fächer, Ventilator) sowie Luftentfeuchtung (z. B. mittels Klimaanlagen im Innenraum).
Weite, nicht anliegende Kleidung schützt nicht nur vor Strahlungshitze der Sonne, sondern erleichtert auch die Luftzirkulation.


Flüssigkeitsbedarf bei Hitze
Der durch das Schwitzen bedingte Flüssigkeitsverlust muss ausgeglichen werden, um einen Hitzeschaden zu vermeiden. An heißen Tagen sollen mindestens zwei, besser drei bis vier Liter zugeführt werden. Bei extremer sportlicher Betätigung kann der Bedarf sogar bei zehn und mehr Litern liegen.
Neben der reinen Menge ist aber auch die Zusammensetzung der zugeführten Flüssigkeit von Bedeutung. Sie sollte unbedingt Mineralstoffe und Elektrolyte enthalten und dies nicht nur wegen der Gefahr von Hitzekrämpfen infolge von Salzverlust.
Der entscheidende Auslöser für das Durstgefühl ist nicht die sinkende Flüssigkeitsmenge im Körper, sondern eine erhöhte Salzkonzentration. Wird nur reines Wasser getrunken, sinkt die Salzkonzentration im Körper wieder relativ rasch und das Durstgefühl lässt nach, obwohl der Mineralstoffbedarf noch nicht aufgefüllt ist. Besonders bei sportlicher Betätigung mit starkem Schwitzen sind daher auch isotonische Getränke angezeigt, die Mineralstoffe und Elektrolyte enthalten.
Als Flüssigkeitsersatz geeignet sind z. B. verdünnte Fruchtsäfte, Mineralwässer und Tee, wobei auch etwas Kochsalz zugefügt werden kann. Ungünstig bei hohen Temperaturen ist der Konsum großer Mengen sehr kalter Getränke, da diese den Körper zur Energieproduktion zwingen.


Hitzeschäden
Hohe Umgebungstemperaturen beeinflussen nicht nur das Wohlbefinden, sie können auch Hitzeschäden hervorrufen:

Hitzekrämpfe
Symptome:
■ Muskelzuckungen und schmerzhafte Muskelkrämpfe (meistens in den Beinen, Armen oder im Bauch)
■ starkes Schwitzen

Hitzekrämpfe sind ein Frühwarnzeichen für Probleme des Körpers mit Hitze und entstehen gewöhnlich im Zuge starker körperlicher Aktivität. Die Ursache liegt in einem Defizit von Flüssigkeit und Salz. Nach dem Auftreten von Hitzekrämpfen ist es wichtig, die Aktivität (v. a. Sport) einzustellen, einen kühlen Ort aufzusuchen und Flüssigkeit (außer bei Übelkeit und grundsätzlich keine koffein- und alkoholhältigen Getränke) schluckweise zuzuführen. Zur Linderung der Krämpfe können die betroffenen Muskeln leicht gedehnt, ein fester Druck auf sie ausgeübt oder eine leichte Massage angewandt werden. Die Wiederaufnahme von Anstrengung innerhalb der nächsten Stunden nach Auftreten der Muskelkrämpfe kann zu einer Hitzeerschöpfung und sogar zum Hitzschlag führen.


Hitzeerschöpfung (Hitzekollaps)

Symptome:
■ starkes Schwitzen (bei vorerst kühler Haut)
■ blasse oder hochrote (Gesichts-)Haut
■ Muskelkrämpfe
■ weicher Puls
■ Müdigkeit
■ Schwäche
■ Schwindelgefühl
■ Kopfschmerzen
■ Übelkeit
■ Erbrechen
■ Erschöpfung
■ Ohnmacht

Hitzeerschöpfung ist die Antwort des Körpers auf zu große Wasser- und Salzverluste über den Schweiß. Sie tritt häufig bei starken körperlichen Anstrengungen in heißer Umgebung mit hoher Luftfeuchtigkeit auf. Anfällig für Hitzeerschöpfung sind auch ältere Menschen und Personen mit Bluthochdruck. Durch die Überhitzung des Körpers nimmt der Blutfluss zur Haut zu, sodass die Durchblutung anderer Organe abnimmt und Schwäche bis hin zum Kollaps eintreten kann. Es gilt, Betroffene an einem kühlen Ort flach zu lagern und deren Wasser- und Elektrolytverlust langsam auszugleichen. Bei Verschlechterung des Zustandes ist medizinische Hilfe notwendig. Unbehandelt kann eine Hitzeerschöpfung zu einem Hitzschlag führen.




Hitzeschlag

Symptome:
■ extrem hohe Körpertemperatur
■ rote, heiße und trockene Haut (keine Schweißabsonderung mehr)
■ schneller, weicher Puls
■ schnelle flache Atmung
■ fallender Blutdruck
■ pulsierend-pochende Kopfschmerzen
■ Schwindelgefühl
■ Übelkeit
■ Verwirrtheit
■ Bewusstlosigkeit

Ein Hitzschlag entsteht, wenn der Körper seine Temperatur nach längerer Einwirkung von großer Hitze und unzureichender Wärmeabgabe (körperliche Überanstrengung bei feuchter Hitze oder Aufenthalt in überhitzten geschlossenen Räumen) nicht mehr regulieren kann. Der Mechanismus zur Absonderung von Schweiß versagt und die Körpertemperatur kann innerhalb von 10–15 Minuten auf über 40 °C ansteigen. Die akute Überhitzung des Körpers führt zu einer Hirnschwellung. Medizinische Hilfe ist sofort anzufordern. Bis zu deren Eintreffen soll der Betroffene an einem kühlen Ort hingelegt und zusätzlich (z. B. mit nassen Tüchern) gekühlt und seine Atmung beobachtet werden. Ohne Notfallbehandlung kann der Hitzschlag zu Dauerschäden oder zum Tod führen.


Sonnenstich
Symptome:
■ heftiger Kopfschmerz
■ Übelkeit
■ Fieber
■ Schwindel
■ Ohrensausen
■ orthostatischer Kollaps

Ein Sonnenstich entsteht durch lang andauernde, unmittelbare Einwirkung der Sonnenstrahlen auf den Kopf und Nackenbereich. Besonders gefährdet sind kleine Kinder. Durch das Tragen einer hellen Kopfbedeckung kann dem Sonnenstich vorgebeugt werden. Betroffene müssen in den Schatten gebracht werden, ihr Kopf hoch gelagert und mit feuchten Tüchern gekühlt werden.


Risikofaktoren für Hitzeschäden
■ Alter unter 4 Jahren und über 65 Jahren
■ Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder -Belastungen (z. B. Flüssigkeitsmangel, Adipositas)
■ Hautveränderungen (z. B. Sonnenbrand)
■ Fieber
■ Alkoholmissbrauch
■ Medikamente, die die Gefäßerweiterung der Haut verhindern (Sympathomimetika), die Herzleistung herabsetzen (Betablocker), das Schwitzen unterdrücken (Anticholinergika) oder zur Austrocknung führen (Diuretika)
■ Schlafmangel, Infektionen und die Lutealphase des weiblichen Zyklus (durch die erhöhte Körperkerntemperatur setzt das Schwitzen erst später ein) können die Hitzeverträglichkeit zusätzlich mindern



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