Bleistätter Moor

Bleistätter Moor Luftaufnahme; Foto: Erwin Stromberger

Bleistätter Moor bietet viel Naturerlebnis

Vom ökologischen Sorgenkind zum Refugium für eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt: das ist der Wandel, der im Bleistätter Moor mit umfangreichen Sanierungsmaßnahmen vollzogen wurde. Entlang eines sanften Wanderweges können nun Kranich, Eisvogel, Fledermaus, Libelle und Co. von den Besucherinnen und Besuchern der Ostbucht des Ossiacher Sees entdeckt werden.


Sanfter Tourismus

Mit der Flutung und Renaturierung des Bleistätter Moors wurde ein wichtiges Gewässer- und Naturschutzprojekt umgesetzt. Es ist das Ergebnis einer vieljährigen Kooperation zwischen Fachleuten aus den Bereichen Gewässerökologie, Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus. „Neben der Natur - der Fauna und Flora - profitiert insbesondere die örtliche Bevölkerung davon. Eine echte Win-win-Situation“, freuen sich der Leiter der Landesumweltabteilung Harald Tschabuschnig und seine Projektkoordinatorin und Stellvertreterin Barbara Pucker.

Rund sieben Kilometer lang ist eine leichte Rundwanderung (Slow Trail), die auf mehreren Strecken durch das artenreiche Natur-, Landschafts- und Europaschutzgebiet der Tiebelmündung führt. Seit der Flutung des rund 80 Hektar großen Gebietes im Frühjahr 2017 hat sich hier ein attraktiver Lebensraum entwickelt, der seltene Tier- und Pflanzenarten beherbergt. Über 200 Vogelarten konnten bereits beobachtet werden. Darunter echte Raritäten wie der scheue Eisvogel, Kraniche, Weiß- und Schwarzstörche, Fisch- und Zwergadler u.v.m. Weiters kann man die nur zwei Millimeter große Bauchige Windelschnecke, mindestens 14 Fledermausarten – darunter die sehr seltene Wasserfledermaus – sowie zahlreiche Amphibien und über 700 Schmetterlingsarten, wie z. B. den EU-weit geschützten Großen Feuerfalter entdecken. Freude mit dem Flutungsbecken haben aber auch viele Fischarten, wie zum Beispiel die Karpfen des Ossiacher Sees, die durch die neu entstandenen Flachwasserbereiche nunmehr optimale Laichgebiete vorfinden.

Mit dem Slow Trail ist ein Angebot geschaffen worden, das sanften Tourismus und geschützte Natur harmonisch miteinander verbindet. Der Slow Trail bietet unentdeckte Naturschauplätze an der Tiebel sowie Ruhe- und Entspannungsorte mit herrlichem Seepanorama. Der Verein „Natour ErLeben“ bietet regelmäßig Führungen für Naturgenießer durch das Schutzgebiet an.

In das Gesamtkonzept Bleistätter Moor und Slow Trail wurde auch die Landesstraße L 50 eingebunden, die östlich des Ossiacher Sees das Nord- mit dem Südufer verbindet. Hier kommt es während des Sommerhalbjahres zu einer Verkehrsberuhigung und damit zu einem gesicherten Radverkehr. Ins Auge gefasst wird auch die Errichtung eines Holzsteges für Fußgänger parallel zur L 50. Die Machbarkeit dieses Steges aus statischer, geologischer, naturschutzfachlicher und vor allem auch finanzieller Sicht wird derzeit geprüft. Anknüpfend an den Slow Trail soll weiters ein bestehender Weg, welcher parallel zur Tiebel östlich der Flutungsbecken verläuft, integriert werden.


Natura 2000-Gebiet

Einst galt das Bleistätter Moor mit einer Ausdehnung von rund 600 Hektar als eines der größten Moorgebiete Kärntens. Anfang der 1930er-Jahre wurde mit dem Bau von Entwässerungsanlagen zur Trockenlegung begonnen. Die dadurch gewonnenen Flächen sind über Jahrzehnte von der Wassergenossenschaft Bleistätter Moor intensiv landwirtschaftlich genutzt worden. So gelangten ausgeschwemmte Dünge- und Pflanzenschutzmittel ohne Filterwirkung in den Ossiacher See, was die Wasserqualität speziell in der Ostbucht immer mehr verschlechterte, bis hin zu stark vermehrtem Algenwachstum. Auch durch die Tiebel gelangten viele Nährstoffe in den See. Mit der Sanierung und Flutung des westlichsten Teiles des Moores hat sich die gewässerökologische Qualität des Sees bereits stark verbessert. Mit der Wassergenossenschaft besteht enge Kooperation dahingehend, wie die Bewirtschaftung im Moor östlich der L50 umfassend und ganzheitlich für alle Beteiligten optimiert werden kann.

Die Tiebelmündung und angrenzende Flächen waren schon seit Jahrzehnten Naturschutz- bzw. Landschaftsschutzgebiet. 2002 erfolgte die Nominierung als Natura 2000-Gebiet und wurde schlussendlich als Europaschutzgebiet Tiebelmündung verordnet. Neben dem nördlichen ist nunmehr auch das südliche Flutungsbecken als Natura 2000-Gebiet ausgewiesen.


Zahlen, Fakten, Daten

Die Gesamtkosten für das Projekt „Sanierung Bleistätter Moor“ belaufen sich auf 10,44 Millionen Euro. Das Land Kärnten zahlte 4,37 Mio. €, der Bund 5,9 Mio. €, der Wasserverband Ossiacher See 150.000 € und die Gemeinde Steindorf 30.000 €. Die Maßnahmen umfassten den Bau eines Hochwasserschutzdammes für Steindorf, die Errichtung eines neuen Pumphauses für die Wassergenossenschaft Bleistätter Moor, Ablösen von Flächen für die Flutungsbecken, die Tiebel-Räumung und Saugbaggerungen sowie den Bau eines Begrenzungsdammes und die Flutungsbecken selbst.