Ausbildungsmodelle

Im Rahmen des Förderprogramms des Bildungsministerium „Berufsmatura: Lehre mit Reifeprüfung“, welche im Herbst 2008 startete, wird Lehrlingen die kostenlose Möglichkeit einer Berufsausbildung (Lehre) mit den Vorteilen einer Matura (Berufsreifeprüfung) geboten.


INNERBETRIEBLICHES MODELL

Beim innerbetrieblichen Modell besucht der Lehrling die Vorbereitungslehrgänge während der Arbeitszeit in der Fachberufsschule. Grundvoraussetzung für dieses Ausbildungsmodell ist, dass sich der Lehrbetrieb dazu bereit erklärt, den Lehrling (zusätzlich zum Berufsschulunterricht) auch für die Maturavorbereitungslehrgänge freizustellen (unter Fortzahlung der Lehrlingsentschädigung). Diesbezüglich ist eine entsprechende Vereinbarung zwischen dem Lehrbetrieb und dem Lehrling im Lehrvertrag aufzunehmen.


Bei diesem Ausbildungsmodell wird die Maturavorbereitung auf die Arbeitszeit angerechnet, wobei hier wiederum zwischen vier möglichen Varianten unterschieden werden muss:


  • Variante 1 - mit Lehrzeitverlängerung

Mit dem Lehrling kann im Einvernehmen eine Verlängerung der Lehrzeit um bis zu 18 Monate vereinbart werden. Empfehlenswert ist hierbei eine Verlängerung auf insgesamt 4 Jahre Lehrzeit, was wiederum auch der Dauer der Maturavorbereitung an den Berufsschulen entspricht. In diese Vereinbarung kann wahlweise auch ein Passus zur Bezahlung der Lehrlingsentschädigung aufgenommen werden, dass die Entschädigung für die einzelnen Lehrjahre jeweils über einen verlängerten Zeitraum bezahlt wird (z.B. Verlängerung von 3 auf 4 Lehrjahre -> jeweils 16 Monate Lehrlingsentschädigung für das 1., 2. und 3. Lehrjahr). Eine Verlängerung der Lehrzeit ist auch noch zu einem späteren Zeitpunkt möglich (siehe dazu auch Variante 3).


  • Variante 1a - mit eingeschränkter Lehrzeitverlängerung (Novelle 2015)

Eine weitere Variante wurde mit dem Inkrafttreten der BAG-Novelle 2015 geschaffen. Hierbei kann die Verlängerung auf Antrag exakt im Ausmaß der Gesamttage erfolgen, die für Vorbereitungsmaßnahmen für die Matura aufgewendet werden. Die Verlängerung bezieht sich dabei jeweils auf jene Jahre, in welchen die Vorbereitungsmaßnahmen stattfinden.


  • Variante 2 - ohne Lehrzeitverlängerung aber mit Verlängerung der Behaltezeit

In diesem Fall kommt es zu einer Verlängerung der Behaltezeit unter Beibehaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Lehrzeit. Berücksichtigt werden muss hier aber, dass dem Lehrling nach der Lehrzeit bereits der Lohn bzw. das Gehalt nach dem Kollektivvertrag bezahlt werden muss und dass die Zusage nicht mehr einseitig rückgängig gemacht werden kann.


  • Variante 3 - ohne Verlängerung der Lehr- oder Behaltezeit

Eine Teilnahme an den Vorbereitungslehrgängen ist auch ohne Verlängerung der Lehrzeit oder der Behaltezeit möglich, d.h. der Lehrling besucht während der Lehrzeit in der Arbeitszeit den Vorbereitungslehrgang. Für die Zeit während der Behaltezeit und gegebenenfalls für die Zeit danach, müsste mit dem Lehrling bei Bedarf eine vom Lehrvertrag unabhängige separate Einigung (am besten schriftlich) über den Weiterbesuch der Vorbereitungslehrgänge getroffen werden. Zusätzlich wäre es bis zum Ende der Lehrzeit immer noch möglich, einen neuen Lehrvertrag mit verlängerter Lehrzeit abzuschließen oder die Behaltezeit im Einvernehmen bis zum Abschluss der Vorbereitungslehrgänge zu verlängern.


Beachten Sie:

Der Abbruch der Maturavorbereitung ist jedenfalls der Lehrlingsstelle zu melden, da es zu einer Anpassung der Lehrzeit kommen muss.


AUSSERBETRIEBLICHES MODELL

Beim außerbetrieblichen Modell finden die Vorbereitungskurse außerhalb der Arbeitszeit statt. Dabei erfolgt die Maturavorbereitung ohne Anrechnung auf die Arbeitszeit, was somit auch keinerlei Auswirkungen auf den Lehrvertrag, die Entlohnung, die Sozialversicherung oder die Beschulung hat. Grundvoraussetzung für dieses Ausbildungsmodell ist ein aufrechtes Lehrverhältnis.